Teurere Girokonten zahlen sich für Sparkassen aus

Eine höhere Nachfrage nach Aktien und teurere Finanzprodukte treiben die Gewinne der Sparkassen – trotz Niedrigzinsen.


Es war seine erste Bilanz-Pressekonferenz als Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). Und dabei hat Helmut Schleweis gleich Zahlen präsentiert, die etliche Konkurrenten neidisch machen dürften: Die 386 deutschen Sparkassen haben im vergangenen Jahr nach Steuern 2,2 Milliarden Euro erwirtschaftet – 7,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

„Die geldpolitischen bedingten Einbußen im Zinsüberschuss konnten durch ein besseres Provisionsergebnis kompensiert werden“, sagte Schleweis. Dazu haben unter anderem höhere Preise für Girokonten und steigende Nachfrage nach Wertpapieren beigetragen.

Einzelne Institute wie die Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) konnten ihren Vorjahreswert dabei sogar um über 30 Prozent steigern. Bezahlen mussten das weitestgehend die Kunden. Durch Preiserhöhungen – und kostenpflichtige Dienstleistungen, die bislang kostenlos waren.

„Abschied von Gratiskultur“

„Der Abschied von der Gratiskultur ist notwendig. Unsere Leistungen sind etwas wert und haben ihren Preis“, wie es Andreas Schulz, der Vorstandsvorsitzende der größten Sparkasse Brandenburgs, 2016 begründete. Die Erhöhung betraf 470.000 Nutzer von Girokonten und 30.000 von Geschäftskonten.


So kostete bei der MBS ein normales Girokonto vor dem 1. Januar 2017 noch 6,50 Euro, danach 8,50 Euro. Für Onlinekonten, die bislang kostenlos waren, mussten nun 2,50 Euro an Grundgebühr gezahlt werden. Deutlich teurer traf es Unternehmen: Bezahlten sie bisher 4,50 Euro an Grundgebühr für ein Geschäftskonto, waren es nach dem Jahreswechsel satte 12,50 Euro.

Andere Sparkassen erhöhten ihre Gebühren bereits früher. Das Girokonto bei der Berliner Sparkasse kostete zum 1. Dezember 2016 auf einmal sieben Euro, statt bisher vier – eine Preiserhöhung von 75 Prozent. Und während die Bareinzahlung der über Jahre gesammelten Cent-Münzen lange Zeit kostenfrei war, kostete sie bei der Saalesparkasse ab dem 1. Januar 2016 pauschal fünf Euro.

Der Nettoabsatz der aller Sparkassen bei Aktien, Wertpapieren und Investmentfonds stieg laut DSGV im Jahresvergleich von 9,6 auf 10,8 Milliarden Euro und lag damit so hoch wie zuletzt vor 15 Jahren.

Mehr Geld mit Aktiengeschäften – weniger Zinsgewinn

Das hat dem Provisionsüberschuss deutlichen Auftrieb gegeben. Er legte um gut acht Prozent auf 7,8 Milliarden Euro zu. Der Zinsüberschuss – weiterhin die wichtigste Einnahmequelle der Institute – schrumpfte dagegen um drei Prozent auf 21,5 Milliarden Euro.


Angesichts der niedrigen Zinsen würden Kunden ihre Ersparnisse verstärkt in Wertpapiere anlegen, so DSGV-Chef Schleweis, denn die Alternative dazu sei nicht mehr so leicht zu realisieren: „Investitionen in private Wohnimmobilien bleiben zwar der Vorsorgewunsch Nummer eins der Deutschen, werden aber preisbedingt immer schwieriger“. Das Neugeschäft bei privaten Wohnungsbaukrediten sei daher gegenüber dem Vorjahr um fast zwei Prozent zurückgegangen.

Für das laufende Jahr stellte Schleweis den Kunden in Aussicht, dass die Preise – etwa für Girokonten und Kreditkarten – nicht mehr im gleichen Tempo wie 2017 steigen werden. „Ich glaube, dass diese deutliche Erhöhung nicht jedes Jahr zu erzielen sein wird.“

Auch die Konsolidierung im Sparkassenlager könnte sich verlangsamen: „Wir kommen von Quantität zur Qualität“, betonte der DSGV-Chef. Kleinere Filialen, die allenfalls einen Kunden pro Vormittag bedienten, die könne man nicht aufrechterhalten.

Vier Prozent weniger Filialen – in einem Jahr

Aber größere Filialen, die gute Beratung böten, seien unverzichtbar. 2017 haben Sparkassen 13 305 Filialen betrieben – fast vier Prozent weniger als 2016.


Insgesamt rechnet Schleweis im laufenden Jahr mit rückläufigen Ergebnissen. Der Zinsüberschuss werde 2018 weiter runtergehen. Schleweis räumte jedoch ein, dass die Ergebnisse der Sparkassen am Ende in aller Regel besser sind als die Vorhersagen: „Die Prognosen haben die Funktion, dass ein vorsichtiger Kaufmann risikoorientiert in die Zukunft schaut.“

Die Sparkassen würden dann aber gegensteuern und so dafür sorgen, dass sich nicht alle Risiken voll auswirkten. „Insofern sind hoffentlich auch in Zukunft die Ergebnisse besser als die Prognose“, so Schleweis, „anders wär's nicht so schön für uns.“