Verhaltener Applaus für Donald Trump

Bis Freitag diskutierten etwa 3000 Spitzenpolitiker, Wirtschaftsbosse und Wissenschaftler in dem Schweizer Wintersportort über Antworten auf politische, soziale und wirtschaftliche Probleme. Die Ereignisse des vierten und letzten Tages finden Sie hier im Newsblog zum Nachlesen.

  • US-Präsident Trump fordert Firmen zu Investitionen in den USA auf
  • ... und hält sich eine Rückkehr zum Freihandelsabkommen TPP offen
  • Die Debatte über den Dollar-Wechselkurs hält an
  • Die Diskussion über Belästigung von Frauen (#MeToo) ist in Davos angekommen
  • Trump entschuldigt sich für rechte Retweets

+++ Zypries sieht durchwachsenes Bild bei US-Steuerreform +++
Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries sieht in der Steuerreform von US-Präsident Trump „Licht und Schatten“. Die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland, seiner Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit „kann unsere Antwort auf ,America First'“ sein, sagte sie.

+++ Deutscher Außenhandelsverband kritisiert Trump +++
Der deutsche Außenhandelspräsident Holger Bingmann kritisiert den handelspolitischen Ansatz von US-Präsident Donald Trump mit „fragwürdigen Strafzöllen“ und anderen Beschränkungen. „Handelspolitik macht man heutzutage mit dem Skalpell und nicht mit dem Vorschlaghammer“, sagte er. Die Weltordnung sei heute multipolar, und selbst eine große Volkswirtschaft müsse sich am Ende an die Spielregeln einer WTO halten.

+++ Gabor Steingart kommentiert die Trump-Rede +++
Donald Trump hat den Schlusspunkt beim Weltwirtschaftsforum in Davos gesetzt. Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart ordnet die Rede des US-Präsidenten für Sie ein – jetzt im Video-Stream.


+++ Trump auf dem Rückweg +++
Das ging fix: Nach seiner Rede in Davos hob US-Präsident Donald Trump schon um kurz nach 15 Uhr wieder ab. Ein Helikopter bringt ihn nun zum Flughafen Zürich, wo er sofort in die Präsidentenmaschine „Air Force One“ umsteigt. Damit ist der zweite Besuch eines amerikanischen Präsidenten beim WEF Geschichte.

+++ Agenda der Zukunft +++
US-Präsident Trump betont, eine sehr wirtschaftsfreundliche Mannschaft anzuführen. Er glaube nicht, dass weitere vier Jahre mit einer wirtschaftsfeindlichen Regierung Amerika weitergebracht hätten, sagt er. Die Steuerreform zeige, wie es besser gehe. Auch der Regulierungsabbau sei ein gutes Beispiel für das neue Regierungshandeln, auch wenn noch viel zu tun sei. „Ich denke, ich bin ein Cheerleader für unser Land“, sagt Trump. Überhaupt: Jeder, der ein Unternehmen oder ein Land repräsentiere, müsse ein Cheerleader sein. Trump bedankt sich bei den Zuhörern und sagt, er freue sich, sie in den USA zu begrüßen.

Im Anschluss bedankt sich Klaus Schwab bei Donald Trump für die Teilnahme in Davos. Auch die Weltwirtschafts-Gemeinschaft werde „weiter daran arbeiten, die Welt zu einem besseren Ort zu machen“, sagt Schwab und zitiert damit den US-Präsidenten.

+++ „Business Man“ Trump +++
Klaus Schwab fragt, welche Erfahrung aus seiner Vergangenheit am nützlichsten gewesen sei, welche ihn am besten auf die Präsidentschaft vorbereitet habe. Trump antwortet, es sei seine Vergangenheit als „Business Man“. In der Vergangenheit seien vor allem Generale und Politiker zum Präsidenten gewählt worden. Mit ihm sei der erste Geschäftsmann an der Staatsspitze. Gute Geschäfte zu machen habe ihm immer Freude gemacht. Er sei immer gut darin gewesen, Geld zu machen und gescheiterte Projekte erfolgreich zu machen.

