"Wir sollten Politiker besser bezahlen"

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"Wir sollten Politiker besser bezahlen"

Was müssen wir tun, damit mehr Unternehmer in die Politik gehen? Im Interview erklärt der vermögende Seriengründer und CDU-Politiker Thomas Heilmann, woran der Austausch zwischen Wirtschaft und Politik krankt.


Herr Heilmann, Sie waren Unternehmer und wurden Politiker. Warum?
Mich hat schon immer interessiert, wie das Zusammenleben von Menschen organisiert wird. Vor sechs Jahren hat sich dann die Gelegenheit ergeben, in die Politik einzusteigen. Das hat mich gereizt.

Sie wurden für die CDU Justizsenator in Berlin. Heute sind Sie ein Berufspolitiker.
Einspruch, Berufspolitiker wurde ich mit meiner Ernennung zum Senator.

Sie gelten spätestens seit Ihrer Investition in Facebook als vermögend. Sie müssten gar nicht mehr arbeiten.
Ich wünsche mir für alle Menschen, dass ihre Arbeit auch Berufung ist, Ihnen die Arbeit Freude macht. Ich habe das Glück, das sowohl für meine Tätigkeit als Politiker als auch als Unternehmer sagen zu können.

Sie könnten ein neues Unternehmen gründen.
Ich habe schon viele Unternehmen gegründet. Ich glaube, man wird irgendwann nicht mehr besser.


Fehlt es in der Politik an wirtschaftlicher Expertise?
Die Regierung verfügt über genügend Expertise oder die Möglichkeiten, sich diese zu besorgen. Auch die Beamten und Ministerialmitarbeiter verfügen über wirtschaftliche Kenntnisse. Das Problem sind die Parteien, hier fehlt Wirtschaftskompetenz.

Braucht die Politik mehr Unternehmer im Bundestag?
Ich fände es gut, wenn mehr Unternehmer und Seiteneinsteiger den Weg in die Politik finden. Es fehlen auch Pastoren, die in die Politik wechseln – oder Sportler. Wir brauchen solche Leute als Gegengewicht zu den Berufspolitikern.

Warum entscheiden sich so wenige Unternehmer für die Politik?
Politiker werden buchstäblich jeden Tag kritisiert. Das wirkt auf viele abschreckend. Zugleich halten die Berufspolitiker die Türen fest geschlossen. Ich hatte Glück, dass ich es trotzdem hinein geschafft habe.

Ohne eine Parteikarriere geht oftmals nichts.
Die berühmte Ochsentour. Wer in die Politik will, klebt erstmal zehn Jahre lang Plakate. Jeder muss sich ganz hinten anstellen, selbst Führungskräfte aus der Wirtschaft.


Was kann man dagegen tun?
Beide Seiten brauchen Verständnis für einander. Wir sollten Politiker besser bezahlen, denn sie verdienen oft so schlecht, dass sie nach der Politik einen Anschlussjob brauchen. Wenn Sie dann eine Beschäftigung finden, gelten sie als charakterschwache Lobbyisten oder Verräter. Das ist albern. Wir müssen mehr Wechsel zwischen Wirtschaft und Politik ermöglichen – in beide Richtungen.

Helmut Schmidt wurde für seinen Job als Herausgeber der „Zeit“ nicht kritisiert.
Auch Helmut Schmidt wurde kritisiert. Wir wollen doch alle eine leistungsfähige Gesellschaft. Und wenn Politiker dann in die Wirtschaft gehen, wird es plötzlich kritisiert. Das ist für mich nicht logisch. Es ist doch verständlich, dass jemand nicht vom Jobcenter leben will.


"Der Self-Made-Man ist in den USA angesehen, in Deutschland gilt er als verdächtig"

Viele Unternehmen fürchten den Neid und glauben, sie hätten keine Chance.
Für Unternehmer ist es eher schwieriger Wählerstimmen zu bekommen – das stimmt. Im angelsächsischen Raum werden Unternehmer mehr geschätzt. Der Self-Made-Man ist in den USA hoch angesehen, in Deutschland gilt er als verdächtig. Und dennoch glaube ich, dass Vertreter aus der Familie Oetker oder Bahlsen Anklang beim Wähler finden würden. Sie können glaubhaft argumentieren, dass es ihnen um das Engagement geht und nicht um Geltungssucht. Dafür stehen ihre Unternehmen.


Apropos Engagement. Über Sie gab es auch viele negative Schlagzeilen. Wie empfinden Sie das?
Natürlich wurden mir Dinge vorgeworfen, die ich für unfair oder einfach falsch halte.  Wenn ich das nicht aushalten könnte, müsste ich mit der Politik aufhören. Unterm Strich wurde ich aber ziemlich fair behandelt, keine Sorge.

Welchen Tipp haben Sie an Seiteneinsteiger?
Man muss sich inhaltlich profilieren. Ich habe beispielsweise überlegt, wie man die Berliner S-Bahn verbessern könnte. Das kam damals gut an und brachte mir Aufmerksamkeit – die entscheidende Währung in der Politik.


Und dann Event-Hopping?
Als Unternehmer ist es leicht Politiker kennenzulernen. Dafür sind keine Events nötig. Man muss Politiker nur einladen, die kommen dann schon. Ich habe sehr davon profitiert, dass mir erfahrene Politiker geholfen haben. Zum Beispiel der frühere Bundestagsvizepräsident Peter Hintze, der letztes Jahr leider verstorben ist.. Ohne seine Hilfe und Fürsprache hätte ich das nicht geschafft.

Was ist ihr nächstes Ziel?
Im Herbst werde ich höchstwahrscheinlich in den Bundestag einziehen. Dort will ich einen guten Job machen. Alles andere ergibt sich dann.

Irgendwann mal Minister oder Staatssekretär – das würde Sie doch reizen.
Das hat seinen Reiz, aber auch Nachteile. Für mich liegt das in weiter Ferne. Erst einmal muss ich im Bundestag einen guten Job machen.



KONTEXT

Zur Person

Thomas Heilmann

Thomas Heilmann (53) ist Unternehmer, Politiker und ehemaliger Honorarprofessor an der Universität der Künste Berlin. Bereits 1990 gründete er die Werbeagentur Delta-Design, die 1991 in "Scholz & Friends" aufging. Bis 2001 war Thomas Heilmann deren geschäftsführender Gesellschafter in der Niederlassung Berlin, anschließend bis 2008 Vorstandsvorsitzender von "Scholz & Friends".

Seit 1980 ist Thomas Heilmann Mitglied der CDU und wurde 2009 zum stellvertretenden Vorsitzenden des Berliner Landesverbandes gewählt. Er war von Anfang 2012 bis Ende 2016 Senator für Justiz und Verbraucherschutz des Landes Berlin.