"Spiegel": Zwei Atomkraftwerke sollen bis April 2023 als Notreserve dienen

Zwei der drei verbliebenen deutschen Atomkraftwerke sollen nach einem Medienbericht bis zum nächsten Frühjahr als Notreserve für die Stromversorgung bereitstehen.

Bayrisches Atomkraftwerk Isar 2.
Bayrisches Atomkraftwerk Isar 2. (Christof Stache / AFP)

Wie der "Spiegel" am Montag unter Berufung auf Angaben aus dem Wirtschaftsministerium berichtete, sollen die beiden Kraftwerke Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg und Isar 2 in Bayern eine "Einsatzreserve bis Mitte April 2023" bilden. Dies sei das Ergebnis eines Stresstests zur Sicherheit der Energieversorgung, das Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Abend vorstellen wird (18.00 Uhr).

Das dritte verbliebene Kraftwerk Emsland solle wie geplant zum 31. Dezember komplett abgeschaltet werden. Aus Ministeriumskreisen verlautete laut "Spiegel" zudem, dass "am Atomausstieg, wie er im Atomgesetz geregelt ist", festgehalten werde.

Laufzeitverlängerung kommt "nicht infrage"

Die beiden Akw Isar 2 und Neckarwestheim 2 sollten jedoch "in bestimmten Stresssituationen im Stromnetz einen zusätzlichen Beitrag zur im Stresstest identifizierten angespannten Versorgungs- und Netzsituation in Süddeutschland im Winter 2022/23 leisten" können, hieß es den Angaben zufolge aus dem Wirtschaftsministerium. Neue Brennelemente würden nicht geladen.

Als Begründung führt das Ministerium laut "Spiegel" an, dass Atomkraft weiter eine Hochrisikotechnologie bleibe und hochradioaktive Abfälle nachfolgende Generationen belasteten. Daher komme eine Laufzeitverlängerung "nicht infrage", hieß es dem Bericht zufolge aus dem Umfeld Habecks. Im Ministerium wurde demnach darauf verwiesen, dass eine pauschale Verlängerung der Laufzeiten durch den Gesetzgeber auch im Hinblick auf den Sicherheitszustand der Akw nicht vertretbar gewesen sei.

Bundeswirtschafts- und Bundesumweltministerium hatten im März nach einer ersten Prüfung einen möglichen Weiterbetrieb verworfen. Angesichts der angespannten Lage auf den Energiemärkten wegen ausbleibender russischer Gaslieferungen entschloss sich die Regierung aber zu einem weiteren Stresstest zur Sicherheit der Energieversorgung.

(mt/bk)

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