So will Opel schnell Mitarbeiter loswerden

O pel muss die Kosten senken – komme, was wolle. Eine geplante Tariferhöhung soll gestundet werden – und wer binnen zwei Monaten einen Aufhebungsvertrag unterschreibt, bekommt mindestens 20.000 Euro extra.

Opel macht Millionenverluste – jetzt steuert das Management mit Kraft dagegen. Dabei setzt der Autobauer auf einen besonders schnellen Abbau von Arbeitsplätzen. Wer innerhalb von zwei Monaten nach Abschluss des Sozialplanes einen Aufhebungsvertrag unterschreibt, bekommt mindestens 20.000 Euro extra. Es kann aber je nach Bruttomonatsgehalt auch mehr sein. Gezahlt werden insgesamt vier Monatsgehälter. Das geht aus dem Sozialplan des Sanierungsprogrammes PACE! hervor, der der WirtschaftsWoche vorliegt. 

Demnach erhöht sich die ansonsten zu zahlende Abfindung außerdem dann, wenn „das Arbeitsverhältnis im Aufhebungsvertrag gegenüber (…) einer betriebsbedingten Kündigung verkürzt wird“. Opelaner bekommen in diesem Fall ein Nettomonatsgehalt für jeden vollen Monat, den sie eher gehen. Zusätzlich gibt es 10.000 Euro für Schwerbehinderte, die gehen, und 5000 Euro pro auf der Lohnsteuerkarte eingetragenem Kind. 

Mitarbeiter, die bei Opel bleiben, aber freiwillig und dauerhaft den Standort wechseln, bekommen zwischen 15.000 und 25.000 Euro Prämie. Dauerhaft versetzt wird aber nur, wenn es nicht abzusehen ist, dass in den kommenden zwei Jahren vergleichbare Arbeitnehmer gekündigt werden müssen. Opel wollte diese Details nicht kommentieren.


Das Programm für freiwillige Abfindungen gilt ab sofort. Gedeckelt ist das Programm den Unterlagen zufolge aber auf maximal 275.000 Euro pro Mitarbeiter. Ausgenommen sind etwa Altersteilzeitler, Vorruheständler und Azubis. Auch der überwiegende Teil des Managements darf das Programm nicht nutzen. So gilt das Angebot nicht für „Executives“, also eine Gruppe von Führungskräften, die einem Insider zufolge mehr als 200 Personen umfasst. Das geht aus einem Dokument mit Stand 25. März hervor, das der WirtschaftsWoche vorliegt. Teilnehmen können demnach aber bereits Mitarbeiter der „Führungsebene 2“. 

Generell mitmachen dürfen alle, die am 1. Dezember 2017 in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis mit der Opel Automobile GmbH standen. Für jeden gilt jedoch: „Der Aufhebungsvertrag beruht auf einer freiwilligen Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer“, heißt es in dem internen Schreiben. Ab sofort könnten Aufhebungsverträge nach den Regelungen des Sozialplans PACE! und mit vorheriger Zustimmung des Gesamtbetriebsrates abgeschlossen werden. 

Berechnet wird die Abfindungssumme laut dem Dokument wie folgt: Alter x Betriebszugehörigkeit x Bruttomonatsentgelt geteilt durch 32. Das Bruttomonatsentgelt ist demnach das „tatsächlich gezahlte Jahresbruttoentgelt ohne Mehrarbeitszuschläge“ oder Aufwandsentschädigungen „zum Stichtag 31.12. des jeweiligen Vorjahres dividiert durch 12“. Opel schweigt dazu. 

Opel will Tariferhöhung stunden

Auch zu den noch laufenden Verhandlungen mit Betriebsrat und IG Metall äußerte sich Opel nicht. Dabei will der Autobauer die in der jüngsten Tarifrunde von der IG Metall erkämpfte Lohnerhöhung von 4,3 Prozent nicht auszahlen. Das geht aus einer Information von Betriebsrat und IG Metall an die Mitarbeiter hervor, die der WirtschaftsWoche vorliegt. Darin heißt es, dass sich das Management eine „vorläufige Stundung der Umsetzung der Tariferhöhung“ wünsche. 

Die Sanierungsgespräche zwischen dem kriselnden Autobauer sowie dem Mutterkonzern PSA auf der einen und den Arbeitnehmervertretern auf der anderen Seite waren zuletzt auch deswegen ins Stocken geraten. 


Vergangene Woche hatte die Opel-Tarifkommission den Managern vorgeworfen, bestehende Tarifverträge aushöhlen zu wollen. „Wir akzeptieren keine nachgereichten Bedingungen für Verträge, die von PSA anerkannt, übernommen und rechtskräftig sind“, schrieb der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug in einer Erklärung. Die Belegschaft zahle nicht zweimal für einen Vertrag. Damit dürfte er gemeint haben, dass es bereits schon mal einen Vertrag zur Sanierung gab, in dem die Opelaner eine Tariferhöhung erst später als andere Metallbetriebe ausgezahlt bekamen. Schon damals hatten die Arbeitnehmer zugestimmt, eine Tariferhöhung zu stunden. Offenbar möchte der Betriebsrat dies kein zweites Mal zugestehen. 

Die jüngste Tariferhöhung wäre eigentlich schon am 1. April fällig, würde jedoch erst Ende des Monats ausgezahlt. Eine im März fällige Einmalzahlung von 100 Euro soll Insidern zufolge hingegen in diesen Tagen überwiesen werden. 

Um die Tariferhöhung nicht zahlen zu müssen, müsste Opel einen neuen Tarifvertrag aushandeln. Offenbar fordert das Management dazu von der Belegschaft einen Beitrag zur Sanierung. Im Gegenzug könnte es Zusagen für neue Produkte in den Werken geben. Besonders drängt die Zeit für Eisenach. Opel will dort ab 2019 zwar ein SUV produzieren. Bekannt ist aber selbst Insidern noch nicht, welches Auto dort gebaut werden soll. Wird das nicht in diesen Wochen verbindlich entschieden, könnte Zeit fehlen, das Werk für das neue Auto einzurüsten.