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So wirkt sich der Kollaps der Silicon Valley Bank auf der ganzen Welt aus

(Bloomberg) -- Die Silicon Valley Bank ist das größte US-Kreditinstitut, das in mehr als einem Jahrzehnt insolvent wurde. Ihr Zusammenbruch hat zu Befürchtungen über eine Ansteckung des Tech- und Finanzsektors in den USA und der ganzen Welt geführt.

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Die US-Aufsichtsbehörden ergriffen in Folge außerordentliche Maßnahmen, um das Vertrauen in das Finanzsystem zu stärken. Dies war Teil eines hektischen Wochenendes, an dem die überraschende Schließung der New Yorker Signature Bank und die wachsende Besorgnis über ein Übergreifen auf andere regionale Kreditinstitute und die Wirtschaft im Allgemeinen zu beobachten waren.

Am Montag hat Großbritannien schnell gehandelt, um die Auswirkungen des Vorfalls zu begrenzen. Die britische SVB-Sparte wurde für 1 Pfund an die HSBC Holdings Plc verkauft. Andere Unternehmen haben ihr Risiko ermittelt und in den meisten Fällen den Anlegern versichert, dass dieses überschaubar sei.

Der positive Effekt der über Nacht geleisteten Unterstützung durch die US-Aufsichtsbehörden verpuffte jedoch am Montagmorgen schnell, und die Aktienkursbewegungen signalisierten, dass die Auswirkungen des Vorfalls noch lange nicht überwunden sind.

Hier ist eine Zusammenfassung einiger Reaktionen von Unternehmen, Investoren und Regierungen:

USA

Finanzministerium, Federal Reserve und FDIC: In dem Bemühen, eine umfassendere Krise abzuwenden, haben die US-Behörden eine neue Sicherungsmaßnahme für Banken eingeführt, die nach Angaben der Federal Reserve groß genug ist, um die Einlagen der gesamten Nation zu schützen. Die FDIC erklärte, sie werde die SVB auf eine Weise abwickeln, die “alle Einleger vollständig schützt”. Die Fed kündigte auch ein neues “Bank Term Funding Program” an, das den Banken einjährige Kredite zu günstigeren Bedingungen als üblich gewährt. Es stehen 25 Milliarden Dollar (23 Milliarden Euro) zur Verfügung.

First Republic Bank: Das in Kalifornien ansässige Kreditinstitut fiel im vorbörslichen Handel in New York um etwa 60%, nachdem es versucht hatte, die Bedenken hinsichtlich seiner Liquidität zu zerstreuen. In einer Mitteilung am späten Sonntag hatte die Bank erklärt, dass sie mehr als 70 Milliarden Dollar an ungenutzter Liquidität zur Finanzierung von Operationen aus Vereinbarungen hatte, einschließlich jener mit der Federal Reserve und JPMorgan Chase & Co.

Khosla Ventures: Die in Menlo Park ansässige Risikokapitalgesellschaft schickte eine E-Mail an Gründer, in der sie mitteilte, dass sie einspringen und die Gehaltskosten einiger ihrer Portfoliounternehmen übernehmen würde, wenn diese aufgrund der bei der SVB gebundenen Mittel Engpässe hätten.

Großbritannien

HSBC: Die an der Londoner Börse notierte Bank erwarb die britische Sparte der SVB in einer Transaktion, die sofort abgeschlossen und aus bestehenden Mitteln finanziert wurde. “Diese Akquisition ist strategisch sehr sinnvoll für unser Geschäft in Großbritannien”, so der Vorstandsvorsitzende Noel Quinn in seiner Mitteilung.

Polarean Imaging Plc: Das Unternehmen für medizinische Bildgebung beantragte die vorübergehende Aussetzung seiner Aktien, um die nächsten Schritte zu klären. Es verfüge “über genügend Barmittel außerhalb der SVB”, um seinen unmittelbaren Liquiditätsbedarf zu decken.

Trustpilot Group Plc: Gab an, dass SVB UK ihr wichtigster Bankpartner sei, ergänzte aber, dass sie über andere Bankbeziehungen verfüge, die es ihr ermöglichten, den normalen Geschäftsbetrieb fortzuführen. Syncona und Learning Technologies gaben ebenfalls Einzelheiten zu ihren Beziehungen zur SVB bekannt.

Naked Wines Plc: Der Weinhändler sagte, er habe eine Asset-Backed-Kreditfazilität in Höhe von 60 Millionen Dollar, die jeweils zur Hälfte von der SVB und der Bridge Bank syndiziert wurde. Das Unternehmen führt Gespräche mit der Bridge Bank und hat mit der Suche nach neuen Finanzpartnern begonnen.

