Spenden-Fake: War dieser virale Babyparty-Post nur eine Masche?

Eine mutmaßlich missglückte Babyparty sorgt im Netz für Verwirrung. (Symbolbild: ddp Images)

Diese Geschichte berührte in der vergangenen Woche das Netz: Eine werdende Mutter veranstaltete eine Babyparty – und keiner kam. Das Internet tröstete mit Geschenken und Spenden. Doch nähere Recherchen werfen Fragen auf.

Eine sehr einsame Party: In der letzten Woche ging ein Tweet viral, der die werdende Mutter Chelsie Collins alleine auf ihrer Babyshower-Party zeigte. Gepostet wurde das Foto von ihrer besten Freundin Dorthy Holmes, die gemeinsam mit ihrem Partner zu den scheinbar einzigen Gästen der Feier im Restaurant Golden Corral in Zanesville im US-Bundesstaat Ohio gehörte. Das Internet hatte Mitleid – und spendete fleißig. Doch nähere Recherchen weisen Lücken in der Story auf. War der traurige Tweet nur eine Masche, um an Geld und Geschenke zu kommen?

Der Tweet – mittlerweile gelöscht – kam auf mehr als 15.000 Retweets. Twitter-User fragten fleißig nach Bankdaten und Möglichkeiten, der werdenden Mutter zu helfen. Ihre beste Freundin gab daraufhin ihren persönlichen PayPal-Account frei und veröffentlichte die „Walmart“-Wunschliste der Schwangeren. Wie viel Geld gespendet wurde, ist nicht bekannt. Allerdings gingen mehr als 300 Geschenke bei der werdenden Mama ein.

Doch einige User wurden stutzig und fingen an, zu recherchieren. Ein User rief im Restaurant an, das daraufhin bestätigte, dass ein Tisch für 12 Personen reserviert war. Bei der Party seien diese wie geplant erschienen. In einem ihrer ersten Interviews mit der Zeitung „Irish Examiner“ hatten die zwei Frauen angegeben, 70 Leute eingeladen zu haben. Auf eine Nachfrage im Restaurant hatte es zu diesem Zeitpunkt kein Statement gegeben.

Im Interview mit dem „New York Magazine“ weist Holmes einen absichtlichen Betrug von sich: „Als wir den Tweet gepostet haben, war keiner da. Der Inhalt war also zu 100% akkurat. Es sind nur die Tante der werdenden Mutter, ihre drei Kinder und die Schwester zur Party erschienen. Es waren keine 12 Leute da.“ Mittlerweile seien tatsächlich über 300 Geschenke eingegangen, aber weniger als 100 Euro. Als Betrug würde sie das nicht bezeichnen.

Der Tweet sei etwa eine halbe Stunde gepostet worden, nachdem die Party hätte beginnen sollen. Es seien aber nur wenige Leute pünktlich gewesen. Sie habe die Fotos auch in ihren Gruppenchats verschickt, um – auf humorvolle Weise – zu zeigen, wie leer die Party sei. Mittlerweile sehe sie es zwar als unmoralisch, Kontodaten und Wunschliste veröffentlicht zu haben, betonte aber, dass die Geschenke ausschließlich an die werdende Mama gehen oder ans örtliche Frauenhaus gespendet werden sollen. Außerdem sei von Anfang an nicht nach Geschenken gefragt worden: „Wir hatten nicht vor, dass die Sache viral geht“, so Holmes in einem mittlerweile gelöschten Erklärungsvideo auf der Social-Media-Plattform „Periscope“.