So stemmt sich Dortmund gegen die Krise

Christoph Küppers
BVB-Trainer Bosz behält trotz Dortmunder Negativtrend die Ruhe

Gewohnt ruhig saß Peter Bosz am frühen Montagmittag auf dem Podest im Pressekonferenz-Raum des Dortmunder Westfalenstadions. In seiner typisch sachlichen Tonart analysierte der Trainer von Borussia Dortmund die aktuelle Lage rund um seinen Verein.

Die jüngste Kritik in einigen Medien sei keinesfalls übertrieben, so Bosz. Vielmehr habe er sogar in der frühen Saisonphase, in der viele Experten den BVB in den Himmel gejubelt hatten, noch Fehler gesehen. "Ich sehe, dass da noch viel Luft ist. Am Anfang war jede Halbchance ein Tor. Jetzt nicht mehr."

Mit seiner lockeren, ruhigen Art fährt der Trainer eine andere Linie als seine Bosse. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Manager Michael Zorc hatten die aufkommende Kritik zuletzt als "krank" (Watzke) und die Diskussion über das Spielsystem als "schizophren" (Zorc) bezeichnet.

Menschlich passt es zwischen Bosz und den Bossen 

In Dortmund möchte man die unterschiedlichen Sichtweisen keinesfalls als Widerspruch des Trainers gegen die Führungsetage verstanden wissen. Bosz hat eine hohe Meinung von Watzke und Zorc, den Bossen imponiert die Arbeit des Niederländers mit der Mannschaft. Es passt zwischen den drei wichtigsten BVB-Machern.

Entsprechend rational ist auch der unterschiedliche Umgang mit der Ergebniskrise in den vergangenen Wochen zu erklären: Mit ihrer emotionalen Reaktion wollten Watzke und Zorc nicht nur ihr Unverständnis über die aus ihrer Sicht zu früh aufkommende Kritik zum Ausdruck bringen. Die BVB-Chefs nehmen mit ihren Äußerungen naturgemäß Druck von Trainer und Mannschaft.

Im Windschatten der Bosse soll Bosz in Ruhe an seinem Spielsystem feilen. Entsprechend logisch ist auch sein sachlicher Umgang mit der aufkommenden Kritik.

Einige Baustellen beim BVB

Bosz, das zeigen seine reflektierten Auftritte, weiß selbst: Es gibt einige Baustellen, an denen er mit dem Team schleunigst arbeiten muss. Für ein paar grundlegende Probleme, wie die chronische Defensivschwäche, gibt es einfache Erklärungen. Etwa die arge Personalnot im Abwehrbereich mit teilweise bis zu fünf verletzten potenziellen Stammkräften.

Nur ein Beispiel: In Frankfurt sollte der angeschlagene Dan-Axel Zagadou ursprünglich gar nicht zum Kader zählen. Aufgrund mangelnder Alternativen musste der junge Franzose letztlich doch noch über eine halbe Stunde spielen.

Bosz will Spielstil beibehalten

Andere Probleme sind diffiziler: Die chronische Abschlussschwäche in den vergangenen Spielen etwa, oder auch die riesigen Löcher im Mittelfeldbereich sowie die Probleme beim schnellen Umschalten.

Kaum griffiges Gegenpressing, weniger Tempo als zu Beginn der Saison: An diesen Punkten wird Bosz nun feilen müssen, um den BVB schnellstmöglich zu den nächsten Siegen zu führen. Eines stellte der Trainer aber unmissverständlich klar: "An unserem Spielstil werden wir nichts ändern!"