Darum ruft der BVB eine Rekordsumme für Dembele auf

Christoph Küppers
Ousmane Dembele möchte Borussia Dortmund Richtung Barcelona verlassen

Seit elf Tagen ist Ousmane Dembele nach seinem Trainingsstreik nun schon von Borussia Dortmund suspendiert. Der Franzose befindet sich in Frankreich, über zwei Mitarbeiter hält der BVB sporadischen Kontakt zum 20-Jährigen.

Dembeles größter Wunsch: sein baldiger Wechsel zum FC Barcelona. Aktuell scheint eine Einigung zwischen dem BVB und den Katalanen aber in weiter Ferne.

"Wir sind bereit, ihn zu verkaufen. Das, was wir wollen, liegt auf dem Tisch. Wenn sie das nicht zahlen, ist Dembele wieder bei uns", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bei Sky und ergänzte, die Wechselwahrscheinlichkeit liege momentan bei unter 50 Prozent.

BVB will rasche Entscheidung

Watzke präsentiert sich als harter Verhandlungsführer. Der BVB-Boss ist bereit, ein Exempel zu statuieren. Zahlt der FC Barcelona nicht die Summe, die der Borussia vorschwebt, wird Dembele nicht wechseln.

Watzke und BVB-Manager Michael Zorc hatten zudem zuletzt betont, nicht "bis ultimo", also bis zum Ende der Transferfrist am 31. August, auf ein Angebot aus Barcelona warten zu wollen. Nach SPORT1-Informationen strebt Watzke eine rasche Entscheidung an: bis zum Anfang der kommenden Woche will der BVB-Boss Klarheit.

Dembele und dem FC Barcelona bleiben also nur noch eine Woche Zeit. Die Uhr tickt momentan - wohl anders als von Dembele mit Beginn seines Trainingsstreiks gedacht - gegen ihn und die Katalanen.

Rekordablöse wird gefordert

Nach einem ersten Treffen der BVB-Bosse mit Vertretern der Spanier am 10. August am Düsseldorfer Flughafen gab es elf Tage keinen Kontakt zwischen den Vereinen. Das bislang einzige Angebot über 85 Millionen Euro plus 20 Millionen Euro Bonuszahlungen lehnte die Dortmunder Partei um Watzke ab – und hinterlegte eine deutliche Forderung: Barcelona müsste schon mindestens 130 Millionen Euro Ablöse zahlen, plus Boni. Darunter geht nichts.

Es ist eine riesige und für die Bundesliga einzigartige Summe, die der BVB für Dembele aufruft. In Dortmund beharrt man aber penibel auf genau dieser Forderung – und das aus mehreren Gründen.


Zum einen ist da die enorme Einnahme des FC Barcelona aus dem Neymar-Transfer. 222 Millionen Euro überwies Paris St. Germain an die Katalanen. An diesen Geldflüssen im immer verrückter werdenden Profigeschäft will natürlich auch der BVB partizipieren.

Hohe Forderungen sind gerechtfertigt

Viel gewichtiger allerdings: Mit Dembele würde der BVB ein absolutes Top-Talent verkaufen. Der Franzose hat im letzten Sommer in Dortmund einen Fünfjahresvertrag ohne Ausstiegsklausel unterschrieben. In Zeiten, in denen viele "normale" Transfers aus oder nach England schon über 30 Millionen Euro in die Kasse spülen, erscheint die BVB-Forderung für so ein Talent daher durchaus realistisch.

Dazu kommen finanzielle Komponenten. Nach SPORT1-Informationen ist der Dembele-Wechsel vor einem Jahr in der Dortmunder Bilanz über vier Jahre mit 12,5 Millionen Euro abgeschrieben. Diese Summe müsste getilgt werden. Dazu kommt beim Weiterverkauf eine einmalige Zahlung von 20 Millionen Euro an Dembeles Ex-Klub Stade Rennes. Nicht zu vergessen außerdem: die Steuerzahlungen nach einem Transfer.

Zusammengerechnet müsste der BVB also zwischen 50 und 60 Millionen Euro abgeben. Auch diese Tatsache lässt die hohe BVB-Forderung realistisch erscheinen. Doch kann und will der FC Barcelona diese Summe aufbringen? Und was ist mit Dembele?

Eingliederung in die Mannschaft eine Herausfoderung

Unklar bleibt weiterhin wie der 20-Jährige bei einem gescheiterten Wechsel wieder in die BVB-Familie eingegliedert werden soll. Viele Mannschaftskameraden sind sauer, auch die Fans werden Dembele sicher nicht mit Jubelorgien empfangen.


Hans-Joachim Watzke machte dahingehend zuletzt eine klare Ansage: "Wenn er noch bei uns bleibt, muss er sich deutlich vor der Mannschaft und dem ganzen Verein entschuldigen. Dann werden wir eine Lösung finden."

Eine Lösung, die eine wochenlange Posse beenden würde. Wie die Sport Bild vergangene Woche berichtete, zeigte Dembele schon auf der BVB-Asienreise erste Streik-Anzeichen.

Vor dem Testspiel gegen Urawa Red Diamonds in Tokio verpasste der Franzose nicht nur den Beginn einer Mannschaftsbesprechung, sondern auch die Abfahrt des Busses ins Stadion. Für das Spiel wurde Dembele nicht berücksichtigt. Darüber hinaus präsentierte sich der Franzose in Asien teilweise missmutig und schlecht gelaunt. Die ersten Vorboten des Barcelona-Angebots?

Eine Woche lang wird das Thema Dembele die Themenlage beim aktuellen Tabellenführer vermutlich noch dominieren. Bis Montagmittag gab es weiterhin keinen Kontakt zwischen dem FC Barcelona und Borussia Dortmund.

Das Ende im Dembele-Poker ist damit weiterhin offen.