"Das ist das spannendste Projekt im Fußball"

Tobias Holtkamp
·Lesedauer: 3 Min.

Bei Fortuna Düsseldorf kündigte Lutz Pfannenstiel im vergangenen Jahr seinen Vertrag als Sport-Vorstand. Zuvor hatte er massive Kritik einstecken müssen, es gab sogar Drohungen gegen seine Familie.

Pfannenstiel, der als Torhüter auf allen Kontinenten spielte und in Neuseeland studierte, nahm die nächste interessante Aufgabe an: er baut in St. Louis einen neuen MLS-Klub auf. Wie die Pläne sind, warum er andere Angebote ablehnte und welche Ratschläge er hat - darüber sprach Pfannenstiel mit Tobias Holtkamp in der neuen Folge des SPORT1-Podcasts Lieber Fußball.

"Das ist für mich das momentan spannendste Projekt im Fußball. Wir haben ein ganz klares Ziel: Wir wollen die beste Nachwuchs-Akademie in Nordamerika aufbauen. Und wir wollen eine schlagkräftige Mannschaft in der MLS stellen, die erst in den Playoffs und dann langfristig vorne mitspielen soll", sagte 47-Jährige über seinen neuen Job in den USA.

Pfannenstiel schwärmt von neuer Arena

Die Jugend-Akademie in St. Louis wird von Bernhard Peters, von 2014 bis 2018 beim Hamburger SV als Direktor Sport für die Bereiche Jugend, Nachwuchs und Koordination zuständig, in beratender Funktion mit aufgebaut. "Bernhard Peters halte ich weltweit für eine der absoluten Koryphäen im Nachwuchsbereich. Viele konnten gar nicht glauben, dass er ausgerechnet zur mir in die USA geht, denn da waren ganz andere Kaliber im Gespräch. Aber genau wie mich hat ihn dieses Projekt mit Weitsicht und die Idee dahinter gefesselt", sagte Pfannenstiel.

Das komplette Gespräch mit Lutz Pfannenstiel: Die neue Folge "Lieber Fußball" - ab sofort bei SPORT1, Spotify, Apple Podcasts und überall, wo es Podcasts gibt

Ab 2023 wird der St. Louis City SC in der MLS spielen. In der Stadt im Bundesstatt Missouri wird dafür derzeit eine eigene Fußball-Arena gebaut. Pfannenstiel gerät bereits lange vor deren Fertigstellung in Verzückung. "Das Stadion steht zu 25 Prozent. Ein absolutes Schmuckkästchen, mitten in der Innenstadt. Das wird definitiv eines der modernsten Stadien in der MLS", geriet Pfannenstiel ins Schwärmen.

Für den einstigen Weltenbummler war es keine leichte Entscheidung in die USA zu gehen. Nach seiner letzten Station im Ausland als Torwart- und Co-Trainer der Nationalmannschaft Namibias im Jahr 2010 wurde er 2011 Scout und Leiter der internationalen Beziehungen bei der TSG Hoffenheim, ehe er 2018 Sport-Vorstand in Düsseldorf wurde.

"Dann ist eine Linie überschritten"

Die anhaltende Kritik an seinem ehemaligen Arbeitgeber Hoffenheim und vor allem an Mäzen Dietmar Hopp kann Pfannenstiel nicht nachvollziehen. "Wenn ich die negativen Kommentare über Hoffenheim höre, Plastikverein oder Retortenverein, dann muss ich immer lachen. Was dort in den letzten 15 Jahren aufgebaut, entwickelt und in die Akademie investiert wurde, wie schlau auch finanziell gearbeitet wurde, mit wahnsinnig vielen Transfererlösen, das ist einmalig. Aber der alt eingesessene Fußballfan lebt halt immer noch in den 70er Jahren. Dietmar Hopp ist ein absoluter Ehrenmann, einer der besten Menschen, die ich je kennengelernt habe", sagte er bei Lieber Fußball.

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Dort sprach er auch über seine Kündigung in Düsseldorf: "Wenn mich ein Ahnungsloser als Idiot bezeichnet, habe ich da kein Problem mit. Aber wenn es um die Familie geht, in Richtung deiner Frau oder der Tochter und irgendwelche Menschen mit Kapuzen meinen, sie müssen sie abends bedrohen, dann ist glaube ich eine Linie überschritten."

Vor allem nach der Beurlaubung von Trainer Friedhelm Funkel war Pfannenstiel teilweise hart kritisiert worden.