SPD überrundet Union in Forsa-Umfrage erstmals seit 2006

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Scholz-Wahlplakat in Berlin

Weniger als fünf Wochen vor der Bundestagswahl ist die Union in einer Umfrage hinter die SPD zurückgefallen. Zum ersten Mal seit 15 Jahren überholten die Sozialdemokraten in der wöchentlichen Umfrage des Instituts Forsa die CDU/CSU. Die SPD kam in der am Dienstag veröffentlichten Erhebung für die Sender RTL und ntv auf 23 Prozent und legte damit im Vergleich zur Vorwoche um zwei Punkte zu, während CDU/CSU um einen Punkt auf 22 Prozent absackten.

Dieser Wert war der niedrigste, den das Institut Forsa seit seiner Gründung 1984 für die Union ermittelt hat. Die SPD lag zuletzt im Oktober 2006 in einer Forsa-Umfrage vor der Union. Die Grünen rutschten in der neuen Erhebung um einen Prozentpunkt auf 18 Prozent ab. Für alle übrigen Parteien änderte sich nichts. Die FDP lag bei zwölf Prozent, die AfD bei zehn Prozent und die Linke bei sechs Prozent.

Vier Dreier-Koalitionen hätten laut der Umfrage momentan eine regierungsfähige Mehrheit im Parlament - darunter drei unter Führung der SPD: die "Deutschland"-Koalition aus SPD, Union und FDP, die "Ampel"-Koalition aus SPD, Grünen und FDP, die "Jamaika"-Koalition aus Union, Grünen und FDP sowie ein Linksbündnis aus SPD, Grünen und Linken.

Für die Erhebung befragte Forsa nach eigenen Angaben vom 17. bis 23. August insgesamt 2504 Wahlberechtigte. Die Fehlertoleranz wurde mit plus/minus 2,5 Prozentpunkten angegeben.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak bezeichnete die Umfrageergebnisse als "Weckruf". Es müsse nun klar kommuniziert werden, worum es gehe, sagte Ziemiak im "Welt"-Gespräch mit Linken-Chefin Janine Wissler zur Bundestagswahl. "Olaf Scholz will mit Frau Wissler und ihrer Truppe dieses Land regieren", sagte er. Jeder, der zuschaue, müsse sich fragen: "Wollen wir als Deutschland weiterhin auf Erfolgskurs bleiben, oder wollen wir eine linke Republik haben, wo wir nicht wissen, wie dieses Experiment ausgeht?"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, die Union werde kämpfen. "Wir werden uns jeden Tag dafür einsetzen, dass wir ein gutes Wahlergebnis einfahren und nicht jeden Tag auf die Umfragen schauen", sagte Merkel. Zum Schluss zählten die Stimmen der Bürgerinnen und Bürger.

Die SPD reagierte zurückhaltend auf die steigenden Umfragewerte. "Das ist für mich Ansporn für die nächsten 33 Tage bis zur Wahl", sagte Generalsekretär Lars Klingbeil dem Portal ntv.de. Er schränkte zugleich ein: "Wir haben jetzt aber noch viel Strecke vor uns, und deswegen gibt es von mir auch keinen Jubel und keine Euphorie." SPD-Chef Norbert Walter-Borjans mahnte in der "Rheinischen Post", auch in der Hochstimmung bleibe es dabei, "dass Stimmungen noch keine Stimmen sind".

cax/jp

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