So muss Wahlkampf sein


Fünf dominante Alphatiere, dazu zwei Moderatoren – und das alles in nur 75 Minuten. Dafür, dass ein Durchhasten bei der Debatte der kleinen Parteien in der ARD am Montagabend eigentlich schon programmiert schien, konnten die Spitzenkandidaten von Linken, Grünen, FDP, AfD und CSU beim „Fünfkampf“ erstaunlich viele ihrer Inhalte verständlich erklären – und zeigen, wo sie sich unterscheiden. 

Statt einem über weite Strecken harmonischen Duell wie es sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz am Vorabend geliefert hatten, ging es bei den kleinen Parteien tatsächlich zur Sache.

Es war die spannendere Debatte, was nicht zuletzt an Moderatorin Sonia Seymour Mikich lag, die kluge und kritische Fragen stellte. Man fragte sich nur: Was macht eigentlich die CSU da? Bis auf die Bayern-Partei befinden sich alle vier Kleinparteien im Kampf darum, drittstärkste Kraft im Bundestag zu werden. Bei den Grünen und der FDP geht es sogar um den möglichen Platz des Königsmachers für Merkel.

Die Moderatoren – neben Mikich noch Christian Nitsche vom BR – hatten aus dem Fehler ihrer TV-Duell-Kollegen gelernt, die dafür kritisiert worden waren, dass sie die Zukunftsthemen Digitalisierung, Bildung und Umwelt nahezu unberührt ließen. Erstes Thema also: Digitalisierung. Ausgerechnet FDP-Chef Lindner eröffnet das Duell mit dem Ruf nach mehr Regulierung für Digitalriesen wie Google, fordert dann aber auch die Digitalisierung des Staates, den Ausbau des schnellen Internets und mehr digitale Bildung. Gut gelaufen für die FDP, das sind ein paar der zentralen Forderungen der Partei. 


Auch Linken-Chefin Sahra Wagenknecht schlägt sich gut. Sie fordert eine Deckelung der Mietpreise: „Eine Wohnung ist keine Kartoffel, die man sich mal eben bei dem einen oder anderen Händler kaufen darf.“ Sie geißelt die Politik der Bundesregierung, die sich die Flüchtlinge mithilfe der libyschen Küstenwache vom Land hält und träumt von einer Welt ohne Grenzen. 

Wagenknecht rückte die über weite Strecken hinter einer betont sachlichen Rhetorik versteckte hässliche Seite der AfD in den Fokus. Und zwar als sie AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel fragte, ob sie es ok finde, dass auch „handfeste Halbnazis“, Leute vom „Björn-Höcke-Flügel“ in den Bundestag einziehen könnten. Weidel wich aus, behauptete, das seien eben Einzelfälle. 

Auch Cem Özdemir punktete mehrfach. So ließ er an diesem Abend zum Beispiel die Herzen von Feministen höher schlagen. Dreimal buhlte er um diese Wählerschaft. Zum ersten Mal als er forderte, man müsse „Leute anständig bezahlen, vor allem in den typischen Frauenberufen“. Zum zweiten Mal als er sich, angesprochen von Lindner, dafür aussprach, dass sich „die nächste deutsche Außenministerin“ für ein atomwaffenfreies Europa einsetzen solle. Und zum dritten Mal, als er betonte, dass jeder, der in Deutschland lebt, auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau akzeptieren müsse. 


Beim Thema Innere Sicherheit konnte sich CSU-Spitzenkandidat Herrmann als harter Hund zeigen: In Bayern dürfe kein Haus länger als 24 Stunden besetzt sein, sagte er, während Lindner sich für weniger Überwachung von vielen und mehr Überwachung der wirklichen Gefährder aussprach und Poller auf öffentlichen Plätzen als „Symbolmaßnahme“ kritisierte. Am weitesten ging AfD-Spitzenkandidatin Weidel, die sich dafür aussprach, Soldaten auf Bahnhöfen einzusetzen. 

Wo es noch keine eindeutigen Unterschiede zu erkennen gab, hatten die Spitzenkandidaten am Ende noch selbst die Gelegenheit, den Wähler mit der Nase darauf zu stoßen. So versuchte Lindner etwa, den Grünen zu unterstellen, dass sie ein ideologisches Vorgehen im Konflikt mit Russland verfolgten, während die FDP Realpolitik machen wolle.

Einen eindeutigen Gewinner gab es am Montagabend am Ende nicht. Jedem Wähler dürfte aber klarer geworden sein, wo die Unterschiede zwischen den kleinen Parteien liegen. Die Kontrahenten schafften es zudem, die Balance zwischen Angriffslust und Respekt zu wahren. So muss Wahlkampf sein.