Spanien: Zweitligist SD Huesca: All das für ein 1:8? Klar!

Die SD Huesca ist spätestens seit dem 3:0-Sieg über den direkten Verfolger CD Lugo der Topfavorit auf den Aufstieg in die Primera Division. Es winkt der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. In der mehr als 100 Jahre alten Geschichte des Klubs bestimmten bisher Existenzängste und eine sportliche Achterbahnfahrt das Vereinsleben.

Die SD Huesca ist spätestens seit dem 3:0-Sieg über den direkten Verfolger CD Lugo der Topfavorit auf den Aufstieg in die Primera Division. Es winkt der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. In der mehr als 100 Jahre alten Geschichte des Klubs bestimmten bisher Existenzängste und eine sportliche Achterbahnfahrt das Vereinsleben.

Tomas Hernandez Burillo und Paco Buyo, wer kennt sie nicht? Nun, heute vermutlich viele. Die beiden Spanier zählen zu den wohl bekanntesten Spielern in der Geschichte der SD Huesca. Ein Klub, der im Grunde genauso unbekannt ist.

Burillo war Huescas erster Spieler, der es in die spanische Nationalmannschaft geschafft hat. Das war in den 50er Jahren. Torhüter Buyo prägte zu einem späteren Zeitpunkt seiner Karriere in den 90er Jahren eine Ära bei Real Madrid.

Das sind die bisher größten Errungenschaften, die Huesca zuzuschreiben sind. Ansonsten ist der fünfte Platz in der zweiten spanischen Liga aus dem Jahr 1950 das höchste der Gefühle in der nordspanischen Provinz.

Camacho auf dem Weg zu Huescas größter Legende

Aktuell ist einer auf bestem Wege, sämtliche Klublegenden zu überflügeln. Besagten Helden hat man sogar in der Bundesliga schon zu Gesicht bekommen - zumindest als Zuschauer auf der West-Tribüne der Volkswagen Arena.

Juanjo Camacho, der ältere Bruder von Wolfsburgs Neuzugang Ignacio, will die Sociedad Deportiva Huesca zum ersten Mal ins spanische Oberhaus führen. "Ich hoffe, ich kann meine Karriere bei Huesca in der Primera Division beenden. Das ist eine sehr aufregende Reise für uns alle", sagte der bereits 37 Jahre alte Kapitän der Azulgrana.

Der Spielmacher könnte sich in Huesca unsterblich machen. Camacho spielt seine elfte Saison beim Kleinstadt-Klub aus der Region Aragon. Ende November absolvierte er sein 400. Pflichtspiel für seinen Herzensverein. Er ist nicht nur mit Abstand Rekordspieler, sondern mit 76 Treffern auch Rekord-Torschütze.

Er verkörpere das, was den Klub ausmache, sagt Präsident Augustin Lasaosa, der ihm "von ganzem Herzen" dankt. Doch was macht den Underdog-Klub aus Huesca aus?

Huesca: "Immer treu, ohne zurückzuweichen"

"Immer treu, ohne zurückzuweichen", lautet der Leitgedanke der Azulgrana. Ein Klub, der "in ganz Spanien für seine Stärke und seinen Mut bekannt ist", heißt es in der Klub-Hymne. Camacho hat diese Prinzipien verinnerlicht. "Ich hatte Glück, all diese Jahre hier zu verbringen und zu sehen, wie sich der Klub auf allen Ebenen entwickelt hat", sagte er schon fast wehmütig bei seiner Ehrung im Estadio El Alcoraz.

Auch dank Camacho steht Huesca vor dem Höhepunkt seiner Vereinsgeschichte, wenngleich der Routinier nicht mehr allzu häufig zum Einsatz kommt. Er weiß, was ein solcher Erfolg für die Menschen in der Region bedeuten würde: "Das ist das Größte! Zu sehen, wie die Leute diese Spiele im El Alcoraz leben. Diese Atmosphäre," schwärmt Camacho von Huescas Fans.

Das große Ziel vor Augen: Aufstieg in die Erstklassigkeit

Dass das Spiel mit dem runden Leder tief in der Region verwurzelt ist, zeigen die Überlieferungen aus den Anfängen des Klubs, der bereits dreimal neu gegründet wurde. Erstmals 1910 als Club Deportivo Huesca ins Leben gerufen, wurde Huesca 1927 schon wieder vom Spielbetrieb abgemeldet.

Der Grund: Fans stürmten nach einer Fehlentscheidung des Schiedsrichters im Pokal-Derby gegen Saragossa den Platz. Der Verband reagierte auf das überengagierte, temperamentvolle Publikum mit schwerwiegenden Sanktionen. Es war gleichzeitig der Start einer chaotischen, wenig professionellen Achterbahnfahrt durch Spaniens Amateurligen.

Erst mit der dritten und bisher letzten Neugründung im Jahr 1960 etablierte sich der Verein - unter dem Namen SD Huesca. Nach Jahren der Gratwanderung zwischen Amateur-Sumpf und Profifußball peilt die Azulgrana nun endlich den Aufstieg in die Primera Division an.

All das für ein 1:8? Klar!

Jeder träumt von den großen Spielen gegen Real Madrid oder den FC Barcelona, der sogar verantwortlich für die Vereinsfarben Huescas ist: Blau und Rot - wie das einstige Vorbild aus Katalonien. 2014 traf Huesca bereits in der Copa del Rey auf Barca.

In der kommenden Saison will Huesca den aktuellen Tabellenführer der Primera Division dann in der Liga empfangen und bestmöglich nicht wie damals im Hin- und Rückspiel mit 0:4 oder 1:8 untergehen. Und selbst dann wäre das vollkommen gleichgültig! Der Klub wäre ganz oben angekommen.

Dafür muss sich Huesca bis zum Sommer aber zunächst an der Spitze der Segunda Division behaupten. Zumindest Vizemeister müsste die Azulgrana für den direkten Aufstieg in die Erstklassigkeit werden.

Die Youngster übernehmen: "Bestreben und Ergebenheit"

Entscheidenden Anteil daran wird Rekordspieler Camacho daran nicht haben. Der Kapitän kommt nur noch zu Kurzeinsätzen. Stattdessen übernehmen die Youngster die Rolle des Zugpferds. Juan Camilo Hernandez, kurz Cucho, ist der Mann der Stunde bei den Azulgrana. Die Leihgabe des FC Watford entwickelte sich zum Hoffnungsträger der Agenda Aufstieg. Der 18-Jährige wurde zum Spieler des Monats November gekürt, auf dem Siegerfoto für die Galerie blitzt seine Zahnspange durch.

Gemeinsam mit dem 23 Jahre alten Gonzalo Melero, der die Ausbildung Real Madrids genoss, führt Cucho die interne Torjägerliste mit zehn Treffern an.

Trotz der ausnehmend erfolgreichen Hinrunde üben sich die Azulgrana in Demut. Zwar sei jeder "sehr stolz auf die geleistete Arbeit", wie Melero betonte, allerdings dürfe man sich auf keinen Fall ausruhen: "Der Schlüssel zum Erfolg ist die intensive Arbeit eines jeden Spielers. Es geht um Bestreben und Ergebenheit."

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