Als Geschäftsmann habe er immer eine gute Presse bekommen. Seit er Politiker geworden sei, sei ihm klargeworden, wie böse, gemein und „fake“ die Presse sich verhalten könne. Aber so schlecht wie dargestellt könne es ja nicht gelaufen sein, schließlich sei er jetzt Präsident, sagt Trump. Während des Angriffs auf die Presse sind laute Buhrufe aus dem Saal zu hören – Trump ignoriert sie und setzt seine Ausführungen fort. Sein Team mache einen sehr guten Job.

+++ Fragen von Klaus Schwab +++
Der Gründer des Weltwirtschaftsforum, Klaus Schwab, befragt Trump auf dem Podium nach seiner Steuerreform: Warum ist diese ihm so wichtig? Trump betont, eine große US-Steuerreform sei schon seit langem das Ziel amerikanischer Politik gewesen. Aber seit Ronald Reagan sei sie keinem US-Präsidenten mehr gelungen. Nun sei das Vorhaben geglückt und werde eine große Erleichterung für Unternehmen und Bürger bringen. Allein die Technologiefirma Apple habe zugesagt, 350 Milliarden Dollar zurück in die Vereinigten Staaten zu transferieren. „Das ist doch etwas!“, sagt Trump. Weitere Beispiele würden folgen; aus der ganzen Welt werden jetzt neue Investitionen nach Amerika fließen, ist der US-Präsident überzeugt.

„Das ist ein neuer Spirit, der so noch nie dagewesen ist“, sagt Trump. Im Anschluss bedankt er sich bei seinen Kabinettsmitgliedern und Generalen im Saal für ihren Einsatz in Davos.


+++ Zusammenarbeit auf globaler Ebene +++
Trump ruft die versammelten Wirtschaftsführer dazu auf, gemeinsam dafür zu arbeiten, dass die Menschen der Welt ihre Träume und Hoffnungen verwirklichen können. „Vielen Dank an alle hart arbeitenden Menschen, die jeden Tag daran arbeiten, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.“ Trump schließt seine Rede mit einem „Thank you and God bless you all!“

Nach der knapp 16 Minuten langen Rede fällt der Applaus der Wirtschafts- und Finanzelite in Davos eher spärlich aus. Während der Rede war es still geblieben.

+++ Die Herausforderungen der Zukunft +++
Trump betont, die Größe einer Nation bemesse sich nicht allein an der Anzahl der produzierten Güter. Vielmehr bemesse sie sich an der Summe der Träume und Kenntnisse ihrer Einwohner. Auf allen internationalen Zusammenkünften vertrete seine Regierung vor allem folgende Botschaft: „Wir sind alle stärker, wenn freie Nationen kooperieren auf der Basis von geteilten Zielen und geteilten Träumen.“

+++ Einwanderung +++
Statt des bisherigen Systems mit Familiennachzug werde Amerika sein Einwanderungsrecht umstellen und in Zukunft eine Einwanderungserlaubnis von den mitgebrachten Kenntnissen der Antragsteller abhängig machen. Das sei der beste Weg, um sicherzustellen, dass Einwanderer auch in den USA ihren Lebensunterhalt bestreiten könnten. „Die beste Absicherung gegen Armut ist ein dicker Gehaltsscheck“, sagt Trump.


+++ Nordkorea und Terrorismus +++
Trump fordert von den US-Verbündeten, Irans Weg zu einer Atomwaffe zu blockieren. Er verlangt zudem erneut von den Partnern, mehr Geld in Verteidigungsausgaben zu stecken. Der Präsident geht auch auf den Konflikt mit Nordkorea ein und betont sein Ziel, die koreanische Halbinsel zu einer atomwaffenfreien Zone zu machen. Man habe große Erfolge im Kampf gegen den Terrorismus erzielt, so seien inzwischen knapp 100 Prozent des einst vom „Islamischen Staat“ gehaltenen Gebiets in Syrien und dem Irak zurückerobert werden. Auch in Zukunft werde man entschlossen gegen Terrorismus vorgehen und die menschenfeindliche Ideologie terroristischer Gruppen bekämpfen.

