Sonderauschuss im EU-Parlament untersucht Hintergründe der Glyphosat-Zulassung

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Im Europaparlament soll ein Sonderausschuss die Hintergründe der neuerlichen Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat untersuchen. Dies beschlossen am Donnerstag in Straßburg Parlamentspräsident Antonio Tajani und die Vorsitzenden der acht Fraktionen.

Der Sonderausschuss aus 30 Abgeordneten wird nach Angaben eines Sprechers voraussichtlich im März die Arbeit aufnehmen. Seine Mitglieder sollen untersuchen, wie die Zulassungen von Pestiziden in der EU generell zustandekommen - und dabei ein besonderes Augenmerk auf die Genehmigung von Glyphosat legen.

Geprüft werden soll unter anderem die "Qualität von Studien", auf die sich die Experten aus den Mitgliedsstaaten sowie die EU-Agenturen für Lebensmittel und Chemikalien stützen. Ferner soll der Ausschuss etwaige Einflussnahme der Industrie auf das Zulassungsverfahren prüfen. Auch mögliche Interessenkonflikte sollen unter die Lupe genommen werden.

Dabei geht es nicht zuletzt um Berichte, nach denen der Glyphosat-Hersteller Monsanto massiven Einfluss auf Studien über die Auswirkungen des Herbizids auf die menschliche Gesundheit genommen haben soll. Der Ausschuss werde dem "Monsanto-Skandal auf den Grund gehen", kündigte die belgische Sozialdemokratin Kathleen Van Brempt an. Es müsse genau untersucht werden, inwieweit "wissenschaftliche Standards oder Interessen der Agrarkonzerne die Entscheidung der Verantwortlichen lenken", sagte die Ko-Vorsitzende der Grünen im Europaparlamen, Ska Keller.

Das in den 70er Jahren vom US-Konzern Monsanto entwickelte Glyphosat ist eines der weltweit meistverkauften Herbizide. Kritiker warnen vor einem möglichen Krebsrisiko. Sie verweisen auf einen Bericht der zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörenden Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), nach dem Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" ist. Aufsichtsbehörden in Deutschland und der EU kamen hingegen zu dem Schluss, dass von Glyphosat keine Gefahr für die Gesundheit von Menschen ausgeht.

Ende November hatten die EU-Staaten nach langem Streit beschlossen, die Zulassung für Glyphosat um fünf Jahre zu verlängern. Ausschlaggebend war dabei das Ja des deutschen Agrarministers Christian Schmidt (CSU).