Sorge vor neuer Gewalt im Gazastreifen

Nach den tödlichen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften am Gazastreifen wird neue Gewalt befürchtet. Der UN-Sicherheitsrat in New York befasste sich in einer Dringlichkeitssitzung mit der Lage

Nach den tödlichen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften am Gazastreifen wird neue Gewalt befürchtet. Bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats in New York warnte UN-Vize-Generalsekretär Taye-Brook Zerihoun am Freitag (Ortszeit), die Lage drohe sich in den kommenden Tagen noch zu "verschlimmern". Israelische Sicherheitskräfte hatten zuvor an der Grenze des Gazastreifens laut Palästinenserangaben mindestens 16 Menschen getötet und mehr als 1400 weitere verletzt.

"Das Risiko einer Eskalation ist sehr konkret", sagte der französische Vertreter im UN-Sicherheitsrat. "Es gibt die Möglichkeit eines neuen Konflikts im Gazastreifen." UN-Vize-Generalsekretär Zerihoun rief alle Beteiligten zu größter Zurückhaltung auf. Eine gemeinsame Erklärung des wichtigsten UN-Gremiums kam allerdings nicht zustande.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte eine "unabhängige und transparente Untersuchung" zu der Gewalt. Zugleich bekräftigte er die Bereitschaft der Vereinten Nationen, Friedensbemühungen im Nahen Osten zu unterstützen, wie ein Sprecher mitteilte.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, äußerte sich auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter "zutiefst traurig" über die Todesopfer. Alle Beteiligten müssten Maßnahmen ergreifen, um die Spannungen zu reduzieren. Die türkische Regierung warf Israel einen "unangemessenen Einsatz von Gewalt" vor.

Der Freitag war der blutigste Tag im Gazastreifen seit 2014. Zehntausende Palästinenser hatten am "Tags des Bodens" im Gazastreifen für ein "Recht auf Rückkehr" nach Israel demonstriert. Die israelische Armee sprach von 30.000 Teilnehmern, unter denen sich auch Frauen und Kinder befanden.

Israelische Sicherheitskräfte gingen mit aller Härte gegen Demonstranten nahe der gesicherten Grenzanlage zu Israel vor und setzten scharfe Munition und Tränengas ein. Sie reagierten nach eigenen Angaben auf brennende Reifen, Steinwürfe und Brandbomben von palästinensischer Seite.

"Das ist keine friedliche Demonstration", sagte ein israelischer Militärvertreter. Zudem griff die Armee nach eigenen Angaben drei Stellungen der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen mit Panzerfeuer und Luftschlägen an.

Der "Tags des Bodens" erinnert an die gewaltsame Niederschlagung von Protesten arabischer Bauern gegen die Enteignung ihres Landes im Norden Israels am 30. März 1976. Die Proteste sollen sechs Wochen dauern, bis Mitte Mai. Offiziell werden sie von der Zivilgesellschaft organisiert, sie werden aber von der radikalislamischen Hamas unterstützt, die im Gazastreifen an der Macht ist.

Israel hatte das Grenzgebiet im Vorfeld der Proteste zur militärischen Sperrzone erklärt. Aus Sorge vor einem Massenausbruch über die Grenze beorderte die Regierung zusätzliche Soldaten in das Gebiet, darunter auch zahlreiche Scharfschützen.