So reagiert die Konkurrenz auf die Milliardenstrafe für Google


Die Milliardenstrafe der Europäischen Kommission gegen Google eröffnet Konkurrenten neue Möglichkeiten. Die gemeinnützige Organisation Mozilla, die den Browser Firefox entwickelt hat, erklärte, diesem werde nun erlaubt, Googles Chrome als Standardbrowser auf Smartphones zu verdrängen oder neben diesem auf dem Telefon vorinstalliert zu werden. Man sei in Gesprächen mit Herstellern wie Huawei und Samsung, teilte Mozillas Geschäftsführerin Denelle Dixon am Mittwoch mit.

„Diese Strafe tut sogar Google weh“, sagte Achim Wambach, Vorsitzender der Monopolkommission, dem Handelsblatt. Er begrüßte, dass Vestager „gegen die Produktbündelung bei Android vorgeht“. Das Kartellverfahren trage so dazu bei, „ein Ordnungssystem in der Internetwelt zu schaffen“.

Auch Yelp-Gründer Jeremy Stoppelman begrüße die Entscheidung. „Die Strafe kann ohne Frage einen wirklichen Effekt haben für die Wettbewerber“, sagte Stoppelman dem Handelsblatt. Sie hat das Potenzial, nicht nur in Europa etwas zu verändern, sondern auf der ganzen Welt.“ Den Vorwurf, mit dem Kampf gegen Google nur eigene Geschäftsinteressen zu vertreten, will er nicht gelten lassen: „Die Wettbewerbsverhältnisse sind nicht fair. Die Kunden haben keine Wahl.“

„Wichtig ist, dass Google sein missbräuchliches Verhalten ändern muss“, lobte Rich Stables, Geschäftsführer der konkurrierenden Suchmaschine Kelkoo. Experten zweifeln allerdings, ob sich die Smartphone-Welt nun tatsächlich ändern wird: Unter Konsumenten und Entwicklern sind Googles Produkte, also etwa die Suchmaschine, der Browser und der App-Store, beliebt.


Daher könnten Smartphone-Hersteller ihre neu gewonnene Freiheit gar nicht unbedingt nutzen, um andere Anwendungen zu verwenden, sagte Thomas Vinje, ein Anwalt der in Brüssel sitzenden Lobbygruppe Fair Search. Diese war im Fall Google der größte Beschwerdeführer.

Am Mittwoch verhängte die EU-Kommission eine Strafe von 4,34 Milliarden Euro gegen Google. Im Zusammenhang mit dem Betriebssystem Android erklärte sie, der US-Konzern habe Smartphone-Hersteller rechtswidrig dazu gebracht, Such- und Browser-Apps von Google auf ihren Geräten zu installieren. Google kündigte an, in Berufung zu gehen - Android habe für jeden mehr Auswahl geschaffen, nicht weniger.