So tickt Hamburgs Juwel Jann-Fiete Arp

Reinhard Franke

Er ist Hamburgs neuer Wunderknabe.

Jann-Fiete Arp verzückte am vergangenen Spieltag die Fans des HSV, als er in seinem ersten Startelf-Einsatz gegen den VfB Stuttgart gleich ein Tor erzielte. Rotzfrech und selbstbewusst trat der 17-Jährige gegen die Schwaben auf, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Und das im Abstiegskampf.

"Das war stark von Fiete", sagt Bernhard Peters zu SPORT1. Der Direktor Sport ist insbesondere für den HSV-Nachwuchs zuständig. Doch der 57-Jährge, der von 2009 bis 2014 die Nachwuchsarbeit der TSG Hoffenheim leitete, bremst die Euphorie um das Juwel.

"Reflektiert und cool"

"Das war erst sein erstes Bundesligaspiel von Anfang an. Fiete muss sich stetig weiterentwickeln und wir alle beim HSV werden ihn dabei unterstützen", sagt Peters.

Es sei die Aufgabe aller Verantwortlichen, "ihm diesen Rahmen sportlich und außersportlich zu schaffen. Bislang gelingt uns dies gemeinsam mit Fiete. Er ist für sein Alter außergewöhnlich reflektiert und cool."

Schon in der Partie bei Hertha BSC hatte der Stürmer, der seit 2010 bei den Rothosen spielt, getroffen.

Seine herausragende Bilanz: Zwei Einsätze - einige Sekunden in der Nachspielzeit gegen Werder Bremen mal nicht mitgerechnet - zwei Tore. Note eins mit Sternchen für den Jungspund, der noch zur Schule geht und im Frühjahr sein Abitur macht.

Woher nimmt Arp in so einer schweren Situation diese Kaltschnäuzigkeit?

Am Torabschluss gearbeitet

"Fiete ist ein gutes Beispiel für unsere intensive individuelle Arbeit mit den Spielern", so Peters.

"Er hat in den vergangenen Jahren viel und äußerst konsequent mit unserem Individualtrainer Sebastian Schmidt an seinem Torabschluss gearbeitet. Fiete selbst ist dafür sehr dankbar." Der Torabschluss sei "definitiv eine seiner Stärken."

Peters ist rundum zufrieden: "Die Leistungen von Fiete gründen sich auf seiner Einstellung im täglichen Training und in den Spielen. Alle Trainer und Experten, auf und neben dem Platz, sind tagtäglich darum bemüht, alle unsere Nachwuchsspieler individuell weiterzuentwickeln."

Coach Markus Gisdol hat den Jugendstil bei den Hamburgern eingeführt, und das in einer äußerst prekären Lage. Der Klub belegt nach elf Spielen Platz 15. 

Vergangenen Donnerstag gewann der HSV ein Testspiel beim Neunten der Oberliga, SV Curslack, mit 6:0. Die Hanseaten traten ohne Nationalspieler an, dafür aber mit vielen ihrer neuen Talente.

Gisdol setzt auf den Nachwuchs

An der Elbe wächst plötzlich etwas Neues heran. Mit Arp, Törles Knöll und Tatsuya Ito (beide 20) haben bereits drei Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in dieser Saison ihr Profi-Debüt bei den Rothosen gefeiert.

Außerdem kommen mit Rick van Drongelen und Vasilije Janjicic (beide 18) zwei weitere Youngster dazu, die schon jetzt immer wieder gebraucht werden in der ersten Mannschaft.

Zur Freude von Peters, der eine gehörige Portion Stolz nicht leugnen kann. "Die Leistungen unserer Nachwuchsspieler zeigen, dass wir uns mit unserer Arbeit auf einem guten Weg befinden", sagt der Nachwuchsstratege.

Die Trainer und Experten würden "tagtäglich mit viel Leidenschaft" daran arbeiten, die Nachwuchsspieler weiterzuentwickeln. Vom Nachwuchs in die Bundesliga sei es jedoch "ein großer Schritt" und die Kommunikation müsse in allen Bereichen stimmen.

Für den Trainer und seine Assistenten gibt es von Peters viel Lob für den neuen Kurs. "Markus Gisdol und sein Trainerteam sind selbstverständlich von enormer Wichtigkeit in der weiteren Entwicklung unserer Spieler. Denn diese hört nicht auf, sobald sich ein Spieler im Bundesligakader befindet oder am Training der Profis teilnimmt. Vom Talent bis zu einem starken Bundesliga-Spieler ist es ein harter Weg."


Jugendstil ist alternativlos

Die Ausbildung von Nachwuchsspielern bis zur Bundesliga sei für die Hamburger "alternativlos" und man tue dies mit voller Überzeugung, betont Peters.

"Letztlich müssen sich jedoch auch unsere Nachwuchsspieler ihre Einsätze verdienen. Es gilt nur das Leistungsprinzip und es freut uns, wenn unsere ausgebildeten Spieler in der Zukunft bei der Erreichung unserer sportlichen Ziele helfen können."

Auch Ito und Vasilije Janjicic sind die Zukunft des HSV. "Auch Tatsuya Ito und Vasilije Janjicic stehen am Anfang ihrer Entwicklung zu einem Bundesligaspieler", betont Peters. "Beide haben jedoch tolle Fähigkeiten und viel Talent, das es weiter zu entwickeln gilt."

Die Freude über die neuen Talente hat auch eine Kehrseite der Medaille und birgt eine große Gefahr. Arp und sein Berater Jürgen Milewski wollten im Sommer nur bis 2019 verlängern.

Damit steht fest: Stand jetzt könnte der HSV nur noch nach dieser Spielzeit eine Ablöse für Arp einstreichen. Es sei denn, er verlängert.

Für Sportchef Jens Todt steht längst fest: Der Youngster wird zu seiner Königs-Personalie.