Sport statt Wahlkampf: Polit-Talk ohne neue Erkenntnisse bei „Markus Lanz“

Trotz der anstehenden Bundestagswahl bot das Thema Sport bei „Markus Lanz“ mehr Gesprächspotenzial. (Bild: ZDF/Juliane Werner)

Der Bundestagswahlkampf in Deutschland erhitzt die Gemüter. Bei „Markus Lanz“ redet man derweil lieber über Sport.

„Was ist das Spannende am Bundestagswahlkampf – oder ist er so spannend wie eingeschlafene Füße?“, fragte Lanz einen seiner Gäste, den Journalisten und Autor Markus Feldenkirchen. „Es gibt nicht die eine spannende Frage, es gibt viele spannende Fragen“, analysierte er. „Wie schneidet am Ende die AfD ab? Wir hatten im Ausland, aber auch bei den Landtagswahlen in Deutschland, immer ziemlich falsche Einschätzungen von Parteien wie der AfD. Da könnte es eine Überraschung geben. Mit wem wird am Ende koaliert? Gibt es für die SPD ein Desaster oder – verglichen mit den aktuellen Umfragen – doch noch einen Achtungserfolg? Kann es nach den Bundestagswahlen überhaupt noch eine Regierung geben?“ Die Koalitionsfrage, so Feldenkirchen, sei völlig offen – von einer Jamaika-Koalition, die laut dem Journalisten eine interessante Option wäre, bis hin zu Neuwahlen, die eine durchaus realistische Option seien, gingen die Möglichkeiten.

„Aber wenn man die Plakate im Moment sieht, auch in deutschen Innenstädten…“, so Lanz, woraufhin Feldenkirchen fragte: „Gefällt Ihnen nicht so?“ Die Antwort des Moderators: „Also am spannendsten sind die Plakate von Christian Lindner im Unterhemd.“ „Die einzig politisch auffälligen Kampagnen, auch wenn sie mir nicht gefallen, sind die der AfD und der FDP. Die stechen heraus aus dem Einheitsbrei von langweilig inszenierten Spitzenkandidaten und irgendwie glücklich wirkenden Familien, die vielleicht gar nicht so glücklich sind.“

Journalist Markus Feldenkirchen analysierte den deutschen Bundestagswahlkampf. (Bild: ddp images/Steffens)

Das Angebot von Schulz, dass Angela Merkel in seiner Regierung gerne als Vizekanzlerin fungieren könne, sorgte für allgemeines Schmunzeln. „Ja, der Mann hat Humor“, so die Analyse Feldenkirchens. „Ich finde sogar, dass er keine großen Fehler in der Kampagne gemacht. Es ist nur so: Sozialdemokratischer Kanzlerkandidat mit der Gegnerin Angela Merkel zu sein, das ist einer der undankbarsten Jobs, die man haben kann.“ Es gäbe zwei große Kräfte, die auf Martin Schulz einwirkten: Die Agenda 2010 der SPD, die immer noch für großes Misstrauen sorge. Die zweite: Angela Merkel und ihr Gespür, populäre Forderungen der Gegenseite sofort für sich zu adaptieren.

Kurz flackerte das Gespräch auf, als Merkels kontrollierte TV-Präsenz und ihre Verweigerung eines zweiten TV-Duells diskutiert wurde. Einerseits profitiere die Union von Merkels unaufgeregter Art, andererseits könnte es auch den Eindruck erwecken, als würde es die Kanzlerin als gar nicht mehr nötig empfinden, an derartigen Debatten teilzunehmen – etwas, das der britischen Premierministerin Theresa May, die an keinen TV-Debatten teilnahm, geschadet hatte, erläuterte Feldenkirchen. Das gefiel Waldemar Hartmann (einem selbsternannten „Polit-Junkie“) gar nicht, dem Lanz eine „Schnappatmung“ in dieser Sache attestierte: „Ich kann doch die Bundeskanzlerin nicht zwingen, die als Titelverteidigerin das Duell je nach Ansicht der Parteien und der Beobachter mehr oder weniger deutlich gewonnen hat, die geht doch nicht freiwillig in einen zweiten Kampf. Sie hat den ersten gewonnen, der war ausgemacht“, so Hartmann. Dazu brachte er auch einen Fußball-Vergleich: Das wäre so, als würden „die Bayern kommen und sagen, in Hoffenheim, das ist doof für uns gelaufen, lass uns doch das Spiel wiederholen!“

Mehr Gesprächspotenzial zeigte hingegen das Thema Sport: Moderator Waldemar Hartmann und Ex-Fußballer Thomas Strunz diskutierten die astronomischen Transfersummen im Profifußball. Auch Fechten stand auf dem Programm: Die Witwe des bei einem WM-Kampf tödlich verletzten Fechters Wladimir Smirnow, Emma Smirnowa, erzählte Lanz ihre tragische Geschichte. Ex-Florettfechter Matthias Behr, der Smirnow damals tödlich verletzte, schilderte außerdem seine Sicht der Dinge. Das interessierte auch den Moderator sichtlich mehr, als schon wieder über Politik reden zu müssen – ein Thema, das in der Sendung vom Vorabend deutlich gehaltvoller behandelt wurde.