Bei Sparkassen sind ab Juli Überweisungen in Echtzeit möglich – aber selten gratis

Oft müssen Kunden für so genannte „Instant Payments“ extra zahlen – und bisher ist der Nutzen ziemlich begrenzt. Doch das könnte sich ändern.


Ab dem 10. Juli wird es für viele Sparkassen-Kunden ganz schnell gehen: Ihre Geldüberweisung im Online-Banking erreicht, wenn sie das wollen, den Empfänger binnen Sekunden. Denn in gut zwei Monaten steht allen knapp 400 Sparkassen in Deutschland die Technik zur Verfügung, die Überweisungen in Echtzeit – Instant Payments genannt – ermöglicht.

Etliche Sparkassen setzen die „Instant-Payment-Option“ gleich Mitte Juli um, andere folgen im August oder Laufe des Jahres. Deshalb bekommen ihre Kunden nun Post, mit der die Sparkassen eine Änderung ihres Preis- und Leistungsverzeichnisses ankündigen. Denn wer künftig eine Echtzeitüberweisung im Online-Banking wählt, muss bei vielen Sparkassen auch dafür zahlen. Ihre App zum Geldüberweisen per Smartphone, „Kwitt“, ermöglicht dagegen bereits seit Dezember Instant Payment, und zwar gratis.



Während zum Beispiel die Frankfurter Sparkasse und die Nassauische Sparkasse für Instant Payment kein extra Entgelt von Kunden verlangen, muss man bei anderen Häusern zahlen. Bei der Stadtsparkasse München beispielsweise 50 Cent, bei der Sparkasse Hannover sogar zwei Euro. Andere Sparkassen verlangen je nach Kontomodell eine Gebühr oder auch nicht.

Das gilt auch für die Hypo-Vereinsbank (HVB), die schon seit November und damit als erste und bisher einzige Bank in Deutschland Instant Payment ermöglicht.

Die Volks- und Raiffeisenbanken beispielsweise wollen die technische Voraussetzung dafür, dass sie für Echtzeitüberweisungen erreichbar sind, bis Ende November schaffen. Erst ab kommendem Jahr können die Kunden der Geldhäuser dann nach und nach auch selbst Instant Payment nutzen.

Für Überweisungen in Echtzeit gibt es seit November einen europaweit einheitlichen Standard, wobei die Beträge auf 15.000 Euro begrenzt sind. Echtzeit heißt dabei, dass der Überweisungsbetrag binnen zehn Sekunden auf dem Konto des Empfängers gutgeschrieben sein soll. Heute dauert das meist einen Arbeitstag.

Instant Payment funktioniert aber nur, wenn die Banken des Geldzahlers und des Empfängers den neuen einheitlichen Standard nutzen. Bisher gehören 22 europäische Banken diesem System an.

Blitzüberweisungen bieten Kreditinstitute auch heute schon an, doch sie sind teuer. Kunden müssen dafür mitunter zehn Euro zahlen und können sie nur am Bankschalter in Auftrag geben.

Dass bisher so wenige Geldhäuser in Deutschland Instant Payment anbieten, dürfte erstens daran liegen, dass der Vorteil für Kunden sich in Grenzen hält, und zweitens an den Kosten. „Für Firmen ist Instant Payment interessant, weil sie ihre Liquiditätsplanung punktgenau einrichten können, für Privatkunden aber eher weniger“, sagt Bernd-Josef Kohl vom IT-Dienstleister GFT, der sich auf die Finanzbranche spezialisiert hat. „Sofortüberweisungen einzuführen, bedeutet für die Banken zugleich in die IT zu investieren, weil sie für die Umsetzung ihr Backend anpassen und größtenteils auch modernisieren müssen.“

Interessant für Firmen, weniger für Privatkunden

Da schon Überweisungen in der Regel binnen eines Arbeitstages umgesetzt werden, ist Instant Payment heute nur in wenigen Fällen nützlich. Denkbar ist zum Beispiel, dass man bei einem Autokauf nicht mit Bargeld bezahlt, sondern per Echtzeitüberweisung. Der Verkäufer kann auf seinem Smartphone dann direkt sehen, dass das Geld auf seinem Konto eingegangen ist.

Möglich wäre auch, dass man eine Eintrittskarte, die Freischaltung für ein Abo oder bei einer Auktion binnen Sekunden zahlt – und Ticket, Abozugang oder Ware sofort erhält.



Die Bundesbank rechnet indes mit Interesse an Echtzeitüberweisungen. „Solche Verfahren laufen bereits in Dänemark und Schweden. Sie werden App-basiert zumeist per Smartphone genutzt und sind sehr beliebt“, sagte Carl-Ludwig Thiele, der dem Vorstand der Notenbank bis Ende April angehörte, kürzlich dem Handelsblatt. „Für die Wirtschaft bedeutet die Beschleunigung des Zahlungsverkehrs ein einfacheres Liquiditätsmanagement und eine Verminderung von Risiken.“ Selbst im Onlinehandel und im stationären Handel könnten sich neue Bezahlmöglichkeiten ergeben, glaubt er.

Auch die Sparkassen rechnen mit enormen Veränderungen: „Instant Payment ist das Bargeld des Internetzeitalters“, sagte Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, im Februar. Das werde mittelfristig viele Zahlungsverfahren überflüssig machen. Wie das genau aussehen könnte, scheint derzeit aber noch unklar.

Auch die HVB ist überzeugt, dass Instant Payment sich künftig als ein neuer Standard etablieren wird, wie der zuständige Manager bei der Bank, Thomas Dusch, sagt. Die Bank jedenfalls will mehr Kunden Echtzeitüberweisungen schmackhaft machen.

„Wir nutzen die Startphase, um insbesondere gemeinsam mit Unternehmenskunden weitere Anwendungsmöglichkeiten zu eruieren“, sagt Dusch. Die Mutter der HVB, die italienische Großbank Unicredit, bietet Instant Payment auch schon an.