"Spiegel": Strafverfahren gegen vier deutsche IS-Anhängerinnen im Irak eröffnet

Gegen die im Juli im Irak festgenommenen vier deutschen Anhängerinnen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) haben die dortigen Behörden nach Informationen des "Spiegel" formelle Strafverfahren eröffnet. Wie das Nachrichtenmagazin am Montag ohne Nennung von Quellen berichtete, wurde die Eröffnung der Verfahren deutschen Diplomaten von Seiten der irakischen Justiz mitgeteilt. Das Auswärtige Amt in Berlin habe sich nicht näher äußern wollen, hieß es in einer Mitteilung der "Spiegel"-Onlineausgabe.

Die vier mutmaßlichen deutschen Dschihadistinnen wurden von irakischen Streitkräften nach der Rückeroberung der nordirakischen Stadt Mossul im Juli gefasst. Ihre jeweiligen Rollen innerhalb des IS sind nicht geklärt. In Deutschland ermittelt laut "Spiegel" der Generalbundesanwalt wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gegen die Frauen. Es handle sich um eine Jugendliche aus Sachsen, eine in Tschetschenien geborene Deutsche sowie eine Deutsche mit marokkanische Wurzeln mit ihrer 20-jährigen Tochter.

Die vier Frauen zogen in den vergangenen Jahren aus Deutschland in den Irak, schlossen sich dem IS an und heirateten IS-Kämpfer. Was die irakische Justiz den vier deutschen Frauen genau vorwirft, ist der Bundesregierung laut "Spiegel" noch nicht bekannt. Möglich erscheine eine Anklage wegen Terrorismus oder der Mitgliedschaft beim IS. Mittlerweile konnte laut "Spiegel" der Bundesnachrichtendienst (BND) die Frauen in Bagdad vernehmen, auch das Bundeskriminalamt (BKA) dränge auf einen Besuch bei den Gefangenen.

Nach den Befragungen gingen die deutschen Behörden nicht mehr von einer Einbindung der Frauen in militärische Strukturen oder in den Sicherheitsapparat des IS aus, berichtet der "Spiegel". Hinweise, wonach die Frauen Teil der brutalen Sittenpolizei des IS gewesen seien, hätten sich nicht bestätigt.

Anfang August hatte die Bundesregierung erklärt, dass sie mit den vier Frauen in Kontakt stehe. Das Auswärtige Amt kündigte damals an, gemeinsam mit den irakischen Sicherheitsbehörden eine mögliche Rückkehr der vier Frauen nach Deutschland zu prüfen, wenn sie dies wünschten.