Der Sohn von Martin Winterkorn lehnte ein Angebot von Apple ab, um die neue Wunderbatterie für Volkswagen zu entwickeln

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Vater Martin Winterkorn
Vater Martin Winterkorn

Der Name Martin Winterkorn steht für die alte Auto-Welt. Fast zehn Jahre lang führte der Manager den Volkswagen-Konzern im Stile eines Patriarchen. Er machte die Wolfsburger zum größten Fahrzeughersteller der Welt und kassierte die höchsten Bonuszahlungen der Republik. Er stürzte den großen Ferdinand Piëch und stürzte selbst über den Dieselskandal. Das Ende einer Ära.

Nun steht der Name Martin Winterkorn für die neue Elektroauto-Welt. Ein junger Ausnahme-Mathematiker, der ein Jobangebot von Apple ablehnt, um besessen an der perfekten Batterie zu forschen. Vieles deutet schon heute darauf hin, dass Martin Winterkorn junior die Automobilbranche der Zukunft prägen wird.

Mit Mitte 20 ist er bereits Teil von etwas ganz Großem. So groß, dass es Volkswagen im Rennen gegen Tesla und Co. den entscheidenden Vorteil verschaffen könnte. Der Winterkorn-Spross gehört zu den Elite-Forschern des US-Unternehmens Quantumscape, das zu einem Drittel den Wolfsburgern gehört. Das Start-up präsentierte jüngst interne Testdaten zu einer neuen Festkörperbatterie, die bisherige Lithium-Ionen-Akkus in den Schatten stellt. Sie kann in unter 15 Minuten auf 80 Prozent der Kapazität aufgeladen werden. Sie funktioniert bei eisigen Temperaturen ohne Leistungsabfall, widersteht aber auch extremer Hitze, ohne Feuer zu fangen. Selbst Skeptiker sprechen von einem Durchbruch. Und Tesla-Chef Elon Musk? Wirkt verblüfft.

Dass Winterkorn junior an der Revolution der Elektromobilität beteiligt ist, blieb auch in Wolfsburg nicht verborgen. "Der Junge hat ein gewaltiges Potential", heißt es in der Konzernzentrale. Dennoch sei er ein ganz bodenständiger Typ. "Wenn er in der Schule in Ingolstadt gefragt wurde, was seine Eltern beruflich machen", erzählt ein Wegbegleiter, "dann antwortete er, dass sein Papa bei Audi arbeiten würde." Kein Wort davon, dass sein Vater der Vorstandsvorsitzende von Audi war.

Nach einem Einser-Abitur studierte Winterkorn junior zunächst in Göttingen unter anderem Mathematik, wechselte später an die Elite-Universität Stanford, wenige Kilometer vom Silicon Valley in Kalifornien entfernt. Hier studierten schon die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin, die Investor-Legende Peter Thiel oder auch der Golf-Star Tiger Woods. Und selbst in Stanford, wo Nobelpreisträger am Fließband geformt werden, galt Winterkorn junior als herausragend. "Der absolute Wahnsinn", sagt ein Bekannter des Vaters.

Kein Wunder also, dass der Deutsche das Interesse der ganz großen Firmen in Amerika geweckt hat. Doch selbst ein Angebot von Apple lehnte er ab, um bei Quantumscape, einer Gründung von ehemaligen Standfort-Wissenschaftlern, forschen zu können. "Martin ist so besessen von der Wissenschaft, dass er sich um zwei Uhr nachts den Wecker stellt, um dann im Reinraum seine Experimente ungestört durchführen zu können", erzählt ein Freund der Familie. Die Aussicht an einer bahnbrechenden Errungenschaft mitarbeiten zu können, treibe ihn an.

Wenn der heutige VW-Chef Herbert Diess nun ohne wenn und aber auf den Elektroantrieb wettet, dann muss er auch ein Stück weit auf den Sohn seines Vorgängers hoffen. Ohne Winterkorn und sein Quantumscape wird VW wohl auf Dauer Tesla hinterherfahren.

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