Es wird eng im Bayern-Mittelfeld

Maximilian Lotz, Lukas von Hoyer, Stefan Kumberger

Nach der Transferphase im Winter ist vor dem Transferfenster im Sommer.

Vor dem Start einer neuen Saison wird es auf dem Transfermarkt traditionell besonders hitzig, schließlich wollen sich die Klubs eine schlagkräftige Mannschaft zusammenstellen.


Spieler, die den Ansprüchen nicht gerecht wurden, müssen dann fürchten, aussortiert zu werden. Beim FC Bayern könnte dies Corentin Tolisso treffen. Die Bild berichtete zuletzt, dass derzeit vieles auf eine Trennung im Sommer hindeute.

Der Konkurrenzkampf in der prominent besetzten Bayern-Zentrale ist ohnehin schon groß - und könnte im Sommer bei einer möglichen Verpflichtung von Kai Havertz weiter zunehmen.

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Droht den Bayern ein großer Umbruch im Mittelfeld? SPORT1 analysiert, welche Stars gehalten werden sollten und für wen es eng werden könnte.

Corentin Tolisso (Vertrag bis 2022)

Die Zukunft von Tolisso dürfte vor allem eine Frage des Preises sein.

Das Potenzial des 25-Jährigen ist offensichtlich, allerdings konnte er es in München zu selten abrufen. Beflügelt vom WM-Triumph wollte der Franzose 2018 eigentlich durchstarten, doch ein Kreuzbandriss im September stoppte ihn. Seither ist Tolisso auf der Suche nach seiner Unbeschwertheit und seiner Form.

In der laufenden Saison stand er nur in 13 Pflichtspielen in der Startelf, unter Hansi Flick nur fünf Mal. Mit 33,4 km/h (Quelle: Opta) ist der Franzose im Mittelfeld trotzdem der Bayern-Star mit dem höchsten Top-Speed, auch seine Passquote von 87 Prozent in der gegnerischen Hälfte ist Topwert.


SPORT1-Einschätzung: Die Münchner wissen um Tolissos Klasse und wollen ihn sicherlich nicht verscherbeln. Ein Angebot ab 30 Millionen Euro werden sich die Verantwortlichen an der Säbener Straße wohl anhören, ein geringeres eher nicht.

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Leon Goretzka (Vertrag bis 2022)

Der 25-Jährige stieg verletzungsbedingt erst im Laufe der Hinrunde wieder voll ein und wurde vor allem unter Flick immer wichtiger.

Zwar hat seine Zweikampfquote abgenommen (von 52 auf 40 Prozent), dafür glänzt er mehr als Spielmacher, was an seiner deutlich offensiveren Ausrichtung als Achter liegt. Vergingen im Vorjahr noch 181 Minuten je Torbeteiligung, sind es aktuell nur 129. Alle 206 Minuten bereitet Goretzka ein Tor vor, in der Vorsaison brauchte er dafür doppelt so lang (453 Minuten pro Assist).


SPORT1-Einschätzung: Er spielte zuletzt mit einer Wucht, die ihm Vergleiche mit Michael Ballack einbrachten. Daher soll Goretzka an der Säbener Straße ein Mann der Zukunft und ein Gesicht des Klubs werden. Sein Vertrag läuft derzeit bis 2022, die Verantwortlichen werden sich wohl schon bald mit ihm zusammensetzen, um über eine Verlängerung zu sprechen.

Joshua Kimmich (Vertrag bis 2023)

Durch seine Versetzung ins zentrale defensive Mittelfeld ist Kimmich immer mehr in die Rolle eines Führungsspielers geschlüpft. Der 25-Jährige ist Lautsprecher und Leistungsträger gleichermaßen.

Von allen Mittelfeldspielern ist Kimmich der Dauerbrenner, bestritt 30 Pflichtspiele (zusammen mit Thomas Müller die meisten) und verpasste dabei kaum eine Minute: In 93 Prozent der Pflichtspielminuten stand Kimmich auf dem Rasen - mit Abstand der Topwert im Bayern-Mittelfeld.


SPORT1-Einschätzung: Kimmich gilt als möglicher Kapitän der Zukunft und soll neben Goretzka und Niklas Süle bei den Bayern auch in den kommenden Jahren vorangehen.

Thiago (Vertrag bis 2021)

Vor allem seit Rückrundenstart präsentiert sich der spanische Taktgeber in starker Verfassung, beim 0:0 gegen RB Leipzig riss allerdings seine Serie von zuvor drei Toren in drei Spielen.