+++ Handel und Investitionen +++
„Wir arbeiten darauf hin, das internationale Handelssystem zu reformieren. Wir unterstützen den freien Handel. Aber er muss fair sein und reziprok“, erklärt Trump. Die USA würden „Raubtier-Praktiken“ nicht mehr dulden: unfaire Handelsschranken sowie den Diebstahl geistigen Eigentums. „Die Vereinigten Staaten werden die Interessen unserer Unternehmen schützen.“ Nur durch die Durchsetzung entsprechender Regeln sei es möglich, ein Handelssystem aufzubauen, das nicht nur für die USA funktioniere, sondern für alle Staaten. „Wir werden nicht länger wegsehen“, sagt Trump. „Wir können keinen fairen und freien Handel haben, wenn einige Länder die Regeln brechen.“

Er sei bereit, Handelsabkommen wie das transpazifische TPP neu zu verhandeln, aus dem er die USA nach seinem Amtsantritt zurückgezogen hat. Solche Abkommen, ob zwischen den USA bilateral mit einem anderen Land oder mit einer Staatengruppe, müssten fair sein und auf Gegenseitigkeit beruhen. Unfairer Handel schade allen, so Trump.

Im Anschluss lädt er internationale Investoren erneut in die USA ein. „Wir haben die besten Universitäten der Welt“, sagt der US-Präsident. Hinzu komme ein sicheres Umfeld aufgrund eines starken US-Militärs und einer starken Präsenz auf dem Globus. „Nie war die Zeit besser, um einzustellen, zu wachsen und zu investieren“, so Trump. „Jetzt ist die perfekte Zeit, ihren Betrieb und ihre Investitionen in die Vereinigte Staaten zu bringen.“


+++ Die Vorteile der Steuerreform +++
Unter seiner Präsidentschaft würden für jede neue Regulierung 22 alte Regulierungen gestrichen, sagt Trump. Das kreiere ein gutes Umfeld für Unternehmen und ausländische Investoren. „Kommt nach Amerika und investiert hier!“, ruft er in den Saal.

Seine gerade verabschiedete Steuerreform sieht Trump als großen Erfolg. „Amerika ist wieder wettbewerbsfähig.“ Die Reform habe den Unternehmenssteuersatz von rund 35 auf rund 21 Prozent gesenkt. Zusätzlich werde das durchschnittliche US-Haushaltseinkommen 2018 um rund 4.000 Dollar ansteigen. All dies seien großartige Nachrichten für die US-amerikanischen Verbraucher und Unternehmen.

+++ Der US-Präsident spricht +++
Nach Jahren der Stagnation erlebten die Vereinigten Staaten eine neue Ära des starken Wachstums, sagt Trump. 2,4 Millionen neue Jobs seien entstanden. Das Zutrauen von Verbrauchern und kleinen wie großen Unternehmen sei auf einem Rekordwert. Auch sei die Arbeitslosigkeit unter latein- und afroamerikanischen Bürgern auf einem Rekord-Niedrigwert, auch die Arbeitslosigkeit von Frauen befinde sich auf einem 17-Jahres-Tief.

+++ Klaus Schwab begrüßt Trump +++
Der Gründer des Weltwirtschaftsforum begrüßt Donald Trump auf Englisch. Über 3.000 Wirtschaftsführer aus aller Welt seien hier versammelt, um seinen Worten zuzuhören. Schwab gratuliert Trump zu seiner gerade verabschiedeten Steuerreform. Diese mindere die Steuerlast für viele Unternehmen, was neue Jobs und Investitionen möglich mache.

Die Rolle der Vereinigten Staaten und Trumps starke Führungsrolle sind laut Schwab offenkundig. Gleichzeitig werde Trumps Rolle häufig falsch dargestellt. Die Zukunft basiere auf der globalen Zusammenarbeit von starken souveränen Staaten auf der Basis gegenseitigen Respekts. Jetzt freue er sich auf die Worte des US-Präsidenten, schließt der WEF-Gründer.

+++ Auftakt auf dem Podium +++
Auf dem Podium in Davos stehen US-Präsident Donald Trump und Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums (WEF). Eine Kapelle spielt.

+++ Trump-Rede im Livestream +++
Hier können Sie die Abschlussrede Donald Trumps im Stream verfolgen.





Dollar-Debatte geht weiter


+++ Trump trifft nach „Drecksloch“-Äußerung Chef der Afrikanischen Union +++
Nach seiner umstrittenen Äußerung über afrikanische Länder hat US-Präsident Donald Trump in Davos seinen ruandischen Kollegen Paul Kagame umworben. Bei einem Treffen mit Kagame am Rande des Weltwirtschaftsforums lobte Trump am Freitag die Partnerschaft der USA mit Ruanda. Trump sprach von „unglaublichen Diskussionen“ mit Kagame, der am Beginn einer einjährigen Amtszeit als Vorsitzender der Afrikanischen Union steht.

