Spaziergang: Annette Hess - Die Frau, die Berlin eine Hauptrolle gibt

Annette Hess

Menschen in Schwierigkeiten zu bringen, das sei ihre Arbeit, sagt sie. Klingt nach irgendwas zwischen Kredithai und Auftragskiller. Aber Annette Hess ist Drehbuchautorin. Spannende Geschichten brauchen Konflikte, erklärt sie. Der Fernsehzuschauer muss in Atem gehalten werden. An ihrem Schreibtisch entstehen Stoffe wie Weißensee, Ku'damm 56 oder Die Holzbaronin, sie gibt Rollen und Dialoge vor, würzt die Handlung.

Annette Hess ist gut in ihrem Job, die Verfilmungen ihrer Drehbücher sehen Millionen Zuschauer, die heilige Quote stimmt, und auch die Kritiken. Nur im Rampenlicht steht sie selbst kaum, auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten und Eifersüchteleien hält sie sich im Hintergrund, man sieht ihren Namen gerade mal im Vor- und Abspann auftauchen. Wer also ist eigentlich diese Frau?

Unser Treffpunkt ist eine ruhige Seitenstraße in Schmargendorf an einem Sonnabendmorgen. Vor einer Villa steigt Annette Hess aus einem Taxi. Sie trägt eine hellgraue Hose, ein hellblaues Hemd und eine dunkle Jacke mit Stickereien, die Rosen und einen Vogel mit ausgebreiteten Flügeln zeigen. Sie hat das weiß getünchte, zweigeschossige Haus in der Heydenstraße als Start für unseren Spaziergang ausgesucht. Leni Riefenstahl, Hitlers Lieblingsfilmemacherin, ließ es Mitte der 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts für sich bauen. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als ihr Förderer nicht mehr war, verkaufte sie es wieder. "Es gibt immer wieder Ansätze, einen Film über Leni Riefenstahl zu machen", erzählt Annette Hess. "...

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