So verrückt lief der Silva-Deal ab

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So verrückt lief der Silva-Deal ab
So verrückt lief der Silva-Deal ab

Agreement? Ausstiegsklausel? Unabhängig von der Begrifflichkeit: André Silva ist seit Freitagabend nicht mehr Spieler von Eintracht Frankfurt. Der Portugiese schließt sich RB Leipzig für die kommenden fünf Jahre an.

Sportvorstand Markus Krösche bestätigte in der offiziellen Pressemitteilung: "Leider war der Wechsel in dieser Transferperiode nicht zu vermeiden, da der Spieler eine entsprechende Option im Vertrag gezogen hat." (Alles Wichtige zum Transfermarkt im SPORT1-Transferticker)

Krösche bestätigt Silva-Option

Damit widerspricht Krösche der Berateragentur des Stürmers, die im Frühjahr bei SPOX eine solche Klausel – und damit auch SPORT1-Informationen eines 30-Millionen-Agreements - dementiert hatte.

Trainer Oliver Glasner und Krösche wollten also noch um einen Angreifer kämpfen, obwohl dieser trotz Vertrags bis 2023 vorab schon verloren war. Bereits im Frühjahr ging bei der Eintracht niemand mehr von einem Verbleib aus.

SPORT1 weiß: Silva hatte die Option verankert, dass er den Klub verlassen darf, wenn ein Verein anklopft, der sich für die Champions League qualifizieren konnte. Dieses Agreement gab es unabhängig von der Platzierung der Hessen. Sprich: Auch mit Rang vier hätte ein Abgang zu diesem Preis nicht verhindert werden können.

RB überweist rund 30 bis 35 Millionen Euro, nach Abzügen bleiben der Eintracht SPORT1-Informationen zufolge zwischen 23 und 25 Millionen Euro.

Der schwierige Rebic-Silva-Tausch als Ursprung

Doch wie kam es dazu, dass der 28-Tore-Rekordmann die Eintracht zu einem auf den ersten Blick nicht ganz marktwertgerechten Preis verlassen darf? Eine Erklärung bietet der Blick zurück auf den Sommer 2019. Ante Rebic bockte sich einen Tag vor dem Ende der Transferperiode aus Frankfurt in Richtung AC Mailand weg.

Die Eintracht benötigte dringend Ersatz und in der Kürze der Zeit war nur noch ein schwieriger Tausch-Leih-Deal auszuhandeln. Der damalige Sportvorstand Fredi Bobic strickte innerhalb von 24 Stunden mit heißer Nadel an diesem Transfer, es musste länderübergreifend schnell gehen. (Bericht: Das ist Glasners Plan mit Frankfurt)

Silva und Rebic wechselten zunächst für zwei Jahre die Klubs, eine Anschlussvereinbarung wurde nicht vereinbart.

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Die Schwierigkeit lag vor allem im Vertragswerk von Rebic, da Ex-Klub AC Florenz bei einem Verkauf 50 Prozent der Ablöse zustanden. Weil beide Spieler bei ihren jeweiligen Klubs performten, saßen die Verantwortlichen von Milan und Frankfurt ein Jahr später erneut gemeinsam am Tisch.

Eintracht musste am Verhandlungstisch Zugeständnisse machen

Wie viel Geld genau in die jeweiligen Kassen flossen? Undurchsichtig. Doch es wurde mehr oder weniger ein Null-Summen-Transfer, Florenz ging leer aus. Die Eintracht musste Silva und seinem Agenten Zugeständnisse machen, die ungeliebte Ausstiegsklausel eingebaut werden.

Doch eine solche Entwicklung des 25-Jährigen war trotz starker Form nach der Corona-Pause nicht vorherzusehen, der Stürmer hätte die Eintracht beinahe in die Champions League geführt.

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Krösche waren die Hände in den Verhandlungen gebunden. Und doch steht final eine Summe, mit der der Klub weitere finanzielle Löcher stopfen und offensiver auf dem Transfermarkt agieren kann. Die Umsätze der Vereine haben sich halbiert, die Eintracht selbst profitiert möglicherweise von dieser Situation.

Was macht die Eintracht mit dem Geld?

Vielleicht kann Krösche nun auch Leistungsträgern wie Filip Kostic oder Evan N’Dicka einen Verbleib in Form einer Vertragsverlängerung mitsamt Gehaltserhöhung schmackhaft machen oder die Offensive qualitativ besser aufstellen. Doch die Silva-Lücke gilt es zu schließen.

Der bevorstehende Transfer von Rafael Santos Borré könnte ein erster Baustein sein.

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