Söldner statt Soldaten: Weißes Haus überlegt, US-Einsatz in Afghanistan zu privatisieren

US-Militärs könnten im Afghanistan-Krieg vielleicht bald schon von Privattruppen abgelöst werden. (Bild: AP Photo/Massoud Hossaini)

Über einen umstrittenen Schachzug im Afghanistan-Krieg berät derzeit das Weiße Haus in Washington. Für den nicht enden wollenden US-Einsatz in dem Krisenland sollen private Truppen – sogenannte „Contractors“ – engagiert werden.

Wie Erik Prince, Gründer der Security-Firma Blackwater, gegenüber „USA Today“ bestätigte, besteht eine Diskussion über den Vorschlag, 5.500 Privatkräfte anzuheuern, von denen viele zuvor in Spezialeinheiten gedient hatte. Diese Söldner-Armee solle auch eine komplett privat geführte Luftwaffe mit einer Flotte von rund 90 Flugzeugen beinhalten.

Präsident Trump zeigt sich vom US-Einsatz in Afghanistan zunehmend enttäuscht. Die USA entsenden derzeit rund 8.400 Soldaten, die afghanische Milizen ausbilden und beraten. Das US-Militär ist nicht direkt in die Kämpfe involviert.

Seit längerer Zeit herrscht im Krieg gegen die Taliban Stillstand, rund sechzehn Jahre dauert der Krieg bereits an. „Ab wann sagt man, dass ein konventioneller Militäreinsatz in Afghanistan nicht funktioniert?“, fragt der Chef der Security-Firma, selbst ein ehemaliger Navy SEAL, und fügt hinzu: „Vielleicht kann man das nach sechzehn Jahren schon sagen.“

Bedenken gegenüber des Einsatzes von Söldnern anstelle von Soldaten äußerten Trumps Sicherheitsberater H. R. McMaster und Verteidigungsminister James N. Mattis. Stephen Bannon hingegen, der Chefstratege des Präsidenten, zeigt sich der Privatisierung des Afghanistan-Einsatzes gegenüber offen.

Der Einsatz von Privatkräften würde dem Weißen Haus einiges an Kosten sparen. Die „Contractors“ würden die US-Regierung rund 10 Milliarden Dollar (etwa 11,7 Milliarden Euro) im Jahr kosten – weitaus weniger als die 40 Milliarden, die das Pentagon für dieses Jahr für den konventionellen Militäreinsatz budgetierte. Wie „USA Today“ argumentiert, könnte gerade diese Kostenersparnis Gefallen beim Geschäftsmann Trump finden.

Präsident Trump könnte sich vor allem wegen der Kostenersparnis von Princes Plan überzeugen lassen. (Bild: AP Photo/Alex Brandon)

Der Plan von Prince sieht vor, dass Privatberater direkt mit den afghanischen Kampftruppen im ganzen Land zusammenarbeiten. Die Luftflotte solle dabei für medizinische Evakuierungen, Feuerschutz und Truppentransport genutzt werden. Die „Contractors“ sollen „Gehilfen“ des afghanischen Militärs sein und deren Uniformen tragen. Piloteneinsätze sollen nur in Absprache und mit Genehmigung der afghanischen Regierung stattfinden. Während die US-Truppen derzeit nicht in afghanische Kampftruppen integriert sind, soll sich das mit Privatsöldnern ändern. In rund 90 Kampfbataillonen sollen die Privatkräfte in Einsatz kommen.

Prince soll sich bereits mehrmals mit Mitgliedern der Trump-Admistration getroffen haben, um den Vorschlag zu diskutieren. Der „Blackwater“-Gründer ist der Bruder von Trumps Bildungsministerin Betsy DeVos.

Bereits im Irak-Krieg wurden „Contractors“ der Firma Blackwater eingesetzt. Der Einsatz von Privatfirmen wurde vielerorts als „Geschäft mit dem Krieg“ kritisiert. 2007 sollen Mitarbeiter der Firma 12 irakische Zivilisten ermordet haben. Einer der Angeklagten musste wegen Mordes lebenslang ins Gefängnis, drei weitere wurden wegen Totschlags zu 30 Jahren Haft verurteilt. 2017 wurden diese Urteile aufgehoben, die „unverhältnismäßigen“ Strafmaße sollen neu festgelegt werden.

Seitens des Weißen Hauses gibt es zum Privatisierungsvorschlag im Afghanistan-Krieg bis dato keinen offiziellen Kommentar.