Venture Life Group Plc: Das Unternehmen für Gesundheitsprodukte verfügt über eine revolvierende Kreditfazilität in Höhe von 30 Millionen Pfund bei SVB und Santander. Das Unternehmen hat Gespräche mit Santander aufgenommen, damit diese den Anteil von SVB übernehme.

Schweden

Alecta: Schwedens größter Pensionsfonds hielt am frühen Montag eine Krisensitzung ab, um zu erörtern, warum das Unternehmen 2 Milliarden Dollar in Nischenbanken in den USA investiert hat, die vom Zusammenbruch der Silicon Valley Bank betroffen sind. In den vergangenen sechs Jahren hat Alecta 21,8 Milliarden Kronen (1,9 Milliarden Euro) seiner Mittel in die Signature Bank, die First Republic Bank und die SVB investiert. Damit wurde der schwedische Pensionsriese zu den größten Anteilseignern dieser Banken.

Deutschland

Bafin: Die Bafin hat ein Moratorium über die deutsche Filiale der Silicon Valley Bank angeordnet. Damit sind Veräußerungen, Zahlungen und Transaktionen durch die deutsche Finanzaufsichtsbehörde untersagt. Grund ist die Gefahr für die Erfüllung von Verpflichtungen gegenüber Gläubigern. Die Bafin sieht die Silicon Valley Bank Germany Branch allerdings ohne systemische Relevanz in Deutschland, da sie kein Einlagengeschäft betreibt und ihre Bilanzsumme per Jahresende nur 789 Millionen Euro betrug.

Japan

SoftBank Group Corp: Der Konzern gilt angesichts seiner enormen Investitionen in Technologie als eines der potenziell am stärksten gefährdeten Unternehmen. Startups, in die der SoftBank Vision Fund investiert hat, haben Einlagen und Kredite bei der SVB. Es wird befürchtet, dass sie durch den Zusammenbruch in Zahlungsschwierigkeiten geraten könnten.

Sumitomo Mitsui Trust Holdings Inc.: Der japanische Vermögensverwalter hielt zum Ende des vierten Quartals des vergangenen Jahres einen Anteil von 0,29% an der SBV Financial Group.

China

Shanghai Pudong Development Bank Co.: Der staatliche chinesische Kreditgeber führt ein Bankgeschäft gemeinsam mit der SVB und versuchte, lokale Kunden zu beruhigen, indem er sie daran erinnerte, dass der Betrieb unabhängig gewesen sei. Die SPD Silicon Valley Bank erklärte, sie habe immer auf stabile Weise in Übereinstimmung mit den chinesischen Gesetzen und Vorschriften operiert und verfüge über eine unabhängige Bilanz. Das Venture wurde 2012 als erste technologieorientierte Bank in China gegründet und dient Wissenschafts- und Innovationsunternehmen.

Andon Health Co.: Laut einer Mitteilung an die Börse von Shenzhen hatten das Unternehmen und seine Einheiten am 10. März rund 5% ihrer Barmittel und Finanzanlagen bei der SVB hinterlegt.

Hongkong

Brii Biosciences Ltd.: Das Biotech-Unternehmen teilte mit, dass zum 28. Februar weniger als 9% seiner gesamten Barmittel und Bankguthaben bei der SVB gehalten wurden. Das Unternehmen arbeite eng mit der SVB und der FDIC zusammen, um Aktualisierungen des Vorfalls zu verfolgen und mögliche Auswirkungen zu minimieren.

Broncus Holding Corp.: Das Unternehmen für medizinische Dienstleistungen teilte mit, dass zum 10. März rund 11,8 Millionen US-Dollar oder etwa 6,5% seiner liquiden Mittel bei der SVB hinterlegt waren. “Das Unternehmen arbeitet aktiv daran, seine Einlagen bei der SVB zu erhalten und zurückzubekommen”, heißt es in einer Mitteilung.

BeiGene Ltd.: Das biopharmazeutische Unternehmen gab an, dass seine nicht versicherten Bareinlagen bei der SVB 3,9% seiner gesamten Barmittel und Barmitteläquivalente zum 31. Dezember ausmachten. “Das Unternehmen geht nicht davon aus, dass die jüngsten Entwicklungen bei der SVB wesentliche Auswirkungen auf seine Geschäftstätigkeit haben werden.”

Überschrift des Artikels im Original:Here’s How SVB’s Collapse Is Reverberating Around the World

--Mit Hilfe von Christian Wienberg, Kari Lundgren, Charlotte Yang, Georgina Mckay, Youkyung Lee, Kurt Schussler, Ashutosh Joshi, Rafaela Lindeberg und Jonas Ekblom.

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