Sohn des Netto-Gründers spendet eine Viertelmillion Euro an die Grünen — er ist nicht der einzige ungewöhnliche Großspender

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Die Bundesvorsitzenden der Grünen: Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und Robert Habeck
Die Bundesvorsitzenden der Grünen: Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und Robert Habeck

Frisches Geld für die Grünen: Die Partei erhält kurz vor der Bundestagswahl Ende September zwei weitere Großspenden. So überwies der niederländische Technologieunternehmer Steven Schuurman 1,25 Millionen Euro – die höchste Einzelspende in der Geschichte der Partei. Immobilienunternehmer Sebastian Schels, Sohn des Netto-Gründers Rudolf Schels, überwies 250.000 Euro, wie das "Handelsblatt" am Dienstag berichtete.

Wer sind die Spender, die den Grünen einen warmen Geldregen bescheren?

Sebastian Schels, so schreibt es das "Handelsblatt", stammt aus einer traditionsreichen Unternehmerfamilie, sein Vater gründete einst den Lebensmitteldiscounter Netto. Sein Sohn ist geschäftsführender Gesellschafter der Firma "Ratisbona", die auf Handelsimmobilien spezialisiert ist. Laut der firmeneigenen Webseite ist Schels Diplom-Kaufmann und "verfügt über 14 Jahre Erfahrung in der Immobilienprojektentwicklung".

"Umweltfolgekosten auf künftige Generationen"

Dem "Handelsblatt" sagte der 40-Jährige, die Spende sei seine "erste Parteispende überhaupt". Schels spricht von der "Klimakatastrophe" statt vom "Klimawandel" und sagte der Zeitung: „Wir haben eine Menschheitsaufgabe vor uns, eine, die wir endlich angehen müssen.“ In der heutigen Art zu leben und zu wirtschaften sehe er als eine "Hypothek für die Zukunft". Heute sozialisierten wir "die Umweltfolgekosten auf künftige Generationen", so Schels zum "Handelsblatt".

Der Immobilienunternehmer sagte dem "Handelsblatt": "Ich bin in erster Linie Mensch, in zweiter Linie Unternehmer, in dritter Linie Immobilienunternehmer." Wenn ihn später einmal seine Kinder und Enkelkinder fragten, was er in den 2020er Jahren getan habe, "dann möchte ich ihnen eine Antwort geben können, auf die ich stolz sein kann", so Schels. Es sei profitabler, die Natur zu erhalten, als sie zu zerstören.

Der Niederländer Schuurman, 1975 geboren, ist Mitgründer und ehemaliger Chef von Elastic, einem Unternehmen für Datensuche und Analyse. Zudem ist er Medienunternehmer. Laut "Forbes" beläuft sich sein Vermögen auf knapp zwei Milliarden Dollar.

"Der Klimawandel kennt keine Grenzen"

Dem "Handelsblatt" sagte Schuurman: "Die Erde und damit wir Menschen stehen wegen der Klimakrise enorm unter Druck." Er sei Technologie-Unternehmer, vor allem aber sei er Mensch und besorgt darüber, was der Klimawandel bereits heute anrichte. Auf die Frage, warum er als Niederländer die deutschen Grünen unterstütze, sagte Schuurman: "Der Klimawandel kennt keine Grenzen." In Deutschland hätten "allein die Grünen erkannt, dass schnell gehandelt werden muss, auch, um unseren Wohlstand zu erhalten und die Wirtschaft bei der Transformation zu begleiten". Das wolle er unterstützen. Die 1,25 Millionen Euro stammten von seinem privaten Bankkonto und seien an keinerlei Bedingungen geknüpft, so Schuurman zum "Handelsblatt".

Die Partei erhielt bereits im April dieses Jahres eine Parteispende in Höhe von einer Million Euro. Der Spender war ein Parteimitglied aus Greifswald, der das Geld eigenen Angaben zufolge mit Bitcoins verdient habe. Der selbstständige Software-Entwickler blicke inzwischen kritisch auf das Bitcoin-System, so eine Sprecherin der Partei, weshalb der Spender seinen Gewinn aus diesem System gesellschaftlich einsetzen wolle, insbesondere um den politisch gesteuerten Umwelt- und Klimaschutz zu unterstützen.

Und im Februar, zwei Monate vor der Millionen-Spende, hatten die Grünen eine Einzelspende von 500.000 Euro erhalten. Das berichtete zuerst das Magazin "Spiegel". Der Spender war Antonis Schwarz, Millionenerbe des Pharma-Konzerns Schwarz, mit griechischen Wurzeln. Antonis Schwarz wuchs in einer begüterten Familie in München auf, wo er eine europäische Schule besuchte. Seine Mutter war Griechin, sein Vater gehörte zum Schwarz-Zweig der Familie, die nach dem zweiten Weltkrieg einen Pharmabetrieb im Odenwald gründeten. Der Sohn spricht fließend griechisch.

