Die Gespräche über eine Beteiligung von Softbank an Swiss Re kommen voran: Die Japaner reklamieren mehrere Verwaltungsratssitze für sich.


Es wäre ein Milliardendeal, der die Branche verändern könnte – und er rückt immer näher. Denn der Flirt zwischen Softbank und dem weltgrößten Rückversicherer Swiss Re nimmt immer konkretere Formen an.

Nach Informationen der britischen „Financial Times“ werden bei den Gesprächen über eine Beteiligung an Swiss Re bereits Details verhandelt. Die Japaner würden mehrere Sitze im Verwaltungsrat von Swiss Re anstreben, um die Geschäftsentwicklung des Rückversicherers mitbestimmen zu können, so der Bericht vom Montag.

Im Gespräch ist dabei eine Beteiligung des japanischen Telekom- und Technologiekonzerns von bis zu 30 Prozent. Wie die Zeitung schreibt, sollen sich Softbank-Gründer und CEO Masayoshi Son und Swiss-Re-Verwaltungsratspräsident Walter Kielholz bereits in den kommenden Wochen zu weiteren Gesprächen treffen, um den Deal abzuschließen.

Die Swiss Re hatte Anfang Februar offiziell Gespräche mit dem japanischen Telekom- und Medienkonzern über den Kauf einer Minderheitsbeteiligung bestätigt. Der Swiss Re zufolge sei es jedoch noch offen, ob es zu einer Einigung kommt. Zudem gebe es keine Gewissheit über die Konditionen, den Zeitplan oder die Form einer solchen Transaktion.

Doch inzwischen sind die Verhandlungen so weit gediehen, dass bereits über die Sitze im Verwaltungsrat der Schweizer gesprochen wird. Ein Einstieg der Japaner wäre ein Milliardendeal. Bei einem Marktwert von 32,7 Milliarden Schweizer Franken (umgerechnet 28,4 Milliarden Euro) hätte der Kauf einer 30-Prozent-Beteiligung einen Wert von 9,81 Milliarden Schweizer Franken. Die Investoren scheinen an einen Deal zu glauben: Seit Bekanntwerden des Softbank-Interesses hat die Swiss-Re-Aktie an der Börse 4,5 Prozent dazugewonnen.

Der Deal wäre ein Novum. Erstmals würde mit Softbank ein Technologiekonzern nach einem Großkonzern der Versicherungsbranche greifen. Denn nach dem Einstieg wären die Japaner der größte Aktionär der Swiss Re.

Finanzieren wolle Softbank den Einstieg über den Konzern selbst und nicht über den eigenen Investmentfonds, heißt es. Der Vision Fund des Unternehmens ist mit einem Volumen von 93 Milliarden Dollar der weltweit größte Private-Equity-Fonds, hinter dem auch ein saudischer Staatsfonds und Technologiefirmen wie Apple stehen.


Für die Analysten der Deutschen Bank steckt die Logik hinter dem Einstieg in dem Schlüsselwort „Big Data“. Denn Rückversicherer säßen auf vielen Daten, die sie in der Vergangenheit nicht immer optimal genutzt hätten. Gleichzeitig werde das Geschäftsmodell durch neue Risiken wie Cyberkriminalität und autonome Fahrzeuge herausgefordert. Es wäre daher „sehr sinnvoll“, wenn sich Rückversicherer mit Technologieunternehmen zusammenschlössen, folgert der zuständige Analyst.

Analysten hatten eine Kombination zwischen einem Technologieunternehmen und einem Rückversicherer zuvor jedoch nicht auf dem Schirm. Bisher hatte Softbank vor allem in junge Start-ups und Technologiefirmen wie Yahoo, Alibaba, Uber und We-work investiert.

Kürzlich übernahm der Konzern auch den britischen Chip- und Softwareentwickler ARM. Doch zuletzt engagierte sich Softbank bereits auch im Bereich von Versicherungs-Start-ups, sogenannter Insurtechs, und hatte an einer Finanzierungsrunde des US-Versicherers Lemonade teilgenommen. Der Moment für einen Einstieg erscheint günstig: Die Kosten für Naturkatastrophen von rund vier Milliarden Dollar hatten den Schweizer Rückversicherer zuletzt in die roten Zahlen gedrückt.

Nach neun Monaten stand unter dem Strich ein Verlust von 468 Millionen Dollar. Trotzdem sieht sich der Konzern kapitalstark genug, um Geld an seine Aktionäre zurückzugeben. Seit November kaufte Swiss Re eigene Aktien für bis zu einer Milliarde Franken zurück, das Kaufprogramm wurde am Montag abgeschlossen. Zudem ließ Finanzchef David Cole durchblicken, dass die Aktionäre zumindest eine stabile Dividende erwarten können.

Die hochverschuldete Softbank, die in den letzten Jahren mit Macht in den Finanzsektor vorgedrungen ist, gewänne mit dem Einstieg bei Swiss Re Zutritt zum globalen Rückversicherungs-Markt – und mittelbar Einfluss auf die immensen Kapitalrücklagen des Rückversicherers. Letztes Jahr hat das Konglomerat bereits den amerikanischen Investor Fortress übernommen.

Swiss Re-Chef Christian Mumenthaler wird sich voraussichtlich Ende der Woche erstmals persönlich zu dem Thema äußern. Denn am Freitag wird die Swiss Re anlässlich der Bilanzpressekonferenz den Geschäftsbericht zum abgelaufenen Jahr 2017 präsentieren. Für Gesprächsstoff sollte angesichts der vielen noch offenen Fragen bezüglich des Softbank-Deals mehr als genug gesorgt sein.