Sonntag, 24.6.2018: Was Sie heute wissen müssen

In der Türkei wird heute ein neues Parlament und ein neuer Präsident gewählt, US-Behörden haben mehr als 500 Flüchtlingskinder an ihre Familien zurückgegeben, in Brüssel spricht Angela Merkel mit ihren EU-Kollegen über den Umgang mit Flüchtlingen und in Wuppertal wurden mehrere Menschen bei der Explosion eines Wohnhauses verletzt – die Nachrichten des Tages.

Präsident Erdogan geht als Favorit in die Wahl. (Bild-Copyright: Lefteris Pitarakis/AP)

Wahlen in der Türkei: Bleibt Erdogan Präsident?

Heute wird in der Türkei über ein neues Parlament und einen neuen Präsidenten abgestimmt. Recep Tayyip Erdogan hatte im März verkündet, die eigentlich im November 2019 stattfindenden Wahlen vorzuziehen, da das Land dringend eine neue Präsidentschaft brauche. Kritiker behaupten, er wolle damit lediglich die Verfassungsänderungen vom Referendum 2017 schneller einführen, die die Macht des Präsidenten noch weiter stärken. Insgesamt fünf Politiker treten gegen ihn im Rennen um den Posten als Regierungsoberhaupt an, wobei Erdogans größter Konkurrent Muharrem Ince der Oppositionspartei CHP ist. Der hatte am Samstag Millionen von Anhänger versammelt und gibt sich optimistisch. Erdogan gilt zwar als Favorit, könnte die benötigte absolute Mehrheit aber verfehlen, woraufhin es zur Stichwahl kommen würde. Auch seine islamisch-konservative AKP könnte die Mehrheit im Parlament verlieren. Erdogan hatte deshalb erstmals die Bildung einer Koalition nicht ausgeschlossen.

Ob die Wahlen tatsächlich fair ablaufen werden, bezweifeln kritische Stimmen schon seit Wochen. Mehrere Hunderttausende Menschen sollen von der Opposition in den Wahlbüros als Beobachter eingesetzt werden und bei Unstimmigkeiten Alarm schlagen. Aufsehen erregte zuletzt eine Wahlergebnis-Grafik, die im türkischen Fernsehen zu sehen war und Erdogan mit 53 Prozent der Stimmen vorn sah. Aus Deutschland haben rund 720.000 der gut 1,4 Millionen türkischen Wahlberechtigten abgestimmt.

US-Behörden geben über 500 Kinder an ihre Familien zurück

Viele Amerikaner protestierten gegen die Familientrennungen an der US-Grenze. (Bild-Copyright: Andres Leighton/AP)

Nachdem Hunderte Flüchtlingskinder an der US-Grenze von ihren Eltern getrennt worden waren, ist ein Teil der Familien nun wieder vereint. Die Behörden haben insgesamt 522 Kinder mit ihren Eltern zusammengebracht, berichtet das US-Heimatschutzministerium. Weitere 16 Minderjährige sollen im Laufe des Tages folgen. Auch die restlichen rund 1.800 Kinder sollen wieder mit ihren Eltern zusammengeführt werden, heißt es. Einen konkreten Zeitplan dafür gibt es allerdings nicht. In den vergangenen Wochen hatten die US-Behörden Kinder illegal eingewanderter Menschen aus Süd- und Mittelamerika konsequent von ihren Familien getrennt. Die Kinder wurden in Auffanglagern untergebracht, ihre Familien festgenommen. Die Null-Toleranz-Politik von Präsident Trump war scharf kritisiert worden – er hob die umstrittenen Familientrennungen daraufhin am Mittwoch auf.

 

EU-Sondergipfel zum Umgang mit Flüchtlingen

Für Angela Merkel ist der Sondergipfel in Brüssel besonders wichtig. (Bild-Copyright: Markus Schreiber/AP)

Mindestens 16 EU-Staaten versammeln sich heute in Brüssel, um über gemeinsame Lösungen im Umgang mit Flüchtlingen zu diskutieren. Frankreichs Präsident Macron und Spaniens neues Regierungsoberhaupt Pedro Sánchez sprachen sich im Vorfeld des informellen Gipfels für geschlossene Aufnahmelager aus und forderten europäische Solidarität bei der Aufnahme von asylberechtigten Flüchtlingen. “Es kann nicht sein, dass Länder, die deutlich von der Solidarität der EU profitieren, auf ihre nationalen Egoismen verweisen, sobald es um Migrationsthemen geht”, so Macron. Für Angela Merkel ist der informelle Gipfel besonders wichtig, hat das Flüchtlingsthema doch zuletzt für große Unruhe in der Union gesorgt. Die CSU unter Horst Seehofer fordert härtere Maßnahmen und will diese auch im Alleingang umsetzen, wenn nötig. Merkel setzt hingegen auf gemeinsame Lösungen mit der EU. Aufgrund der Unstimmigkeiten war zwischenzeitlich sogar von einer Auflösung der Fraktionsgemeinschaft die Rede.

Mehrere Schwerverletzte bei Explosion in Wuppertal

Den Beamten bot sich ein “Bild der Verwüstung”. (Bild-Copyright: AFP)

In der Nacht zu Sonntag ist in Wuppertal ein Wohnhaus explodiert. Am frühen Morgen sprach die Polizei von insgesamt fünf Verletzten, mehrere davon würden mit schweren Verletzungen im Krankenhaus behandelt. Die Beamten sahen sich mit einem “Bild der Verwüstung” konfrontiert: Ein großer Teil des mehrstöckigen Hauses war weggesprengt, Teile der Fassade stürzten auf die Straße, im Inneren des Hauses war an mehreren Stellen Feuer ausgebrochen. Die Polizei konnte am Sonntagmorgen nicht ausschließen, dass sich weitere Opfer in den Trümmern des Hauses befinden. “Die Arbeiten werden dadurch erschwert, dass das Gebäude derzeit akut einsturzgefährdet ist und noch nicht betreten werden kann”, so die Retter. Wie es zu der Explosion kam, war am frühen Morgen noch unklar. Die Kriminalpolizei hat noch in der Nacht die Ermittlungen aufgenommen.