Sorptions-Systeme: Filter gegen Restschadstoffe

Mit einer Idee aus der Rubrik "Technik, die begeistert" beziehungsweise "Warum eigentlich nicht?" hat die Bezirksvertretung Nippes in ihrer Sitzung im Zoo aufgewartet. Um die Schadstoff-, Keim-, Medikament- und Nitrat-Rückstände im Abwasser zu senken, schlagen die Politiker vor, in Köln zukünftig Filtertechniken nach dem OSF-Verfahren einzusetzen. Hierbei handelt es sich um organische Sorptionsfilter, die vor allem in ländlichen Gebieten Deutschlands eingesetzt werden. Den entsprechenden Antrag, eingebracht von der SPD-Fraktion, verabschiedeten die Politiker einstimmig bei Enthaltung von Biber Happe (FDP).

Solche Filter, die im Innern mit Biomasse gefüllt sind, werden federführend von einem Hersteller aus der Pfalz produziert. Dort sind sie in kleinsten Dörfern im Einsatz, die zuvor noch keine Abwasser-Klärung hatten. "In der Presse konnten wir in den Wochen vielfach lesen, dass die Nitratbelastung des Trinkwassers vielerorts zu hoch sei. Auch ist die Rede davon, dass der Preis für Trinkwasser drastisch ansteigen wird, da aufwendige Filtersysteme eingesetzt werden müssen. Davon werden dann auch Nutzer betroffen sein, die sich noch nicht mit erhöhten Nitratwerten auseinander setzen müssen", heißt es im Antrag der SPD.

Zudem könne das Filterverfahren helfen, weitere unerwünschte Rückstände wie Keime, Hormone oder Antibiotika herauszuholen. "Vor allem in Rheinland-Pfalz ist das Verfahren längst gang und gäbe. Wir könnten vielleicht ein wenig als ökologischer Leuchtturm dienen", so Mandatsträger Winfried Steinbach.

Nitrate im Trinkwasser sind ein Problem, da sie im Körper zu Nitrit-Salzverbindungen umgewandelt werden können. Diese behindern den Sauerstofftransport im Blut und können insbesondere für körperlich schwächere Personen gefährlich sein. Als ein Hauptgrund für hohe Nitratwerte im Grundwasser gilt die Belastung durch Gülle aus der Viehwirtschaft sowie Mineraldüngern im Acker- oder Obstanbau. Vor allem in weiten Teilen Niedersachsens, wo Betriebe mit Massentierhaltung - wie große Hühnerstallungen oder Schweine-Mastfarmen - weit verbreitet sind, wird der EU-weit geltende Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter oft, zum Teil dramatisch, überschritten.

Eine Meldung des Umweltbundesamtes hatte im Juni für Aufsehen gesorgt: In etlichen Regionen Deutschlands könnten Preiserhöhungen der Wasserversorger um 55 bis 76 Cent pro Kubikmeter drohen, da das im Rohwasser enthaltene Nitrat von ihnen aufwändig mit speziellen Verfahren entfernt werden müsse. In Köln ist das Thema Nitrat noch nicht akut: Wie die Trinkwasser-Analyse der Rhein-Energie zeigt, liegt die Durchschnittsbelastung des Wassers im Linksrheinischen bei 21 Milligramm pro Liter; 58 Prozent unterhalb des Grenzwertes; im Rechtsrheinischen sogar noch leicht darunter. Die Rhein-Energie arbeitet mit 120 regionalen Landwirten im Projekt "Arbeitskreise Ackerbau und Wasser" zusammen, um den Dünger- und damit Nitrat-Eintrag ins Grundwasser niedrig zu halten. "In Köln ist Nitrat im Grund- bzw. Trinkwasser kein Problem", so der Versorger.

"Wir werden uns der Sache nicht entgegen stellen", sicherte die Grüne Anke Mönnink in der Bezirksvertretung zu, sowie auch FDP-Vertreter Biber Happe: "Es klingt auf jeden Fall interessant. Momentan kann ich mich nur enthalten, wir bräuchten da weitere Informationen."

Dat Wasser vun Kölle

Neben den Nitraten liegen auch die anderen Werte aus der chemischen Analyse des Kölner Leitungswassers weit unter den Grenzwerten - etwa für diverse Schwermetalle, chemische Stoffe oder Pflanzenschutzmittel. Das Trinkwasser enthält zudem recht viel Calcium und Magnesium - was zwar gesund ist, jedoch als sogenanntes "hartes" Wasser zu Geräte-Verkalkungen und höherem Waschmittel-Bedarf führt. (bes)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta