Spanische Polizei nimmt katalanische Politiker fest


Der Konflikt zwischen Spanien und Katalonien spitzt sich zu: Am heutigen Mittwoch hat die spanische Polizei zwölf Mitglieder der katalanischen Regierung und Beamte festgenommen. Auf den Straßen von Barcelona versammelten sich spontan hunderte Bürger zu Protesten.

Unter den Verhafteten ist laut spanischen Zeitungen auch den Staatssekretär für Wirtschaft und Finanzen Josep Maria Jove, der direkt an den stellvertretenden katalanischen Regierungschef Oriol Junqueras berichtet. Die Polizei durchsuchte die Räume des katalanischen Wirtschaftsministeriums, um Wahlunterlagen für das illegale Referendum über die Abspaltung von Spanien zu beschlagnahmen. „Sie greifen die Institutionen des Landes an und damit auch seine Bürger. Das werden wir nicht erlauben“, sagte Junqueras nach den Verhaftungen. Der katalanische Ministerpräsident Carles Puigdemont rief eine Krisensitzung ein.

Die katalanische Regierung hat für den 1. Oktober ein Referendum angesetzt und will binnen 48 Stunden einen eigenen Staat ausrufen, falls da die Ja-Stimmen überwiegen. Das Referendum verstößt gegen die spanische Verfassung, die Zentralregierung in Madrid will es deshalb mit allen Mitteln verhindern und durchsucht dazu unter anderem Druckereien sowie die Räume der katalanischen Regierung.


Die große Gefahr ist, dass sich der Konflikt nun von der Politik auf die Straße überträgt: Vor den Räumen des katalanischen Wirtschaftsministeriums versammelten sich mehrere hundert Menschen, um gegen die Verhaftungen und Durchsuchungen zu protestieren. Auch am Dienstagabend musste die Polizei bereist Protestanten wegtragen, die in einer Sitzblockade den Zugang zu einer Druckerei versperrt hatte, in der die Polizei Unterlagen für das Referendum vermutete.

Bisher sind alle Proteste der Separatisten friedlich verlaufen, ebenso wie die Demonstrationen zum Nationalfeiertag Kataloniens, bei der Hunderttausende auf den Straßen von Barcelona für die Unabhängigkeit der Region demonstrieren. Sie fühlen sich in ihrer Kultur und Tradition von Madrid nicht anerkannt und monieren zudem, dass sie als eine der wirtschaftsstärksten Regionen zwar hohe Steuereinnahmen nach Madrid überweisen, im Gegenzug aber bei staatlichen Investitionen benachteiligt werden.