Sofia will Pferdekarren wegen EU-Ratspräsidentschaft verbannen

Pawel Slawtschew und Maja vor ihrem Gefährt

Vor der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft am 1. Januar bemüht sich Bulgarien, das ärmste Land der Europäischen Union, um seine Imagepflege. In Sofia sollen zu diesem Zweck die Pferdekarren aus dem Stadtbild verschwinden. Der Initiator dieses Vorstoßes im Stadtrat, Simeon Slawtschew, sagte jetzt der Nachrichtenagentur AFP: "Die Karren bergen ein erhebliches Risiko für Straßenunfälle, sie verursachen Abfall und vor allem, keine europäische Hauptstadt lässt sie zu - ausgenommen als Touristenattraktion."

Ursprünglich sollten alle Pferdekarren bis zum Jahresanfang von der Straße verschwinden. Inoffiziellen Angaben zufolge gibt es davon in Sofia rund 400. Aber die Stadtverwaltung stieß bei der Umsetzung des Vorhabens auf Schwierigkeiten. Unter anderem war unklar, was mit den beschlagnahmten Pferden und Eseln geschehen sollte. Während Bulgariens sechsmonatiger Ratspräsidentschaft stehen etliche Veranstaltungen mit ranghohen Persönlichkeiten aus den anderen 27 EU-Staaten an.

Der 40-jährige Kutscher Pawel Slawtschew sieht für sich "das Ende gekommen". Zusammen mit seiner siebenjährigen Stute Maja verdient er sein täglich Brot mit dem Transport von Kohlen und Holz, Baumaterialen und Hausmüll im mehrheitlich von Roma bewohnten Vorort Fakulteta. "Acht Jahre mache ich das jetzt schon. Es gibt keine andere Arbeit. Und ich sehe nicht, wie wir denen in die Quere kommen", fügt Slawtschwew hinzu.