So wenige Ausbildungsplätze wie seit 1989 nicht mehr: Corona-Pandemie setzt auch Azubis und dual Studierenden zu

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Auszubildende und junge Menschen, die dual studieren, haben Nachteile durch die Corona-Pandemie.
Auszubildende und junge Menschen, die dual studieren, haben Nachteile durch die Corona-Pandemie.

Die Corona-Krise hat jungen Berufstätigen und Auszubildenden in Deutschland heftig zugesetzt. Zu diesem Befund kommt die Studie "Plan B", welche die IG Metall gemeinsam mit dem Jugendforscher Simon Schnetzer am Mittwoch in Frankfurt vorgestellt hat. Im Pandemie-Winter zum Jahresbeginn 2021 gaben demnach 61 Prozent der Befragten an, dass sich ihre psychische Gesundheit verschlechtert habe. 55 Prozent klagten über negative Auswirkungen auf ihre Freundschaften und 51 Prozent meinten sogar, ihr eigenes Leben nicht mehr kontrollieren zu können.

Insbesondere in den Berufsschulen habe sich die Situation massiv verschlechtert, berichteten 71 Prozent der Auszubildenden. Auch dual Studierende schilderten schlechtere Lernbedingungen in den Hochschulen und allgemein sinkende Motivation. Unter den Studierenden fürchtet ein Drittel um die Übernahme und bei den Auszubildenden sind es sogar 40 Prozent.

Gewerkschafterin fordert mehr Planungssicherheit für Jugendliche

Die Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Christiane Benner, kritisierte das unzureichend vorbereitete berufliche Bildungssystem. Im Übergang zu digitalen Unterrichtsformen hätten die Berufsschulen mangelhafte Leistungen erbracht. Sie warnte vor gravierenden Folgen, falls sich die Situation nicht ändern sollte. "Wenn Pläne durch die Pandemie zerstört wurden, müssen neue Pläne her und wir stehen alle in der Verantwortung, diese zu begleiten." Arbeitgeber und Politik müssten unverzüglich handeln, um Ausbildungsplätze in guter Qualität zu erhalten und auszubauen sowie die Nachwuchskräfte dann auch zu übernehmen.

Doch auch diejenigen, die einen Ausbildungsplatz haben, sehen häufig einer ungewissen Zukunft entgegen. Weil sich Abschlussprüfungen verschieben, wächst die Unsicherheit, nach der Ausbildung übernommen zu werden. Daher appelliert die zweite Vorsitzende der IG Metall Christiane Benner an die Unternehmen, den Auszubildenden so viel Planungssicherheit wie möglich zu geben. Die Situation sei für viele Jugendliche jetzt schon schlimm genug. So sei die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im letzten Jahr um zehn Prozent zurückgegangen und die Jugendarbeitslosigkeit um 25 gestiegen, sagt sie.

Um Fachkräfte anzuwerben, müssten Firmen ihr Personalmarketing überdenken

Die Unternehmen sollten die von der Bundesregierung beschlossene Ausbildungsprämie in Höhe von 6000 Euro stärker nutzen, sagt Benner, damit langfristig keine "Generation Corona" heranwachse, die bleibende berufliche und persönliche Schäden davontrage. Dazu brauche es auch ein Umdenken in vielen Firmen, stellte Jugendforscher Schnetzer fest. "Es reicht einfach nicht, eine Stellenanzeige zu veröffentlichen und auf Bewerbungen zu warten", sagt er. Die Generation Z setze auf persönliche Ansprache. Darauf müssten sich viele Führungs- und Personalmarketingstellen erst einmal einstellen.

"Die Jugendlichen haben sich wirklich eingeigelt", sagte Jugendforscher Schnetzer. Auch habe bei vielen das Selbstwertgefühl gelitten. Sie bräuchten jetzt "kleine Stupser" wie beispielsweise Mentorenprogramme, um durchzustarten.

cri/dpa

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