Das Solardach von Tesla ist da — aber kann es auch das Solargeschäft von Tesla retten?

Motley Fool Investmentanalyst

Fast zwei Jahre nach der Ankündigung des Solardaches hat Tesla (WKN:A1CX3T) damit begonnen, das Produkt bei den Verbrauchern zu installieren. Es ist eine bemerkenswerte Leistung, denn das Solardach ist die erste große Designänderung für Aufdachanlagen seit Jahrzehnten und könnte die gleiche Art von Kunden begeistern, die sich in die Elektrofahrzeuge von Tesla verliebt haben.

Etwas frischer Wind könnte für das Solargeschäft von Tesla nötig sein, das seit der Übernahme von SolarCity rückläufig ist. Im vierten Quartal 2017 ging die Kapazität der installierten Anlagen um 57 % auf 87 Megawatt (MW) zurück und das Unternehmen verlor seine Marktanteilsposition als Nummer 1 im US-Solarbereich. Teslas Hoffnung ist, dass das Solardach das Steuer herum reißen wird, aber das ist leichter gesagt als getan.

Was ist so toll an dem Solardach?

Das Solardach ist einzigartig unter den Solarprodukten für Privathaushalte, weil es die Tatsache verschleiert, dass es überhaupt eine Solaranlage ist. Die Solarzelle wird in einen Glasziegel eingebettet, der dann wie ein herkömmlicher Ziegel auf dem Dach installiert wird. Wenn du nicht weißt, dass es sich um ein Solardach handelt, wirst du auch die eingebaute Solaranlage nicht erkennen.

Tesla hofft, Kunden zu begeistern, die bereit sind, viel für das Solardach zu zahlen, von denen einige die gleichen Kunden sein werden, die ein Model S oder ein anderes Elektrofahrzeug kaufen. Wenn alles gut geht, lassen die Kunden sogar eine Powerwall in ihre Solaranlage einbauen.

Das Solardach kostet was?

Vom Solardach fasziniert zu sein, ist eine Sache, aber sich eines leisten zu können, ist etwas ganz anderes. Electrek meldet, dass eine der ersten Solardachinstallationen in San Jose, Kalifornien, einen Kunden für eine 9,85-kW-Solaranlage und drei Powerwalls „rund 100.000 US-Dollar“ gekostet hat. Zum Vergleich: Eine typische Solaranlage gleicher Größe würde nach Angaben von EnergySage vor Steueranreizen etwa 31.000 US-Dollar kosten. Techsport meldet, dass ein zweiter Solardachkunde sagte, dass seine Solardachkosten im Bereich von 50.000 US-Dollar nach Steueranreizen lagen.

Der Preis für Teslas Solardach kann für die Kunden schwer zu akzeptieren sein. EnergySage sagt voraus, dass der typische Besitzer eines 3.000 Quadratfuß großen Hauses in Kalifornien 50.900 US-Dollar für ein Solardach zahlen würde, verglichen mit 26.030 US-Dollar für eine traditionelle Solaranlage. Erschwerend kommt hinzu, dass die traditionelle Solaranlage pro Jahr 13.000 Kilowattstunden (kWh) erzeugt, das Solardach aber nur 10.000 kWh, weil es weniger Solarzellen auf das gleiche Dach packt.

Wirtschaftlich gesehen hat das Solardach nie viel Sinn gemacht. Aber die Kunden könnten bereit sein, eine Prämie für ein besser aussehendes Solardach zu zahlen. Zumindest hofft Tesla das.

Der potenzielle Markt für das Solardach

Angesichts des neuen Designs des Solardaches und seines Preises ist es schwierig, das Marktpotenzial abzuschätzen. Aber wenn wir das Premiumprodukt von SunPower (WKN:A1JNM7) als Maßstab verwenden, können wir abschätzen, wie der potenzielle Markt aussehen könnte. EnergySage meldet, dass der Preisaufschlag von SunPower im Jahr 2017 24,6 % über dem der billigsten Kombination aus Solarmodul und Wechselrichter lag. Eine vollständige SunPower-Installation würde etwa 10 % mehr betragen, wenn man bedenkt, dass die Technik etwa ein Drittel der Kosten einer Solaranlage für Privathaushalte ausmacht, also ist es kein perfekter Vergleich zum 100-prozentigen Aufschlag von Tesla, aber es ist der beste Vergleich, den wir haben.

Im Jahr 2017 verkaufte SunPower 291 Megawatt (MW) hocheffiziente Solarmodule im weltweiten Solarmarkt. Das Unternehmen gibt nicht gesondert an, wohin die Panele verkauft werden, aber wenn wir davon ausgehen, dass die Hälfte den US-Markt (145,5 MW) betrifft, können wir ein Gefühl dafür bekommen, wie viele Kunden ein Premiumprodukt kaufen werden. Die geschätzten 145,5 MW der US-Solaranlagen von SunPower sind etwa 6,5 % der 2.227 MW, die 2017 auf amerikanischen Dächern installiert wurden, ein kleiner, aber beträchtlicher Teil des Marktes.

Angesichts des Bekanntheitsgrades von Tesla und der etablierten Fangemeinde wäre ich nicht überrascht, wenn Tesla Solardächer mit einer Gesamtkapazität von 100 MW pro Jahr verkaufen könnte, was fast dem Premium-Solargeschäft von SunPower entspricht. Das könnte ein großes Geschäft für das Unternehmen werden. Wenn wir die geschätzten Solardachkosten von EnergySage von 8,14 US-Dollar pro Watt verwenden, erhalten wir ein Marktpotenzial von 814 Millionen US-Dollar für das Solardach. Das ist wahrscheinlich eine High-End-Schätzung des Super-Premium-Solarmarktes, aber ich würde nicht ausschließen, dass Tesla ein innovatives Produkt dieser Art an High-End-Konsumenten verkaufen kann.

Die nächsten Fragen zu Teslas Solardach

Aber die nächste große Unsicherheit, mit der Tesla konfrontiert ist, betrifft die Frage, ob Tesla Solardachziegel in einer entsprechend hohen Stückzahl produzieren und letztendlich einen Gewinn damit erzielen kann. Teslas Fertigung steht noch nicht und weist bereits monatelange Verzögerungen auf. Vor acht Monaten erfuhren wir, dass Tesla-Führungskräfte Solardächer installieren ließen, und das Unternehmen gab an, dass es das Produkt schon einige Monate später ausliefern würde. Könnte es zu Verzögerungen bei der Herstellung kommen und wird das die Herstellung des Produkts unerschwinglich machen?

Tesla kann sich kein anderes Produkt als Geldverbrenner leisten, sodass die Investoren sehen wollen, dass das Solardach in den kommenden Quartalen sowohl ein entsprechendes Volumen verkauft als auch einen positiven Cashflow generiert. Wenn nicht, wird dies ein weiteres Beispiel dafür sein, dass der Kauf von SolarCity und der Umgang mit einem komplexen neuen Solarprodukt eine unnötige Ablenkung für Tesla war.

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Dieser Artikel wurde von Travis Hoium auf Englisch verfasst und am 11.04.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Tesla.

Motley Fool Deutschland 2018