Soziologe Garip will weiter für Meinungsfreiheit in der Türkei eintreten

Der deutsche Soziologe Sharo Garip will auch nach der Aufhebung seiner Ausreisesperre in der Türkei für sein Recht auf Meinungsfreiheit eintreten. "Als Akademiker habe ich das Recht, die Politik der Regierung zu kritisieren", sagte Garip im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. Sein Verfahren sei auf Februar vertagt, doch wolle er den Prozess weiter verfolgen und sein Recht auf Meinungsfreiheit verteidigen.

Der 51-Jährige hatte im Januar 2016 zusammen mit mehr als 1100 Akademikern eine Petition unterzeichnet, in der das Vorgehen der Regierung gegen die Kurden scharf kritisiert wird. Wie hunderte Mitunterzeichner verlor der kurdischstämmige Garip deshalb seinen Job an der Universität Van, zudem verhängte die Justiz eine Ausreisesperre gegen ihn. Erst Anfang Dezember kamen die ersten "Akademiker für den Frieden" in Istanbul vor Gericht.

Bei Garips Anhörung am Dienstag entschied das Gericht, seine Ausreisesperre aufzuheben. Garip zeigte sich erleichtert und will nun rasch ausreisen. "Ich konnte diese Geiselnahme nicht mehr ertragen", die Türkei sei für ihn ein "Freiluftgefängnis" gewesen, sagte der von der Universität Köln promovierte Wissenschaftler. "Es war schwer auszuhalten, zwei Jahre so in der Luft zu hängen." Er habe daher auf einen frühen Termin gedrungen, um sich endlich verteidigen zu können.

Garip zeigte sich enttäuscht über die Bundesregierung, die es "hingenommen" habe, dass die Türkei seit dem versuchten Militärputsch von Juli 2016 dutzende Deutsche inhaftiert oder an der Ausreise gehindert habe. Es sei ein "fataler Fehler" gewesen, dass Deutschland nicht gleich bei den ersten Fällen härter reagiert und Sanktionen beschlossen habe, sagte Garip. "Diese schwache Haltung hat die Türkei ermutigt."

Dankbar zeigte er sich dagegen für die Unterstützung der Zivilgesellschaft. "Dies hat mir den Rücken gestärkt und sehr geholfen, diese zwei Jahre durchzuhalten", sagte er. Neben der deutschen Botschaft hätten ihn die Universität Köln, verschiedene Gewerkschaften und ein türkischer Fonds für verfolgte Wissenschaftler unterstützt. Wegen der Vielzahl der Betroffenen seien die Mittel aber inzwischen knapp.

Garip will nun zunächst nach Hause in Köln zurückkehren und eine Arbeit und eine Wohnung suchen. Ob er vor Gericht zurückkehrt, will er in Absprache mit seiner Anwältin entscheiden. "Die türkische Justiz ist unberechenbar, dieser Prozess ist klar politisch", sagte er. Garip hofft dennoch auf Gerechtigkeit für die anderen Angeklagten und will sich von Deutschland aus für ihre Unterstützung einsetzen.