Trump soll afrikanische Staaten bei einem Treffen mit US-Kongressvertretern als „Dreckslochländer“ bezeichnet haben. Trump hat das bestritten, bei dem Treffen Anwesende beharren aber darauf. Die 55 Mitglieder zählende AU hatte Trumps mutmaßliche Äußerung kritisiert. Vor Reportern in Davos gingen weder Trump noch Kagame auf den Zwist ein.


„Es ist wirklich wahrhaft eine große Ehre“, Kagame zu treffen, sagte Trump. „Bitte richten Sie meine wärmsten Grüße aus“ (an die anderen AU-Mitglieder). „Es ist eine Ehre, Sie zum Freund zu haben.“ Kagame sprach von „guten Diskussionen“ über wirtschaftliche und Handelsfragen. Die AU freue sich auf eine Zusammenarbeit mit den USA. Bei einem Gipfel der AU, der am Sonntag in Äthiopien beginnt, werden die USA durch deren AU-Botschafterin Mary Beth Leonard vertreten. In der Vergangenheit haben die USA üblicherweise eine ranghohe Regierungsdelegation entsandt.

+++ Dollar-Debatte geht weiter +++
EZB-Direktor Benoit Coeure kritisiert die Äußerungen der US-Regierung zum Dollar-Wechselkurs. Die jüngsten Aussagen seien nicht hilfreich, sagt Coeure in Davos, ohne die US-Regierung direkt zu nennen. Die großen Industriestaaten sollten ihre Währungen nicht dazu einsetzen, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen. „Das letzte, was die Welt braucht, ist ein Währungskrieg. Wir sehen, dass zuletzt durch verschiedene Aussagen eine Menge Volatilität geschaffen wurde, und ich glaube, das ist schlicht nicht hilfreich.“ Was immer mit dem Dollar passiere, bleibe sehr wichtig.


US-Finanzminister Steve Mnuchin hatte sich in dieser Woche positiv über einen schwachen Dollar geäußert und damit einen Kursrutsch der US-Währung ausgelöst. US-Präsident Donald Trump gab danach hingegen einen starken Dollar als Ziel aus. Ein Regierungsvertreter sagte am Freitag in Davos zu den unterschiedlichen Äußerungen, Trump und Mnuchin lägen auf einer Linie. „Ich glaube nicht, dass ein Blatt Papier zwischen Präsident Trump und Minister Mnuchin passt“, hieß es offiziell.

+++ TPP-Austritt bleibt, Weltklimavertrag kann neu verhandelt werden +++
US-Präsident Donald Trump wird einem Regierungsvertreter zufolge am Austritt der USA aus dem Freihandelsabkommen TPP mit asiatischen Staaten festhalten. Bei Änderungen im Vertrag sei er aber bereit, seine Position zu ändern. Trump wolle sicherstellen, dass alle Staaten im Welthandel sich auf die gleichen Regeln verständigten.

Den Pariser Weltklimavertrag wiederum will Trump neu verhandeln und die Bedingungen für die USA verbessern. Dann sei er offen für einen Verbleib im Abkommen. Die EU und Deutschland sowie die meisten anderen Unterzeichner-Staaten haben dies bislang immer abgelehnt.


+++ Trump entschuldigt sich für Tweets +++
US-Präsident Donald Trump hat sich zumindest im Konjunktiv – für das Retweeten von Botschaften einer rechtsextremen britischen Gruppe entschuldigt. Trump hatte im November vergangenen Jahres eine diplomatische Krise mit London ausgelöst, als er mehrere Botschaften der rechtsextremen Gruppierung Britain First mit seinen 43,7 Millionen Twitter-Followern geteilt hatte. Nun sagte er, er wisse nichts über die Gruppierung. „Wenn Sie mir sagen, dass es furchtbare Leute sind, furchtbare rassistische Leute, würde ich mich sicherlich entschuldigen, wenn Sie das gerne von mir hätten“, sagte Trump in einem Interview mit dem britischen TV-Sender ITV, das am Freitag veröffentlicht wurde.

