Solarworld: US-Tochter verkauft - neue Hoffnung?

Martin Mrowka
1 / 1
Solarworld: US-Tochter verkauft - neue Hoffnung?

Seit Ende März ist Deutschlands Solar-Pionier Solarworld erneut insolvent. Nun konnte immerhin der angestrebte Verkauf der US-Tochter Solarworld Americas abgeschlossen werden. Das belebt den Pennystock zu Wochenanfang zwar ein wenig. Doch die Hoffnung auf eine nachhaltige Wiedergeburt des Solar-Unternehmens ist klein.

Wie seit Monaten beabsichtigt, hat der amerikanische Solarzellen-Hersteller SunPower nun die Solarworld Americas komplett übernommen und steigt damit zum Marktführer in den USA auf. "Im Einklang mit der Absicht, den US-amerikanischen Hochtechnologie-Fertigungssektor zu revitalisieren, plant SunPower (NASDAQ: SPWR) frisches Kapital in die Solarworld Americas-Anlage einzubringen und hochmoderne, hocheffiziente Panels der P-Serie zu implementieren", heißt es in einer Mitteilung.

US-Geschäft läuft auch nicht blendend

Der Kaufpreis für die Solarworld-Tochter, der wichtigste verbliebene Vermögenswert, wurde nicht bekannt gegeben. Als realistisch gilt in Finanzkreisen aber, dass der Solarworld-Insolvenzverwalter mit dem Verkauf einen zweistelligen Millionenbetrag erlösen konnte. 

SunPower plant, die Aktivitäten von Solarworld Americas auszubauen, um von der starken Marktnachfrage in den USA zu profitieren. Das Unternehmen wird in Fabrikverbesserungen investieren und das Betriebskapital erhöhen, während ein Teil der Anlage zur Produktion von Solarpaneelen der P-Serie nachgerüstet wird, darüber hinaus weiterhin die Altprodukte von SolarWorld Americas produzieren und versenden.

Seit rund sieben Jahren gehört SunPower mehrheitlich zum französischen Ölkonzern Total, der mit dem Photovoltaik-Konzern seine Ökobilanz aufhübschen möchte. Richtig erfolgreich läuft das Geschäft der Amerikaner aber nicht. Die Franzosen haben zwischen 2012 und 2017 gut 1,8 Milliarden Dollar zugeschossen.

Deutschland-Geschäft leidet weiterhin unter Billig-Importen

Hierzulande leidet Solarworld weiterhin unter den extrem niedrigen Preisen der chinesischen Konkurrenz für Solarmodule. Solarworld und der Verband europäischer Solar-Hersteller EU ProSun sprechen von "staatlich gefördertem Preisdumping". Zwar gelten EU-weit Mindestpreise. Sie würden aber bei mehr als der Hälfte der Importe unterlaufen, sagte ein EU ProSun-Sprecher. Zudem plane die EU, die Anti-Dumpingmaßnahmen im September auslaufen zu lassen. „Das Antidumping-Instrumentarium der EU ist löchrig wie ein Schweizer Käse. Es fehlen Kontrollen und es fehlt der politische Wille“, kritisierte der Sprecher.

Zwar hat der insolvente Solarzellen-Hersteller seine Produktion in den Werken Arnstadt und Freiberg kürzlich wieder aufgenommen. Noch im April solle mit der Belieferung von Solarworld-Kunden in Frankreich, Kuwait, Japan, Sri Lanka und in Deutschland begonnen werden. Der größte Einzelauftrag komme aus Kuwait, wohin Solarworld 14.000 Solarstrommodule liefern soll. Doch längerfristig wird das wohl kaum ausreichen, das Unternehmen auf stabile Beine zu stellen.

Die Solarworld-Aktie zuckte am Morgen auf 0,40 Euro nach oben und hat sich dank Zocker-Investments von seinem Kursschock nach der zweiten Insolvenz auf unter 0,30 Euro wieder erholt. Doch für eine nachhaltige Trendwende nach oben bedarf es einer Stabilisierung des Geschäfts. Und davon ist derzeit nicht wirklich etwas zu erkennen.