Spaziergang: Mit dem Historiker Heinrich August Winkler durch Dahlem

Heinrich August Winkler

Wir haben uns in Dahlem verabredet an diesem wechselhaften Tag im frühen Herbst, und das passt natürlich sehr gut. Und zwar nicht nur, weil dieser Ortsteil mit all seinen Fakultäten der Freien Universität, mit ihren Bibliotheken und Hörsälen eine gewisse Gelehrsamkeit verströmt. Sondern auch, weil er wie kaum ein anderer in Berlin mit einem der Lebensthemen Heinrich August Winklers verbunden ist: dem Westen, verstanden als historisches Projekt.

Am Telefon hatte er, wie immer hochpräzise und klar formulierend, ein Hotel unweit des John F. Kennedy-Instituts an der Lansstraße als Treffpunkt vorgeschlagen. Der Fotograf hat die Schilfbepflanzung vor dem Hotel als Kulisse ausgewählt. Winkler stellt sich hinein und lässt ihn geduldig seine Arbeit machen. Ringsherum, von regenverdächtigen Wolken verschattet: die Gebäude der Freien Universität, vor fast 70 Jahren mit maßgeblicher Unterstützung aus den USA gegründet als freiheitlicher Gegenentwurf zur Berliner Universität im sowjetisch besetzten Sektor der Stadt, die wenig später in Humboldt-Universität umbenannt wurde.

Schon als Doktorand stieß er auf die zentrale Frage

Und da sind wir auch schon mittendrin in den Fragen, die diesen großen Gelehrten seit Jahrzehnten umtreiben. Schon im Jahr 2000 legte er zwei dicke Bände mit dem Titel "Der lange Weg nach Westen" vor, in denen er Deutschlands windungsreichen Weg vom Alten Reich bis zur parlamentarischen, in westlichen Bündnissen verankerten Demokratie der Gegenwart nachzeichnete. Danach w...

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