Als die britische Regierungschefin Theresa May die Retweets zuvor als Fehler bezeichnet hatte, hatte Trump noch per Twitter zurückgekeilt: „Konzentrieren Sie sich nicht auf mich, konzentrieren Sie sich auf den zerstörerischen radikal-islamischen Terrorismus im Vereinigten Königreich“. Vor Kurzem erst hatte Trump per Twitter einen Besuch in London zur Eröffnung der neuen US-Botschaft abgesagt.

Davon war in Davos nichts mehr zu spüren. Er würde sehr gerne nach Großbritannien kommen und kümmere sich nicht um mögliche Proteste gegen ihn, sagte Trump in dem TV-Interview. Bei einem Treffen mit May in Davos am Donnerstag hatten beide die „besondere Beziehung“ zwischen ihren Ländern beschworen. Der britische Regierungssitz Downing Street hatte zuvor bestätigt, dass Trump noch in diesem Jahr nach London kommen soll. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass es sich dabei um den geplanten Staatsbesuch bei der Queen handelt. Dagegen gibt es in Großbritannien von Seiten der Opposition und aus Teilen der Bevölkerung starken Widerstand.



Brexit und die Folgen: Paris vs. London


+++ Trump-Rede wird offenbar kürzer als erwartet +++
Es gebe keinen besseren Zeitpunkt, um in die USA zu investieren, will US-Präsident Donald Trump am Freitag in seiner Rede in Davos verkünden. Das teilte sein Büro mit. Anders als am Donnerstag mitgeteilt, soll seine Rede schätzungsweise 15 Minuten dauern. Er wolle außerdem die internationale Gemeinschaft zum Kampf gegen den Terror und Nordkoreas nukleare Ambitionen aufrufen.

+++ Erste Details zu Trump-Rede +++
US-Präsident Trump will in seiner Rede in Davos am Freitag einem Regierungsvertreter zufolge unfaire Handelspraktiken wie Dumpingpreise sowie den Diebstahl geistigen Eigentums anprangern. Außerdem will er Unternehmen Investitionen in die USA schmackhaft machen, unter anderem durch den Verweis auf jüngste Steuerkürzungen und den Abbau von Regulierungen. Trump werde auch zu internationaler Zusammenarbeit auffordern, um Probleme wie die Bedrohung durch die Terrormiliz Islamischer Staat und das Atomarsenal Nordkoreas in Angriff zu nehmen, heißt es. Die Rede werde eine Vision von freien Nationen entwerfen, die bei gemeinsamen Zielen zusammenarbeiten.


+++ Paris vs. London +++
Der französische Finanzminister Bruno Le Maire sagt mit Blick auf den Brexit Paris eine glänzende Zukunft voraus: Die Stadt werde innerhalb weniger Jahre London den Rang als wichtigstes Finanzzentrum in Europa ablaufen: „Und das Vereinigte Königreich liegt in Europa“, fügte er am Rande des Weltwirtschaftsgipfels hinzu.

+++ Erster US-Präsidenten-Auftritt seit Bill Clinton in Davos +++
Ausgerechnet der Freihandelsgegner Trump ist der erste US-Präsident seit Bill Clinton, der an dem Treffen in den Schweizer Bergen teilnimmt. Und er wird in seiner Air Force One eine prominent besetzte Entourage mitbringen: Allein acht Kabinettsmitglieder machten sich mit auf die Reise. Dazu gehören Finanzminister Steven Mnuchin, Handelsminister Wilbur Ross und der Chef des nationalen Wirtschaftsrats und ehemalige Goldman-Sachs-Spitzenbanker Gary Cohn.


+++ Wie geht das geldpolitische Experiment aus? +++
Unberechenbar ist der Ausgang des gigantischen geldpolitischen Experiments, welches die Notenbanken der westlichen Staaten während der Finanzkrise gestartet haben. Den Fragen, ob und wie die große Geldflut der vergangenen Jahre wieder rückgängig gemacht werden kann und welche ökonomischen Folgen das haben wird, werden sich UBS-Verwaltungsratschef Axel Weber, Benoît Cœuré von der Europäischen Zentralbank und Hedgefonds-Titan Ray Dalio widmen. Und auch beim „Global Economic Outlook“ wird dieses Thema natürlich eine zentrale Rolle spielen.

