Werbung

Sorge vor Pipeline-Attentat - Berlin treibt LNG-Ausbau voran

(Bloomberg) -- Die Bundesregierung will sich gegen das Risiko eines Sabotageangriffs auf die Pipeline-Gaslieferungen aus Norwegen absichern – und ist bereit, mehrere Milliarden dafür auszugeben. Damit sollen die Importkapazitäten für Flüssigerdgas auf der Ostseeinsel Rügen mindestens verdoppelt werden.

Weitere Artikel von Bloomberg auf Deutsch:

Nach der noch immer unaufgeklärten Sprengung der Nord-Stream-Pipelines halte Bundeskanzler Olaf Scholz einen weiteren Angriff auf unter dem Meeresgrund verlegte Gasleitungen für möglich, berichten darüber informierte Personen.

Norwegen ist inzwischen Deutschlands größter Gaslieferant. Ende vergangenen Jahres lieferte das Königreich rund ein Drittel der deutschen Importe. Beschädigungen der Pipelines aus Norwegen könnten daher die Energiesicherheit der Bundesrepublik gefährden.

Deutschland müsse damit rechnen, dass wieder etwas passiert, hatte Wirtschaftsminister Robert Habeck Anfang der Woche auf einer Veranstaltung in Berlin gesagt. Die Regierung plane daher mit einer strategischen Reserve, falls irgendwo wieder ein Pipelinesystem ausfalle oder die Gasversorgung erneut eingestellt wird.

Bis Anfang nächsten Jahres wollen die Behörden im Rügener Hafen Mukran mindestens ein schwimmendes LNG-Terminal in Betrieb nehmen. Dem Vernehmen nach arbeiten sie an der Installation eines zweiten LNG-Schiffs am selben Ort. Gespräche mit der Deutschen Regas über eine Beteiligung am neuen Projekt liefen, hieß es. Das Privatunternehmen betreibt eine separate Anlage im nahegelegenen Lubmin.

Das Wirtschaftsministerium teilte mit, dass über den Standort des letzten von fünf vom Staat angemieteten schwimmenden Terminals in naher Zukunft entschieden wird und dass bisher nur ein Terminal auf Rügen zugewiesen wurde.

Drei LNG-Importterminals wurden bereits in diesem Winter in Betrieb genommen. In den nächsten Jahren sollen insgesamt sechs weitere — auch an Land — hinzukommen, dafür sind rund 10 Milliarden Euro vorgesehen. Ziel ist es, bis 2030 über genügend Kapazitäten zu verfügen, um russische Gasimporte über Pipelines vollständig ersetzen zu können.

Kritiker befürchten, dass die Installation zusätzlicher Infrastrukturen für fossile Brennstoffe die Kohlendioxidemissionen auf Jahre hinaus verankern wird und der Umstellung auf erneuerbare Energien zuwiderläuft. Die Bundesregierung betrachtet die LNG-Terminals jedoch als wichtig, auch für die Versorgung der Nachbarstaaten.

Überschrift des Artikels im Original:Germany Pushes LNG Expansion Over Fears of More Pipeline Attacks

©2023 Bloomberg L.P.