Wie Vettel in Hamiltons Falle tappte

Michael Prieler
Lewis Hamilton im Mercedes hielt WM-Konkurrent Sebastian Vettel erfolgreich auf Distanz

Sebastian Vettel war eigentlich zufrieden mit seinem zweiten Platz in Spa-Francorchamps - eigentlich aber auch wieder nicht.

"Ich wartete hinter Lewis auf einen Fehler, aber der kam nicht", fasste er sein Schicksal nach dem Großen Preis von Belgien auf der Pressekonferenz reichlich ernüchtert zusammen. Hamiltons Sieg, der auf sieben Punkte halbierte WM-Vorsprung: Er frustrierte den viermaligen Weltmeister (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

44 Runden lang biss sich der Ferrari-Pilot die Zähne am Pole-Setter aus, nur zweimal hatte er eine realistische Chance, Hamilton zu gefährden: "Es gab nur zwei echte Möglichkeiten, ihn zu knacken, nach dem Start und dann bei Re-Start. Beide konnte ich nicht nutzen."

Und über seine zweite nicht genutzte Chance fluchte Vettel besonders. Weil er sich von seinem Rivalen hatte austricksen lassen.


Vettel tappt in Hamiltons Falle

Beim Neustart nach der Harakiri-Kollision der beiden Force-India-Teamkollegen Sergio Perez und Esteban Ocon hatte Vettel eigentlich eine optimale Ausgangsposition, tappte aber in die Brems-Falle, die ihm der WM-Zweite stellte.

"Ich war Lewis durch die Eau Rouge sehr nahe, um genau zu sein: zu nahe, musste kurz lupfen und erhielt dann auf der langen Geraden nur noch die ungünstigere Außenseite. Hamilton lag dagegen innen, das war für ihn natürlich besser", erklärte der Ferrari-Pilot auf der Pressekonferenz seinen taktischen Fehler.

Der 32-jährige Brite hatte es sich zu Nutze gemacht, dass er als Führender das Renntempo vollkommen frei bestimmen kann, bevor das Safety Car wieder in die Boxengasse einbiegt. Erst ab dem Überqueren der Start-Ziel-Linie ist das Rennen wieder komplett frei gegeben, darf wieder um Plätze gekämpft und überholt werden. Dennoch verschaffte sich der dreimalige Weltmeister genau in dieser Phase den entscheidenden Vorteil (DATENCENTER: das komplette Rennergebnis).

Hamilton setzt auf höhere Endgeschwindigkeit

"Lewis hat ganz leicht Speed raus genommen, um zu provozieren, dass ich ihm so nahe komme", erklärte Vettel, der dem Briten genau diesen Gefallen tat. "Ich war dann tatsächlich zu nahe, konnte ausscheren, aber mir fehlte der letzte Schwung, um an ihm vorbeizugehen."

Hamilton hatte darauf gesetzt, dass ihn die höhere Endgeschwindigkeit seines Mercedes-Motors nach der langen Start-Ziel-Geraden in Spa vor Vettels unvermeidlichen Angriff in der spitzen "La Source"-Kurve retten würde. Und sein Plan ging auf.

Trotzdem blickt WM-Spitzenreiter Vettel, der vor Ferraris Heim-GP in Monza nächsten Woche noch sieben Punkte vor seinem ärgsten Verfolger liegt, optimistisch auf die kommenden Aufgaben: "Das Positive überwiegt, weil wir Hamilton und Co. auf einer Bahn, wo Mercedes auf dem Papier stärker sein sollte, in Atem halten konnten. Das beweist, dass wir auf einem guten Weg sind. Unser Tempo im Rennen stimmt, das macht Laune für die kommenden Rennen."

Sie wäre nur eben doch noch einen Tick besser, hätte Vettel seine Chance beim Re-Start genutzt.