+++ Global Economic Outlook +++
Traditionell gehört der letzte Tag des Weltwirtschaftsgipfels eigentlich den Propheten und Prognostikern: Beim „Global Economic Outlook“ sagen bekannte Wirtschaftsauguren wie die Chefin des Internationalen Währungsfonds Christine Lagarde und der Bank-of-England-Gouverneur Mark Carney die wirtschaftliche Zukunft der Welt voraus. Das wird auch in diesem Jahr wieder der Fall sein. Doch Donald Trump wird den Tag bestimmen.


+++ Davos auf dem Weg zur Gleichberechtigung +++
Die #MeToo-Bewegung hat ihren eigenen Weg nach Davos gefunden. Mindestens zwei Diskussionsrunden beschäftigten sich mit sexueller Belästigung. Sie war damit zum ersten Mal Thema offizieller Diskussionen beim Weltwirtschaftsforum. Alle sieben Co-Vorsitzende des Forums sind in diesem Jahr Frauen. Die meisten Teilnehmer des Jahrestreffens sind Männer – unter den Jüngeren ist die Hälfte weiblich.

+++ EZB muss Folgen des Euro-Anstiegs auf Inflation beachten +++
Die Europäische Zentralbank muss nach den Worten ihres Ratsmitglieds Francois Villeroy de Galhau die Wechselkurschwankungen mit Blick auf die Inflation genau im Auge behalten. Es müssten die Folgen der Schwankungen für die Inflationsaussichten beobachtet werden, sagte der französische Zentralbankchef am Freitag dem Sender Bloomberg TV aus Davos.

Am Donnerstag hatte EZB-Chef Mario Draghi den starken Kursanstieg des Euros als eine Quelle der Unsicherheit bezeichnet. Dies müsse man im Auge behalten.


+++ Spannung vor Trump-Auftritt +++
Eine einstündige Rede wird US-Präsident Donald Trump am Freitag zum Abschluss des Weltwirtschaftsforums in Davos halten. Trump hatte im Vorfeld bereits einen Teil der Agenda vorgegeben, in dem er etwa Strafzölle, vor allem mit Zielrichtung China verhängte.

Mit Spannung wird erwartet, mit welcher Vehemenz Trump im globalisierungsfreundlichen Davos seine wirtschaftsnationalistische „America-First“-Politik verteidigt. Einige Experten erwarten eine kämpferische Rede, andere eine eher moderate. Trump hatte unterschiedliche Signale ausgesendet.


Das Weiße Haus hatte zuvor angekündigt, Trump wolle in Davos vor allem um Investoren werben und den Wirtschaftsstandort USA anpreisen. Mit Spannung wird auch erwartet, ob der Präsident zum internationalen Streit um Stahl-Überkapazitäten am Weltmarkt Stellung nimmt. Handelsminister Ross hatte ihm vor kurzem seinen Abschlussbericht zu der Frage vorgelegt. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel heute Abend aus dem verschneiten Davos wieder abreist, ist US-Präsident Donald Trump noch gar nicht da. Die beiden verpassen sich auf dem Weltwirtschaftsforum nur um wenige Stunden.


Bis zu ihrer fünften Begegnung – nach einem Besuch Merkels im Weißen Haus und drei Gipfeltreffen – wird es also noch ein paar Wochen dauern. Stattdessen stattet Merkel der wichtigsten wirtschaftspolitischen Konferenz weltweit ihren Besuch an dem Tag ab, an dem sich dort die europäische Prominenz tummelt. Der französische Präsident Emmanuel Macron ist da, der italienische Ministerpräsident Paolo Gentiloni wird erwartet und auch der spanische König Felipe VI. Da will Merkel nicht fehlen. Es ist einer ihrer wenigen Ausflüge in die Weltpolitik in jüngerer Vergangenheit. Der zähe Prozess der Regierungsfindung nach der Bundestagswahl im September bindet sie an Berlin. Doch nach dem Ja der SPD zu Koalitionsverhandlungen ist die Regierungsbildung nach einer viermonatigen, quälenden Hängepartie erstmals in geordneten Bahnen. Wahrscheinlich ab Freitag wird es Koalitionsverhandlungen geben, auf die auch die europäischen Partner warten.