Die Sparkassen sind mit dem Vorgehen der Bankenaufsicht gegen den Helaba-Verwaltungsrat alles andere als einverstanden. Aber sie verkneifen sich laute Proteste.


„Was soll ich machen?“ Als Fußballprofi Arjen Robben gefragt wird, warum er beim Champions-League-Spiel gegen Besiktas Istanbul nicht in der Startelf des FC Bayern München stand, ist seine Unzufriedenheit nicht zu überhören.

Doch der Niederländer verkneift es sich, seinem Unmut freien Lauf zu lassen und so eine Strafe des Vereins zu provozieren. Chef sei nun mal der Trainer, sagt Robben vergangene Woche schmallippig. Er selbst müsse „hier nicht öffentlich sagen, was ich denke“.

In einer ähnlichen Situation befindet sich am Montag Gerhard Grandke, der Präsident des Sparkassenverbands Hessen-Thüringen (SGVHT). Dieser ist mit 69 Prozent Mehrheitseigner der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Grandke selbst leitet den Verwaltungsrat des Geldhaues.

Und er hat seit einiger Zeit ein Problem: Die EZB-Bankenaufsicht hat das Kontrollgremium der Helaba, das mit 36 Mitgliedern deutlich größer ist als bei den meisten Konkurrenten, scharf kritisiert und eine Verkleinerung gefordert, wie das Handelsblatt vergangene Woche exklusiv berichtete.


Grandke teilt die Kritik der EZB nicht, doch er will seinen Unmut – wie Robben – nicht öffentlich kundtun. „Sie können sich vorstellen, dass ich dazu eine sehr dezidierte Auffassung habe“, sagt er auf der Bilanzpressekonferenz seines Verbandes auf die Frage eines Journalisten. Aber: „Ich werbe um Verständnis dafür, dass ich meine dezidierte Auffassung nicht über Sie transportieren möchte.“ Später sagt er: „Wenn die Aufsicht so ist – welche Möglichkeiten haben Sie zu demonstrieren?“

Grandke, der für die SPD einst Oberbürgermeister von Offenbach war, ist ein Freund klarer Worte. Doch scharfe Kritik an der EZB verkneift er sich als Verwaltungsratschef der Helaba lieber. Denn die EZB sitzt als Aufsichtsbehörde am längeren Hebel. Sie kann Instituten eine höhere Mindestkernkapitalquote vorschreiben, wenn sie mit der Organisation einer Bank oder deren Kontrollgremien unzufrieden ist.

Bei der Helaba ist die EZB Finanzkreisen zufolge der Ansicht, dass der Verwaltungsrat aufgrund seiner Größe nicht geeignet ist, um gute Diskussionen zu führen. Zudem bemängelt die Notenbank mangelnde Effizienz bei der Entscheidungsfindung. Die Kritik ist das Ergebnis eines mittlerweile abgeschlossenen Pilotprojekts, in dem die EZB die Helaba und einige andere europäische Geldhäuser einer sogenannten Kulturprüfung unterzogen hat. Die Notenbank äußerte sich dazu nicht.


Mehrere Mitglieder des Helaba-Verwaltungsrats halten die Kritik der EZB für ungerechtfertigt. Sie weisen darauf hin, dass das Institut im Gegensatz zu anderen deutschen Banken seit Jahren keinen Skandal produziert hat und stattdessen stabile Gewinne einfährt. „Es war nicht zum Nachteil der Helaba, dass die Zusammensetzung so ist, wie sie ist“, sagt auch Grandke. Er verweist darauf, dass die Struktur des Gremiums auch auf die Übernahme von Teilen der WestLB 2012 zurückzuführen ist. Damals nahmen die Frankfurter den rheinischen, den westfälischen und den deutschen Sparkassen- und Giroverband in ihren Trägerkreis auf – und versorgten die neuen Miteigentümer auch mit Verwaltungsratssitzen. Viele hielten das damals für einen klugen Schachzug, um die Verbindung zwischen der Helaba und den Sparkassen in Nordrhein-Westfalen zu stärken. „Die Helaba lebt auch davon, dass sie eng verbunden ist mit ihren Trägern“, betont Grandke.

Doch einen Streit mit der EZB will der SGVHT-Präsident wegen des Helaba-Verwaltungsrats nicht vom Zaun brechen. Finanzkreisen zufolge soll das Gremium in der nächsten Amtsperiode auf 27 Mitglieder reduziert werden. In den Diskussionen mit der Bankenaufsicht habe man sich auf ein Ergebnis verständigt, „das für beide Seiten einigermaßen erträglich ist“, sagt Grandke. „Es gab ursprünglich noch restriktivere Vorstellungen bei der EZB.“ Dem Kompromiss müssen die Gremien der Helaba allerdings noch zustimmen.

Als die Pressekonferenz endet, ist Grandke sichtlich erleichtert, dass ihm keine scharfe Kritik an der EZB herausgerutscht ist. Arjen Robben könnte von ihm bei der diplomatischen Frustbewältigung noch einiges lernen.