Thiagos Passgenauigkeit von 87 Prozent in der gegnerischen Hälfte übertrifft keiner im Bayern-Mittelfeld, ebenso seine Dribblingquote von 85 Prozent. Auch wenn dem 28-Jährigen in großen Spielen ein Hang zum Abtauchen nachgesagt wird, ist ihm mangelnder Einsatz nicht anzukreiden. Seine sehr gute Zweikampfquote von 60 Prozent ist sogar besser als Kimmichs (56 Prozent).

Auch wegen seiner Vertragslaufzeit bis 2021 steht Thiago auf dem Prüfstand. Offenbar sollen die derzeit ruhenden Gespräche über eine Verlängerung nicht vor dem Champions-League-Rückspiel gegen den FC Chelsea (18. März) wieder aufgenommen werden. Das berichtete zuletzt die Sport Bild.


SPORT1-Einschätzung: Auch wenn ihm der Mythos eines Schönspielers nachhängt, werden die Bayern wissen, dass sie einen Techniker wie ihn im Sommer nicht verschenken können.

Javi Martínez (Vertrag bis 2021)

Aktuell setzt ein Muskelbündelriss den 31-Jährigen außer Gefecht. Martínez' Verletzungsanfälligkeit ist nicht erst seit dieser Saison ein Thema. Seine Schnelligkeitsdefizite kommen hinzu.

Zwar ist die Zweikampfquote des Spaniers mit 70 Prozent in der laufenden Saison top, allerdings verpasste er auch gut zwei Drittel der Pflichtspielminuten. Zugute kommt Martínez, dass er auch in der Innenverteidigung aushelfen kann.

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SPORT1-Einschätzung: Ähnlich wie bei Arjen Robben und Franck Ribéry könnte ihm als verdientem Spieler noch eine einmalige Vertragsverlängerung winken. Allerdings gab es bereits im vergangenen Sommer Gerüchte um eine Rückkehr zu Athletic Bilbao. Ggut möglich, dass Martínez nun im Sommer den Bayern den Rücken kehrt.

Thomas Müller (Vertrag bis 2021)

Im Herbst grübelte Müller auch wegen geringer Einsatzzeiten über seine Zukunft, doch die Wechselgedanken sind längst vergessen - auch, weil Müller unter Flick wieder aufblühte.

Neun Tore und 14 Assists machen zusammen 23 Torbeteiligungen: Alle 79 Minuten ist Müller an einem Bayern-Treffer direkt beteiligt. Das sind mit Abstand die besten Werte im Bayern-Mittelfeld.


SPORT1-Einschätzung: Müller ist nicht wegzudenken, als Ur-Bayer und Identifikationsfigur auf und neben dem Platz schon gar nicht. Der gutdotierte Vertrag (schätzungsweise 15 Millionen Euro Jahresgehalt) läuft noch bis 2021, die Bayern werden dennoch alles dransetzen, das Arbeitspapier zu verlängern.

Philippe Coutinho (Leihe bis 2020)

Keiner seiner Mittelfeldkollegen schießt häufiger aufs gegnerische Tor, alle 22 Minuten probiert es der 27-Jährige - der Ertrag ist mit sieben Treffern indes überschaubar.

Alle 112 Minuten ist Coutinho an einem Bayern-Tor beteiligt, nur Müller ist in dieser Hinsicht besser. Allerdings pendelt der Brasilianer weiterhin häufig zwischen Ersatzbank und Stammelf, einzig im Pokal gegen die TSG Hoffenheim (4:3) durfte Coutinho in diesem Jahr über die vollen 90 Minuten ran.


Noch bis Saisonende ist Coutinho vom FC Barcelona ausgeliehen. Die Bayern besitzen eine Kaufoption in Höhe von 120 Millionen Euro. Aber selbst wenn diese laut Sport Bild zuletzt auf 80 Millionen Euro gesenkt wurde, ist noch offen, ob die Bayern von der Option Gebrauch machen werden.

SPORT1-Einschätzung: Die hohen Erwartungen konnte Coutinho bislang nicht erfüllen. Als großer Leader trat er bislang bei den Bayern ebenfalls nicht in Erscheinung. Superstar hin oder her, aber so ist er der Mannschaft keine Hilfe. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht, daher dürften die Bayern nach aktuellem Stand der Dinge auf eine feste Verpflichtung verzichten.