Spitzenmanager werden vorsichtiger und trennen sich von Aktien eigener Firmen


Der Handelsstreit und schwächere Konjunkturprognosen machen die Anleger nervös. Der deutsche Leitindex Dax hat in den vergangenen fünf Handelstagen mit 3,3 Prozent den größten Wochenverlust seit drei Monaten verzeichnet. Auch Deutschlands Vorstände und Aufsichtsräte werden an der Börse etwas vorsichtiger. Sie haben zuletzt verstärkt Aktien der eigenen Firmen verkauft.

Das deutet für Olaf Stotz, Professor an der Privatuniversität Frankfurt School, auf eine Seitwärtsbewegung an den Aktienmärkten hin: „Bei einem Dax über 13.000 Punkten neigen die Insider eher zum Verkauf, bei einem Dax unter 12.000 Punkten eher zum Kauf.“ Dieses Muster lässt sich seit Mitte vergangenen Jahres beobachten und wird nach Ansicht von Stotz durch die aktuellen Transaktionen unterstützt.

Das Insiderbarometer, das Stotz und die Experten von Commerzbank Wealth Management alle zwei Wochen aus den meldepflichtigen Insidergeschäften berechnen, sank zuletzt auf 135 Punkte. Damit signalisiert es aber noch immer, dass sich der Dax in den kommenden drei Monaten besser als andere Anlageklassen entwickeln sollte.

Den größten Verkauf gab es beim Autovermieter Sixt. Die Familie des Firmengründers trennte sich von den im SDax notierten Stammaktien im Wert von gut 100.000 Euro. Dazu verkaufte Vorstand Konstantin Sixt für knapp 950.000 Euro Vorzugsaktien. Der Verkauf der Vorzugsaktien fließt zwar nicht in die Barometerberechnung ein, weil diese nicht im SDax notiert sind.

Der Verkauf unterstreicht indes laut Stotz, dass auch Privatanleger darüber nachdenken sollten, bei Sixt Gewinne mitzunehmen. Der Kurs der Stammaktien ist allein seit Jahresanfang um rund 30 Prozent in die Höhe geschnellt und damit so deutlich gestiegen wie keine andere Aktie im SDax.


Mehr als 30 Prozent verloren hat im SDax dagegen die Aktie des Kabelnetzbetreibers Tele Columbus. Das nutzten Aufsichtsrat André Krause und die Investmentgesellschaft 3D NV, für die Tele-Columbus-Aufsichtsratschef Frank Donck arbeitet, zum günstigen Einstieg in Aktien im Wert von gut 520.000 Euro.

Bereits Anfang Juni hatten Großaktionär 3D NV und Firmenchef Timm Degenhardt Aktien für über 880.000 Euro gekauft. Für Stotz ist dies ein typischer antizyklischer Kauf, bei dem Firmenlenker zu niedrigen Kursen einsteigen.

Antizyklisch ist auch der Kauf von Bayer-Chef Werner Baumann. Er sicherte sich Aktien für knapp 390.000 Euro zum Durchschnittskurs von 96,57 Euro. Nach über zwei Jahren hat der Chemie- und Pharmakonzern die Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto abgeschlossen. Der Aktienkurs schwankte seither zwar deutlich, liegt aber jetzt wieder auf dem Niveau vom Frühjahr 2016.