Antonis Urgroßvater und sein Großonkel, etwas später auch sein eigener Großvater, gründeten die Firma Schwarz Pharma AG, die zu den 80 größten deutschen Aktiengesellschaften zählte, 4.200 Mitarbeiter – davon 1.200 in Deutschland – beschäftigte und im Börsenindex MDax notiert war. 2006 verkaufte die Familie Schwarz ihre Arzneimittelfirma für rund 4,4 Milliarden Euro an den belgischen Konkurrenten UCB.

10.000 Euro als Bonus für jeden Mitarbeiter

Für Aufsehen sorgte bei diesem Deal allerdings nicht nur die Höhe, sondern das Geschenk an die Mitarbeiter – 10.000 Euro gab es damals für jeden, außer dem Vorstand, berichtete das "Handelsblatt". Mit dem Geld sollte wohl auch der anstehende Verkauf abgemildert werden, sowie der Wegfall von Stellen. „Als familiengeprägtes Unternehmen fühlen wir uns den Mitarbeitern verpflichtet“, begründete der Sohn und damals noch amtierende Schwarz-Pharma-Chef Patrick Schwarz-Schütte das Geldgeschenk gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Insgesamt kostete die Familie Schwarz der Bonus 42 Millionen Euro.

Antonis Schwarz selbst erbte, als er 18 Jahre war: „Ich bin erst mal an die Uni und hab’ das Geld nicht angerührt, das war für mich tabu“, erzählt er der "Wirtschaftswoche". Er studierte European Studies am Londoner King's College und Management in Madrid, bevor er 2013 nach Athen zog.

Konzernkarriere kam für Schwarz nie in Frage

Studieren sei „schön und gut“, sagte er der "Wirtschaftswoche", aber irgendwann müsse man halt „auch rausgehen und die Welt ein bisschen umkrempeln“. Ins Grübeln war der Erbe schon während seines Studiums gekommen, „politisiert durch die Apathie meiner Kommilitonen“, denen es nicht um Verantwortung und Zukunft, sondern um ihre Jobs und Karriere gegangen sei. Alle wollten nur „bei Goldman Sachs landen“ und Boni kassieren: „Mir wurde klar, dass eine Konzernkarriere nichts für mich ist.“, so Schwarz in der Wirtschaftswoche.

Statt dessen zog es ihn ins soziale Umfeld. Nach einem Praktikum bei Ashoka, einem Netz von Unternehmern, die gemeinnützige Firmen und Projekte fördern, gründete er 2014 in Athen mit anderen Spendern das Onlineportal Vouliwatch, das ähnlich wie das deutsche Portal abgeordnetenwatch.de funktioniert und für mehr Transparenz sorgen soll. Zum Beispiel sollen Wähler dadurch digital nachvollziehen können, von wem Parteien Spenden erhalten und welcher Abgeordnete für welches Gesetz gestimmt hat. Noch einen Schritt weiter ging Schwarz 2016 mit der Gründung der Guerilla Foundation, einem Seed-Fonds, mit dem er Aktivisten und soziale Bewegungen in Europa unterstützt, wie beispielsweise den Aktivisten Rob Greenfield.

Vermögen als "Wunderwaffe" um positiven Wandel voran zu treiben

"Als vermögender Mensch hat man die Möglichkeit, bestimmte Dinge in Bewegung zu setzen. Man hat so eine Art Wunderwaffe, die es einem ermöglicht, die Gesellschaft positiv zu gestalten. Und wenn man das in so kritischen Zeiten wie den heutigen nicht macht, dann ist das schon grob fahrlässig", begründete Antonis Schwarz gegenüber der "Deutschen Welle" den Schritt.

So geht er auch mit seinem eigenen Vermögen vor: Rund 30 Prozent seines Millionenvermögens soll er eigenen Aussagen zufolge in Impact Investing angelegt haben, also einer Anlagestrategie, Kritierien der Nachhaltigkeit, Ökologie und ethischen Standards folgt. Darunter fallen für Schwarz auch viele Unternehmen, die sich insbesondere in Entwicklungsländern für ökologischere Innovationen einsetzen oder Mikrokredite anbieten.

Laut seinem Profil auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn arbeitet Schwarz derzeit auch seit einigen Monaten als freiberuflicher Business Development Manager beim Start-up Curingshot, einem Unternehmen, das gesunde Ingwer- oder Kurkuma-Drinks in einem Online-Shop vertreibt. Und noch eines verrät Schwarz' Profil: Sein e Großspende war nicht das erste Mal, dass er sich für die Grünen engagierte. Bereits im September 2019 hatte er die Partei dabei unterstützt, Großspenden zu sammeln. Dabei ging es konkret um die Kampagne der damaligen Bürgermeister-Kandidatin in München, Katrin Habenschaden. Mit Erfolg, Habenschaden wurde Vize-Bürgermeisterin der bayerischen Landeshauptstadt.

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