Sorge vor Corona-Welle an Schulen: Lehrerverband fordert 3G-Regel für alle Lehrerinnen und Lehrer

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Unter Kindern und Jugendlichen breitet sich Corona derzeit besonders rasant aus
Unter Kindern und Jugendlichen breitet sich Corona derzeit besonders rasant aus

Viele Experten hatten gewarnt, dass es in der vierten Corona-Welle zu einer Pandemie der Ungeimpften kommen werde. Und genau das scheint sich nun zu bestätigen. Und die Ungeimpften, das sind vor allem die Kinder.

Die Zahlen sprechen für sich. In Bayern lag die Sieben-Tage-Inzidenz der Sechs- bis Elf-Jährigen vergangene Woche bei rund 527. In einzelnen Landkreisen in ganz Deutschland ist die Lage sogar noch erheblich schlimmer. Im thüringischen Altenburger Land lag die Inzidenz bei den Fünf- bis 14-Jährigen bei 718, im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt bei 796. Der Landkreis Berchtesgadener Land in Bayern verzeichnete in dieser Altersgruppe sogar eine Inzidenz von 1478.

Nun stellen sich viele die Frage: Wie kann man die Kinder besser schützen?

Die Bundesländer, die hier verantwortlich sind, verfolgen ganz unterschiedliche Wege. Während die Inzidenzwerte weiter steigen, gilt ab Dienstag dieser Woche in Nordrhein-Westfalen keine Maskenpflicht an Schulen mehr. In Thüringen wurden Schüler wochenlang nicht getestet, ab 8. November müssen Schulen jedoch wieder zwei Tests pro Woche anbieten. Niedersachsen hat die drittniedrigste Inzidenz aller Bundesländer. In der Woche nach den Herbstferien werden die Schüler jeden Tag getestet, danach bis zu dreimal pro Woche. Bis auf Erst- und Zweitklässler muss jeder in der Schule eine Maske tragen – auch während des Unterrichts.

Dieser Flickenteppich bei den Regeln löst unter anderem bei Lehrern Kritik aus. "Jedes Bundesland kocht wieder einmal sein eigenes Süppchen", sagt etwa Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Im Gespräch mit Business Insider warnt er vor den Konsequenzen der derzeitigen Entwicklung: "Von den etwa elf Millionen Schülern in Deutschland sind derzeit mindestens sieben Millionen nicht geimpft." Laut Expertenauskunft sei es eine Frage weniger Monate, dass sich ein Großteil davon infiziere, wenn die Gegenmaßnahmen nicht erhöht würden. "Auch wenn ihr Risiko zu erkranken gering ist, so kann es somit doch Zehntausende geben, die im Krankenhaus behandelt werden müssen", sagt Meidinger. Hinzu kämen diejenigen, die womöglich mit den Folgen von Long-Covid zu kämpfen hätten.

Als Gegenmaßnahmen schlägt er vor, weiter auf Tests und Hygieneregeln zu setzen. "Auch zur Maskenpflicht gibt es keine Alternative", betont er. Für die Jugendlichen, die sich impfen lassen können, müsse es zudem niedrigschwellige Angebote im Umfeld von Schulen geben. Auch durch weitere Maßnahmen bei den Lehrern könnte man für mehr Sicherheit sorgen. „Aus meiner Sicht ist es vertretbar, wenn man für Lehrer die 3G-Regelung an Schulen einführt. Das wäre ein Beitrag, um Kinder zu schützen", sagte Meidinger. Eine Impfpflicht für die gesamte Berufsgruppe würde aus seiner Sicht jedoch kaum etwas ändern, da über 90 Prozent der Lehrer geimpft seien.

Auch die Schüler selbst sehen den Ernst der Lage. "Wir sind in einer verdammt schwierigen Situation. Keiner kann so tun, als wäre die Pandemie schon vorbei", sagt Dario Schramm, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz und damit so etwas wie der oberste Schülersprecher des Landes. Auch ihm fallen außer Tests, Hygienemaßnahmen und dem konsequenten Lüften kaum Dinge ein, die den Schutz erhöhen könnten. Denn drastischere Maßnahmen wird es kaum geben.

SPD, Grüne und FDP haben bereits die neuen Richtlinien für den weiteren Kurs in der Pandemie vorgestellt. Dabei ist vorgesehen, dass Schulen nicht mehr flächendeckend geschlossen werden sollen. Nur in Ausnahmefällen, etwa wenn ein Großteil der Lehrer infiziert oder in Quarantäne ist. Schramm von der Bundesschülerkonferenz begrüßt das durchaus, denn unter den Schulschließungen besonders zu Beginn der Pandemie litten viele Kinder stark.

Eine echte Verbesserung der Lage dürfte wohl erst kommen, wenn auch Unter-Zwölf-Jährige geimpft werden können. In den USA ist das mit dem Impfstoff von Biontech bereits für Kinder ab fünf Jahren möglich. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA prüft die Zulassung noch. Doch nicht nur direkte Impfungen helfen den Kindern. Sie profitieren auch von einer hohen Impfquote in der gesamten Bevölkerung – je höher sie ist, desto besser sind auch die Jüngsten geschützt.

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