Softbank-Einstieg? Warum sich Swiss Re einen starken Partner wünscht


Eigentlich will Christian Mumenthaler über die Firmenzahlen sprechen. Aber bevor sich der Chef des Rückversicherers Swiss Re seiner Powerpoint-Präsentation widmet, geht er doch auf das Thema ein, das derzeit die Schlagzeilen über die Swiss Re bestimmt: den möglichen Einstieg des japanischen Technologiekonzerns Softbank bei den Schweizern.

„Ich weiß, dass Sie alle mehr wissen wollen“, sagt Mumenthaler. Doch die Diskussionen befänden sich in einem frühen Stadium. So hielt sich der Manager über die Verhandlungen bedeckt.

Laut Medienberichten könnten die Japaner bis zu einem Drittel der Aktien übernehmen. Dass sich ausgerechnet Softbank-Gründer Masayoshi Son für den Rückversicherer interessiert, hat selbst Branchenkenner überrascht. Der japanische Manager formte aus dem Mobilfunkunternehmen ein internationales Konglomerat mit Beteiligungen vom Baseballclub bis zum Fahrdienst Uber.


Wie genau der Einstieg von Softbank aussehen könnte, ließ sich Swiss-Re-Chef-Mumenthaler zwar nicht entlocken. Doch die Liaison, soviel wird klar, hätte aus seiner Sicht durchaus ihren Reiz. „In unserem Geschäft ist es keine schlechte Sache, einen Ankeraktionär zu haben“, sagte der Konzernchef.

Das vergangene Jahr war für den Rückversicherer eine Herausforderung: „Es war ein Jahr intensiver Naturkatastrophen“, sagte Mumenthaler. Mehrere Wirbelstürme, schwere Erdbeben und die Waldbrände in Kalifornien verursachten Milliardenschäden. Insgesamt 4,7 Milliarden US-Dollar musste die Swiss Re für die Katastrophen aufbringen. „Wir sind hier, um solche Ereignisse abzudecken. Das ist der Grund, warum es die Swiss Re gibt.“ Angesichts der kostspieligen Katastrophen stand unterm Strich ein magerer Gewinn von 331 Millionen Dollar – kein Vergleich zum Vorjahr, in dem die Schweizer rund 3,6 Milliarden Dollar verdienten. Immerhin rutschte der Rückversicherer trotz der Katastrophen nicht in die Verlustzone.

Rückversicherer übernehmen Risiken von Versicherungsunternehmen und erhalten dafür eine Prämie. Doch das Geschäft steht unter Druck. Bei der Swiss Re gingen die Prämieneinnahmen auf knapp 35 Milliarden US-Dollar zurück – das ist ein Minus von gut zwei Prozent. Wie der Erzrivale Münchener Rück kämpft auch die Swiss Re seit Jahren mit sinkenden Prämien. Angesichts des teuren Katastrophenjahres 2017 hofft Mumenthaler nun auf eine Wende. So konnte der Konzern bei den Vertragserneuerungen im Januar das Prämienvolumen in der Schadenversicherungssparte um acht Prozent steigern. Und auch die Preise zogen um zwei Prozent an.

Asiatischer Tee zum Geschnetzelten

Die Aktionäre der Schweizer können sich nun auf eine Dividendenerhöhung um 15 Rappen auf fünf Franken freuen. Doch das Aktionariat der Schweizer ist stark zersplittert. Das macht die Swiss Re anfällig für aktivistische Investoren, die Druck auf den Konzern ausüben könnten. Um dieses Risiko weiß auch der Konzernchef. Dass auch volatile Jahre zum Geschäft gehörten, sei Investoren nicht immer leicht zu vermitteln, sagte Mumenthaler am Freitag. Einen starken Ankeraktionär zu haben sei deshalb attraktiv. „Darüber gab es schon mehrfach Diskussionen.“


Und genau hier könnte der Einstieg von Softbank eine Chance bieten: Softbank-Chef Son verfolgt eigenen Angaben zufolge eine langfristige Investitionspolitik. Sein Fonds will in Firmen investieren, die es auch in 300 Jahren noch geben wird. Zwar wollte Mumenthaler nicht auf Details eingehen. Aber die Swiss Re setze auf Wachstumsmärkte und wolle dabei das Geschäft mit der Auswertung von Daten ausbauen und in neue Technologielösungen investieren. „Jetzt können Sie sich Softbank anschauen“, sagte Mumenthaler. Der Konzern sei ein Schwergewicht in Wachstumsmärkten und investiere in Technologiefirmen auf der ganzen Welt. „Ich glaube, dazu muss ich nicht mehr sagen.“

Wie den Japanern der Einstieg gelingen könnte, darüber halten sich beide Seiten noch bedeckt. Eine Kapitalerhöhung, bei der neue Aktien für Softbank ausgegeben werden könnten, schloss die Swiss Re nun aber aus. Denkbar wäre etwa, dass Softbank die zehn Prozent der Swiss-Re-Aktien erwirbt, die von der Swiss Re selbst gehalten werden.

Dass der Deal tatsächlich zustande kommt, ist alles andere als ausgemacht. Mumenthaler unterstrich mehrfach, dass sich die Gespräche in einem sehr frühen Stadium befänden. Kulinarisch bewiesen die Schweizer jedenfalls schonmal ihre Aufgeschlossenheit: Zum Zürcher Rahmgeschnetzelten wurde asiatischer Eistee ausgeschenkt.