Sportausschuss-Chefin Freitag kritisiert Russland-Begnadigung

Sportausschuss-Chefin Freitag kritisiert Russland-Begnadigung

Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, hat die Begnadigung des russischen Olympia-Komitees ROC nur drei Tage nach Ende der Olympischen Winterspiele scharf kritisiert. "Wir haben Dopingfälle innerhalb der russischen Mannschaft gehabt. Die werden als Einzelfälle abgetan", sagte die SPD-Politikerin dem SID am Mittwoch und sprach von einem "Desaster" und einem "Schlag ins Gesicht aller sauberen Athletinnen und Athleten".
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte die Suspendierung des ROC zuvor aufgehoben, nachdem sich keine weiteren positiven Doping-Befunde von "Olympischen Athleten aus Russland", wie das russische Team bei den Spielen in Pyeongchang hieß, ergeben hätten. Der Hauptgrund für Freitags Wut liegt jedoch weiter zurück. "Entscheidend ist doch, dass sich Russland niemals dazu bekannt hat, was vor Sotschi und in Sotschi passiert ist", sagte die 64-Jährige.
Das IOC hatte Russlands NOK im Dezember des vergangenen Jahres wegen des Staatsdopingskandals rund um die Spiele vor vier Jahren in Sotschi suspendiert. Geplant war, Russland zur Schlussfeier im südkoreanischen Pyeongchang wieder in die olympische Familie einzugliedern, zwei Dopingfälle im 168 Sportler starken Team der unter neutraler Flagge startenden "Olympischen Athleten aus Russland" verhinderten das Vorhaben.
Im Hinblick auf die Zukunft von Olympia und des IOC zeichnete Freitag angesichts der jüngsten Entwicklungen ein düsteres Bild: "So wird das Internationale Olympische Komitee in demokratischen Staaten keine Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, und darauf werden sie angewiesen sein, wenn es um die Vergabe von Olympischen Spielen geht."