Sparkasse goes Wall Street mit LBOs: Der Tag mit Bloomberg

(Bloomberg) -- Wer Sparkassen hört, denkt an Produkte wie Girokonto, Sparbuch oder Hauskredit. Leveraged Buyouts? Eher nicht. Die hoch gehebelten Darlehen für Firmenübernahmen werden eher an der Wall Street und bei Typen wie der Hollywood-Figur Gordon Gekko verortet. Dabei tummeln sich zunehmend auch Sparkassen auf dieser Spielwiese des Finanzierungsgeschäfts.

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Kreissparkasse Biberach, Sparkasse KölnBönn und Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen sind gute Beispiele dafür. Sie haben teils LBO-Bücher im dreistelligen Millionen-Eurobereich aufgebaut, wie eine heute veröffentlichte detaillierte Analyse von Bloomberg zeigt. Die Gründe liegen auf der Hand: Fette Margen.

Von Investoren werden Sparkassen als Finanziers geschätzt, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie oft Hausbanken der Übernahmeziele sind und diese genau kennen. Viele Sparkassen sind mit der Materie bereits vertraut und beherrschen das Geschäft, heißt es etwa von der Private-Equity-Firma Rivean Capital.

Die höheren Margen haben allerdings auch höhere Risiken im Schlepptau. Manch einer fragt sich, ob Sparkassen sich hier nicht verheben. Die schief gegangenen globalen Ambitionen einiger Landesbanken sind noch gut in Erinnerung. Jedoch scheinen im Falle von LBO-Finanzierungen die Risiken sehr begrenzt. Pro Deal finanziert eine Sparkasse meist nicht mehr als 20 Millionen Euro.

AKTUELLE MELDUNGEN:

  • Der Finanzinvestor Harris Associates hat nach Angaben der Financial Times den gesamten Anteil an der Credit Suisse abgestoßen.

  • Die neue Investmentbank der Credit Suisse wird über den bestehenden Managing Directors eine Partnerebene einführen.

  • Der Rüstungskonzern Rheinmetall hält Einzug im Dax und wird dabei die Titel des Dialysespezialisten Fresenius Medical ersetzen.

  • Porsche und andere Sportwagenbauer hoffen auf E-Fuels, um den Verbrenner vor dem Aus in der EU zu retten. Berlin hat sich jetzt hinter diesen Versuch gestellt.

    • Bundeskanzler Scholz sagte allerdings am Sonntag in Meseberg, die Gespräche mit der EU zur Beilegung des Streits seien konstruktiv.

  • Die Schweizer Fondsgesellschaft GAM will laut FT einen Käufer finden, noch bevor sie die bereits verschobenen Geschäftszahlen vorlegt.

  • Tesla hat die US-Preise für die Modelle S und X zum zweiten Mal in diesem Jahr gesenkt.

ANALYSEN:

  • Die deutsche Industrieproduktion dürfte sich erholt haben, nachdem die Zahlen für Dezember mit einem Monatsminus von 3,1% enttäuscht hatten. Die Januar-Daten werden am Mittwoch vorgelegt.

  • Ex-Chefvolkswirt Issing wirft EZB Zaudern vor und sieht Euro-Existenz bedroht

AKTIENMÄRKTE | Die Aktienmärkte in Asien tendieren zum Wochenstart uneinheitlich. In Tokio legen die Kurse zu angesichts der Aussicht auf einen geldpolitischen Kurswechsel unter dem neuen BoJ-Chef Ueda. Auf dem chinesischen Festland indessen überwiegt das Verkaufsinteresse. Chinas Premier hat für die Wirtschaft 2023 ein Wachstumsziel von rund 5% gesetzt, das am Markt als moderat wahrgenommen wird. Die Wall Street schloss am Freitag sehr fest mit Spekulationen, die Federal Reserve werde die Leitzinsen nicht über das Niveau hinaus erhöhen, das bereits eingepreist ist. Für den Handel in Europa signalisieren die Futures einen etwas festeren Auftakt.

RENTENMÄRKTE | Der europäische Rentenmarkt erholte sich am Freitag etwas vom jüngsten Abverkauf. 10j Bunds rentierten zum Handelsende 3 Bp niedriger, nachdem die Rendite zuvor fünf Sitzungen in Folge zugelegt hatte. Der Risikoaufschlag, den Anleger bei italienischen BTP fordern, schrumpfte vergangene Woche um insgesamt 9 Bp und damit so stark wie seit sieben Wochen nicht mehr. Im Fokus des Interesses stehen die Auftritte von US-Notenbankchef Powell vor dem Kongress am Dienstag und Mittwoch sowie die amerikanischen Arbeitsmarktdaten für Februar, die am Freitag vorgelegt werden.

ROHSTOFFMÄRKTE | Der Ölmarkt korrigiert am Montag, nachdem die Preise vergangene Woche deutlich zugelegt haben. Für Verkaufsdruck sorgt der Umstand, dass China keine groß angelegten Konjunkturhilfen auf den Weg gebracht hat. Der Goldpreis bewegt sich zum Wochenstart seitwärts. Vergangene Woche hat der Bullion-Kassapreis 2,5% zugelegt.

TERMINE AM MONTAG

  • 07:25 Schweizerische Nationalbank veröffentlicht ausführliches Jahresergebnis

  • 08:30 Verbraucherpreise Schweiz Februar

  • 11:00 EZB-Chefvolkswirt Lane, Rede in Trinity College Dublin

  • 14:00 PK von Bundeskanzler Scholz, Wirtschaftsminister Habeck und Finanzminister Lindner zum Abschluss der zweitägigen Kabinettsklausur, Meseberg

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