So stehen Vettels Chancen auf den WM-Titel

Daniel Lange
Sebastian Vettel könnte zum fünften Mal Weltmeister werden

In der Formel 1 geht es so heiß her wie seit Jahren nicht.

An der Spitze kristallisiert sich ein Dreikampf um die WM-Krone heraus. Die beste Ausgangssituation vor dem Großen Preis von Belgien (LIVETICKER auf SPORT1) hat Ferrari-Pilot Sebastian Vettel, doch die Mercedes lauern direkt dahinter. Reicht es dieses Jahr für den Heppenheimer für den fünften Titel?

SPORT1 blickt auf Vettels Titel-Chancen:

- So ist der Stand

Sebastian Vettel liegt in der Fahrerwertung bei 202 Punkten und damit 14 Zähler vor Hamilton, auch Bottas hat mit 33 Punkten Rückstand auf Vettel noch Chancen auf den Titel. Dahinter lauern Daniel Ricciardo mit 117 Punkten und Vettel-Kollege Kimi Räikkönen mit 116 Zählern.

In neun Rennen sind noch maximal 225 Punkte an einen Fahrer zu vergeben. In den ersten Trainings in Spa landete Hamilton vor Vettel, der im Mittagstraining gar nur Fünfter wurde. Allerdings stoppte der Regen die Probefahrten frühzeitig.

- Das spricht gegen Vettel

Seine fehlende Souveränität. Der Heppenheimer zeigte in Baku mit seiner Rambo-Aktion gegen Lewis Hamilton, dass ihm manchmal die Besonnenheit fehlt - das sieht auch der der amtierende Champion Nico Rosberg.

Im SPORT1-Interview sagte der 32-Jährige: "Sebastians Stärke bringt ihm gleichzeitig auch eine Schwäche, wie man in Baku gesehen hat - er ist zu sehr überzeugt von sich, zu überzeugt, dass er immer Recht hat." 


Hamilton dagegen wirkt meist wie die Ruhe in Person. In Kanada drehte er lässig aus dem Fenster des Safety Cars lehnend eine Ehrenrunde. Beim Heim-Grand-Prix in Silverstone badete er in der Menge. Und auch die Stallorder von Ungarn, als er Teamkollege Bottas auf der Zielgerade passieren ließ, bringt ihn nicht aus der Ruhe.

Ein weiterer Faktor, der gegen Vettel spricht, ist sein Motor. Der Silberpfeil ist im Top-Speed deutlich überlegen. Dazu haben die Roten ihre vier erlaubten Turbolader pro Saison schon verbaut. Mercedes darf dagegen noch einmal nachbessern.

"Sebastian Vettel und Ferrari könnten leiden. Wir hingegen liegen prima im Einsatzplan für die Motorenteile", sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff der Gazetta dello Sport.

In Spa am Wochenende gilt Mercedes als Favorit, da aerodynamische Werte im Fokus stehen. "Ich glaube immer noch, dass Lewis und Valtteri einen Trumpf haben, weil sie langfristig das bessere Auto haben", sagte Rosberg bei SPORT1.

- Das spricht für Vettel

Der größte Pluspunkt für Vettel: der Fokus seines Teams liegt klar auf ihm. Während die Mercedes zwei nahezu gleichwertige Fahrer haben, setzt die Scuderia alles daran, den Heppenheimer auf den Thron zu hieven. Das wurde vor allem in Ungarn deutlich. Vettel hatte als Führender mit technischen Problemen zu kämpfen.

Räikkönen, auf Platz zwei platziert, hatte mehr Speed, durfte aber nicht überholen. Gleichzeitig musste Hamilton den schnelleren Bottas in der letzten Kurve des Rennens vorbeiziehen lassen. Vettel gewann, Hamilton wurde Vierter. Bottas zeigte sich zuletzt auch abseits der Strecke angriffslustig.

Auch "Gina", Vettels Bolide, steigerte sich während der ersten Saisonhälfte deutlich in Sachen Leistung und Zuverlässigkeit. Rosberg führt auch Hamiltons Inkonstanz als möglichen Vorteil für Vettel an.


Dazu spricht die Gier für den Heppenheimer. Drei lange Jahre lang schaute er den Mercedes beim Feiern zu. Jetzt hat Vettel wieder ein Auto, mit dem er gewinnen kann.

"Ich glaube an Vettel, denn ich kenne seine mentale Stärke", sagte sein alter Förderer Helmut Marko bei Red Bull im Gespräch mit Formula1.com: "Seb wird die Sommerpause nutzen, um noch stärker zurückzukommen. So kenne ich ihn."

Übrigens: die Statistik spielt Vettel in die Karten. In diesem Jahrtausend wurden die Gewinner des Auftaktrennens in Melbourne in elf von 17 Fällen später auch Weltmeister. Vettel gewann in Australien. 

- Fazit

Ferrari und Vettel müssen die guten Leistungen der ersten Saisonhälfte nun bestätigen. Mit Spa, Monza, Sepang, Suzuka, Austin stehen einige Highspeed-Strecken auf dem Programm – eher ein Vorteil für die Mercedes. Siege in Singapur, Mexiko und Abu Dhabi sind daher fast Pflicht für Vettel.

Im Moment schaut es gut aus, es ist aber noch ein sehr langer Weg. Ich bin sehr gut beraten, jedes Rennen für sich anzugehen. Man darf sich vom großen Ziel nicht ablenken lassen", sagte der Ferrari-Pilot am Donnerstag mit spürbarer Vorsicht. Rosberg bezeichnete eine Vorhersage als "unmöglich", glaubt aber an Mercedes.

Es könnte alles auf einen Showdown im vorletzten Rennen in Brasilien hinauslaufen, eine Strecke die beiden Autos wohl gleichermaßen liegt. Entscheidend wird auch die Konstanz werden. Punktet Vettel weiterhin so zuverlässig, steht seinem fünften WM-Titel wohl nichts im Wege.