So will der DFB den Videobeweis retten

Reinhard Franke
Lutz Michael Fröhlich hat als Chef des Videobeweises Hellmut Krug abgelöst

Lutz Michael Fröhlich hat eine heikle Aufgabe übernommen. Aber der 60-Jährige geht sie mit Feuereifer an.

Der frühere Schiedsrichter, der 201 Bundesliga-Spiele, 81 Zweitliga-Partien und 24 Pokal-Duelle pfiff, ist seit Montag der neue starke Mann, was den Video-Beweis angeht. Er hat den umstrittenen Hellmut Krug als Chef der Video-Schiedsrichter abgelöst.

"Zunächst mal bleibe ich Sportlicher Leiter der Elite-Schiedsrichter. Daran ändert sich nichts. In der Schiedsrichtergruppe werden wir daran arbeiten, wieder zu einen konstruktiven und vertrauensvollen Umgang, mit einem internen Dialog, zurückzukehren", sagte Fröhlich zu SPORT1.

"Was den Video-Assistenten angeht, so werden wir auch hier den Dialog intensivieren, Transparenz und auch Aufklärung in den Vordergrund stellen, um diesem wertvollen Projekt eine gesunde Grundlage zu verschaffen. Es muss verständlich bleiben, und der Schiedsrichter auf dem Feld muss gestärkt werden."


Gespräch mit Krug "Vertrauenssache"

Natürlich habe er zum Thema auch mit dem degradierten Krug gesprochen. Doch die Ergebnisse des Gesprächs seien "Vertrauenssache" und gehörten daher nicht in die Öffentlichkeit.

Wie soll der Videobeweis nun konkret verbessert werden? Fröhlich, der einen zweiten Video-Assistenten einsetzen will, fordert von allen Beteiligten zunächst mehr Ruhe in der Causa.

"Ich hoffe zunächst, dass wie bisher auch krasse Fehler der Schiedsrichter verhindert werden. Immerhin haben wir in dieser Saison bereits 33 klare Fehlentscheidungen korrigieren können."


Fröhlich: "Video-Beweis nicht gescheitert"

Man werde sich "das VAR-Protokoll, also die Grundlage des IFAB (International Football Association Board, Anm.d.Red.) für den Video-Assistenten, noch einmal anschauen", kündigt Fröhlich an. "Das ist erst mal das Basiswerk für den Umgang mit dem Video-Assistenten. Dann wird der Kommunikationsprozess in Gang gesetzt. Änderungen oder Ergänzungen werden offen besprochen, in aller Ruhe, und sicher nicht einseitig platziert."

Der Video-Assistent sei "eine so grundlegende Neuerung, die besonders viel Sensibilität im Vorgehen erfordert, mit viel Dialog und viel Kommunikation. Die einzelnen Schritte und Maßnahmen müssen verständlich bleiben."

Dass schon jetzt nicht alles schlecht ist, belegt Fröhlich mit Fakten: "Bisher wurden im Durchschnitt pro Spieltag drei Entscheidung getroffen, die ohne den Video-Assistenten deutlich, also klar, falsch gewesen wären. Das sind durchaus gute Ergebnisse, die zeigen, dass der Video-Assistent auch Vorteile bringt."

Der neue Projektleiter ist also weit davon entfernt, den Video-Beweis abzuschreiben: "Es gibt Probleme, aber er ist sicher nicht gescheitert. Jetzt liegt es an allen - Schiedsrichter, Vereine, Fans und Medien -, ihn nach vorne zu bringen. Das ist eine Herausforderung."