Sollten sich Investoren mit Auto-Abomodellen beschäftigen?

Motley Fool Investmentanalyst

Wer sich ein neues Auto zulegen will, hat demnächst vielleicht bald eine dritte Option anstelle der traditionellen Kauf- oder Leasingverträge: das Abonnement. Nachdem bereits Autohersteller wie Cadillac von General Motors, Volvo von Geely Automobile Holdings und Ford (WKN:502391) am Start sind, kommt jetzt auch noch BMW hinzu. Was aber bedeutet genau das Konzept „Autos im Abonnement“? Und was bedeutet das für Investoren?

Sharing Economy und Leben ohne Eigentum

Millennials – also die etwa 80 Millionen Menschen in den USA, die zwischen Anfang der 80er und Ende der 90er Jahre geboren wurden – haben einen großen Einfluss auf die Wirtschaft. Ihr Denken und Entscheiden ist geprägt von Ereignissen wie der globalen Finanzkrise und dem Technologieboom, der Dinge wie das Smartphone zum unverzichtbaren Bestandteil des täglichen Lebens gemacht hat.

Dieses Umdenken hat zur „Sharing Economy“ geführt, bei der physische Güter gegen eine Gebühr auf mehrere Nutzer verteilt werden. Das Internet und die Verbreitung von Daten hat es einfacher gemacht, nicht ausgelastete Ressourcen gemeinsam zu nutzen, ihre Kosten auf viele Benutzer zu verteilen und die physischen Ressourcen effektiv in einen Dienst zu verwandeln. Ein bemerkenswertes Beispiel ist die Aufteilung von Eigentum und Mieten via Airbnb. Millennials tendieren zum Modell des Teilens und verzichten manchmal auf den Besitz von jenen Dingen, die ihre Eltern und Großeltern mit dem amerikanischen Traum gleichgesetzt haben. Autos sind nur das jüngste Beispiel, die von der „nownership“-Bewegung (also „No“ und „Ownership“, etwa „kein Besitz“) betroffen sind – und Autohersteller reagieren darauf mit Abonnement-Modellen.

Diese Abonnements sind vergleichbar mit einem Leasingvertrag, da das Fahrzeug nicht dem Fahrer selber gehört, sondern jener Firma, die das Fahrzeug anbietet. Im Gegensatz zu einem Mietvertrag können Abonnements jedoch ohne oder mit geringen Kosten gekündigt werden. Die Zahlungen erfolgen von Monat zu Monat, und die Pläne beinhalten auch Versicherung, Garantie, Wartung und eine bestimmte Anzahl von Kilometern, die zurückgelegt werden können. Viele Dienste erlauben es dem Fahrer auch, Autos via einer App zu tauschen.

Eine Reihe von Startups in Städten wie San Francisco bieten diesen Service an, und auch die Hersteller machen mit. Fords „Canvas“-Service im Süden Kaliforniens beginnt bei etwa 400 Dollar im Monat, und teurere Angebote wie der Service von BMW, der in Nashville, Tennessee, zu testen beginnt, beginnen bei 2.000 Dollar im Monat.

Riesenerfolg oder Experiment?

Für die Endkunden, die ein neues Auto brauchen, bieten Abonnement-Services eine bequeme und flexible Möglichkeit, Zugang zu einem Fahrzeug zu erhalten. Aber was ist mit der Automobilindustrie?

Die Ideen sind noch recht frisch, die Hersteller haben erst im letzten Jahr mit dem Testen begonnen. Es ist schwer zu sagen, wie sich das alles auf die Automobilhersteller auswirken wird, und die Berichte der letzten Zeit haben noch keine Auswirkungen gezeigt. In der Automobilindustrie ist die Zahl der verkauften Autos zwar mehr als wichtig, dennoch eine sehr volatile Kennzahl. Schwankungen in den verkauften Fahrzeugen können die Aktienkurse in die Höhe schnellen oder abstürzen lassen, so dass die Generierung von wiederkehrenden Einnahmen aus Abonnements einen großen Beitrag zur Glättung der Geschäftsergebnisse leisten könnte. Ein ähnliches Modell – Software as a Service (SaaS) – hat im Laufe der Jahre vielen Technologieunternehmen geholfen, ihr Geschäft zu stabileren und außerdem zu berechenbareren Umsätzen geführt.

Die Auto-Abo-Dienstleistungen sind allesamt zwar erst im letzten Jahr ausgestoßen worden, aber es sieht so aus, als würde Ford die Nase vorn haben. Die begannen in San Francisco, expandierten aber schnell nach Los Angeles. Der Service wird auch recht konkurrenzfähig bepreist – es geht los bei etwa 400 Dollar im Monat. Bei anderen Anbietern ist man schnell bei über 1.000 Dollar. Ich danke, dass Ford Canvas zuerst auf den Massenmarkt kommt.

Allerdings ist es noch zu früh, um zu sagen, wie viele Leute sich letztlich für Abonnements anmelden werden und wie sich dies auf die Zahlen der Automobilhersteller auswirken wird – und damit natürlich auch auf die Aktionäre. Ford Canvas und andere ähnliche Angebote sind derzeit noch nichts anderes als ein Experiment. Die Verbrauchertrends ändern sich jedoch. Jüngere Zielgruppen sind es gewohnt, im Austausch für Flexibilität monatlich zu zahlen, und die Automobilhersteller könnten von einer stabilen Einnahmequelle profitieren.

Am Ende wird es wohl um eine Vereinbarung dieser Ziele gehen, und die Anleger könnten davon profitieren. Wenn Abos zu einem entwicklungsfähigen Geschäft werden, könnten sie dabei helfen, die Aktienperformance zu glätten und weg von monatlichen Absatzzielen zu kommen. An diese Stelle könnten Kennzahlen stehen, die die Anzahl der Abonnenten und stabile wiederkehrende Umsatzzahlen messen und die Automobilhersteller in Technologieunternehmen umwandeln, anstatt nach wie vor eine rein produzierende Branche zu sein. Ich wette, dass wir solche Angebote auch bald in weiteren Bereichen sehen werden.

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The Motley Fool empfiehlt Aktien von BMW und Ford. Dieser Artikel von Nicholas Rossolillo erschien am 17.4.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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