Sony-Chef gibt Amt ab, das „Hirn“ des Konzerns übernimmt


Sony-Chef Kazuo Hirai hat allen Grund zum Feiern. Er hat den japanischen Elektronikriesen spektakulär aus der Krise zu neuen Höhen geführt. Am Freitag kündigte Hirai bei der Bilanzvorlage für Sonys drittes Quartal einen überraschend hohen Rekordgewinn für das Geschäftsjahr 2017 an, das noch bis Ende März läuft.

Nun sei es an der Zeit, die Unternehmensführung abzugeben, betont Hirai. Zum 1. April steigt er zum Verwaltungsratschef auf und übergibt die Konzernführung an seinen bisherigen Finanzchef Kenichiro Yoshida. Dabei ist der mit 58 Jahren ein Jahr älter als Hirai.

Der Abschied des erfolgreichen Sanierers zu diesem Zeitpunkt hat nicht nur die Märkte überrascht. Angesichts von Hirais Erfolgen sei der Vorstand zuerst überrascht von dessen Vorschlag gewesen, als Präsident und CEO zurückzutreten, gab der derzeitige Verwaltungsratsvorsitzende Osamu Nagayama zu Protokoll. „Aber mit der Zeit und nach reiflichen Diskussionen haben wir letztlich die Entscheidung getroffen, seine Wünsche zu respektieren.“



Hirai hatte den Konzern gezielt auf technisch gute Produkte ausgerichtet und so Sonys Marke wieder gestärkt. Bei Digitalkameras gilt der Konzern mittlerweile als technischer Trendsetter und nimmt den Platzhirschen Canon und Nikon einst treue Kunden ab.

Der Zeitpunkt für die Staffelübergabe sei darum ideal, argumentiert der Konzernchef. Der laufende mittelfristige Geschäftsplan werde Bilanzjahr 2017 übererfüllt, kündigte er an. Nun befinde sich das Unternehmen mit dem Entwurf des neuen Managementplans an einer wichtigen Wegmarke. Und Hirai will Yoshida freie Hand geben, diesen weiteren Weg für Sony zu gestalten.

Die Nachfolge-Entscheidung kam nicht überraschend. Denn Yoshida selbst ist mehr als nur die rechte Hand Hirais, das machte der scheidende Konzernchef deutlich. Der bisherige Finanzvorstand habe als „wertvoller Vertrauter und Geschäftspartner agiert, während wir die Herausforderung angenommen haben, gemeinsam Sony zu transformieren“, teilte Hirai in einer Presseerklärung mit.

Die lobenden Worten decken sich mit dem Eindruck vieler Beobachter des Unternehmens. Die Wirtschaftszeitung „Nikkei“ nannte Yoshida „das Hirn hinter dem Vorhang“. Konzernchef Hirai habe zwar die große Linie vorgegeben, doch seinen Reformen und Sparmaßnahmen habe es an Durchschlagskraft gefehlt, bevor Yoshida gekommen sei.


Playstation sticht die Xbox aus



Zu Beginn der Ära Hirai habe Sony über mehrere Jahre seine Prognosen verpasst und sackte immer wieder in die Verlustzone ab. Besonders das einstige Glanzstück Sonys, die TV-Sparte, erwies sich als reformresistent und schrieb Jahr für Jahr rote Zahlen. Doch mit Yoshida, der Mut zu harten Schnitten hatte und auf die Einhaltung von Zielen pochte, kehrte allmählich auch der wirtschaftliche Erfolg zurück.

Unter seiner Mitwirkung trennte sich Sony vom PC- und Notebookgeschäft und gliederte die TV-Sparte in eine eigenständige Firma aus. Es wurde Personal abgebaut, während das Unternehmen gleichzeitig in Wachstumsbereiche und neue Partnerschaften investierte. Mit der Spielekonsole Playstation 4 sind die Japaner unangefochtener Marktführer und haben Konkurrent Microsoft mit seiner Xbox in die Schranken verwiesen.

Inzwischen übertrifft Sony die eigenen Prognosen und die der Analysten wieder, statt sie zu verfehlen. Am Freitag hob Sony bei Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal die Jahresgewinnprognose von 630 Milliarden auf 720 Milliarden Yen (5,2 Milliarden Euro) an. Die Analysten hatten im Schnitt mit 680 Milliarden Yen gerechnet.


Yoshida kündigte an, nun auf weiteres Wachstum zu setzen. Sein Lebenslauf zeigt, dass er nicht nur ein Sanierer ist, sondern auch aufbauen kann. 1983 nahm er die Arbeit bei Sony auf und sammelte dann von 1990 bis 1994 bei Sony of America globale Erfahrung. Zurück in der Zentrale stieg er von der Finanzabteilung zum Geschäftsführer der Strategieabteilung des Konzernchefs auf, also zu einer Art Vordenker Sonys.

Im Jahr 2000 wechselte er dann zu Sonys Internetportal, dessen Führung er übernahm. Der Höhepunkt seiner dortigen Karriere war der Börsengang der Einheit. Und damit fiel er auch dem damaligen Firmenchef Howard Stringer positiv auf.

Yoshida habe das Zeug, Konzernchef zu werden, soll Stringer einem Nikkei-Reporter anvertraut haben. Man solle ihn zurückholen. Das machte später Hirai. Nun muss Yoshida das Vertrauen seiner Vorgänger rechtfertigen.