Spitzmäuse schrumpfen im Winter und wachsen im Sommer

Waldspitzmäuse schrumpfen im Winter und wachsen im Sommer: Insgesamt verlieren die Tiere in der kalten Jahreszeit fast ein Fünftel ihres Körpergewichts, verdoppeln ihr Gewicht dann aber im Frühjahr wieder, wie Forscher vom Max-Planck-Institut (MPI) für Ornithologie in Radolfzell und Seewiesen nach einer Mitteilung von Montag herausfanden.

Nicht nur die Knochen, sondern auch Organe und sogar das Gehirn schrumpfen. Vermutlich sichert das den Tieren mit ihrem hohen Stoffwechsel das Überleben in den kargen Wintermonaten.

Die daueraktiven, nur zehn Gramm schweren Insektenfresser teilen sich mit den Mäusen aufgrund ihrer Körperform nur den Namen. Tatsächlich sind sie eng mit Maulwürfen und Igeln verwandt. Der Energiebedarf einer Spitzmaus in ihrem 13-monatigen Leben ist so hoch, dass sie verhungert, wenn sie nur zwei bis drei Stunden keine Nahrung findet. Im Sommer ernähren sich Spitzmäuse hauptsächlich von Würmern und Larven. Im Winter leben sie vor allem von Insekten und Spinnentieren.

Der polnische Zoologe August Dehnel hatte bereits in den 50er Jahren bemerkt, dass im Winter gefangene Spitzmäuse leichter und auch kleiner sind. Messungen zeigten, dass die Schädel flacher und die Wirbelsäulen kürzer sind.

Um dies zu belegen, fingen die MPI-Forscher nun rund hundert Waldspitzmäuse ein und statteten sie mit reiskorngroßen elektronischen Chips aus. Die Tiere wurden alle geröntgt, um ihre Schädel zu vermessen, und anschließend wieder in die Freiheit entlassen.

Regelmäßig wurde ein Teil der Tiere wieder eingefangen und erneut vermessen. Dabei zeigte sich, dass bei den Spitzmäusen der Schädel im Winter um bis zu 15 Prozent schrumpft, um dann im Frühjahr wieder um bis zu neun Prozent zu wachsen. Erst kürzlich konnten die MPI-Forscher ähnliche Veränderungen auch am Schädel von Wieseln nachweisen.