Eklat im Hinterzimmer: So ist der CDU-Machtkampf zwischen Minister Spahn und Fraktionschef Brinkhaus eskaliert

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Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus (unten) und Minister Jens Spahn
Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus (unten) und Minister Jens Spahn

Diese beiden Männer werden wohl keine Freunde mehr: CDU/CSU-Fraktionschef Ralph Brinkhaus und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Seit Monaten wird kolportiert, Spahn sei scharf auf den Job von Brinkhaus und wolle ihn nach der Bundestagswahl im Herbst ablösen. Brinkhaus wiederum, so heißt es, halte Spahn für überschätzt.

Nun kam es zwischen beiden hinter den Kulissen zum Eklat: Anlass war die Listenaufstellung der CDU in Nordrhein-Westfalen für die Bundestagswahl. Brinkhaus und Spahn kommen beide aus dem Bundesland und wollten prominent auf der Liste vertreten sein, obwohl das gar nicht nötig wäre, da sie beide in sicheren CDU-Wahlkreisen antreten.

Spahns Wunsch: Hinter CDU-Chef Armin Laschet und Bildungsministerin Anja Karliczek auf Platz 3 vertreten zu sein. Dazu rief er Ende Mai die mächtigen acht Bezirksvorsitzenden an, um seine Chancen zu sondieren. Doch das bekam Brinkhaus spitz, rief daraufhin laut mehrerer Quellen Spahn an und machte eine Ansage: Wenn überhaupt könne nur er auf Platz 3 kandidieren. Alles andere würde ihn als Fraktionsvorsitzenden beschädigen. Spahn müsse sich also hinten anstellen.

Über den Fall berichteten auch die Funke-Medien. Tatsächlich zog Spahn bei der Listenaufstellung zurück und begnügte sich mit Platz 4 – offenbar auch, weil Laschet, mit dem er noch vor Monaten als Team um den Parteivorsitz angetreten war, sich in den Machtkampf nicht einmischte.

Auf Anfrage wollen sich Brinkhaus und Spahn nicht dazu äußern. Doch geklärt ist das Verhältnis zwischen Spahn und Brinkhaus noch lange nicht, wie sich jetzt zeigt. Aus Parteikreisen machen Spahn-Vertraute im Gespräch mit Business Insider nämlich eine knallharte Ansage: "Nach der Wahl ist Spahn Minister oder Fraktionsvorsitzender." Trotz der Kritik am Corona-Management sei der Gesundheitsminister wie kaum ein anderer in der Partei ministrabel.

Muss Brinkhaus am Ende dann doch weichen? Das ist völlig unklar. Brinkhaus hat die Fraktion zu einem eigenständigen Machtbereich neben Partei und Regierung entwickelt. Trotzdem gibt es auch an Kritik an seinem Führungsstil, wonach er seine Versprechen, die Fraktion in Entscheidungen vorab einzubinden, nicht immer einhalte. So oder so: Gewählt wird der Fraktionsvorsitzende von der Fraktion. Das heißt: Sollte die Union bei der Bundestagswahl wie Umfragen befürchten lassen tatsächlich herbe Verluste einfahren, dürfte das die Fraktion gehörig durcheinanderwürfeln. Wer sie dann führt, dürfte sich auch erst dann entscheiden.